(openPR) Die Kunstausstellung "Vogeltraum" in der gotischen Kapelle des Luftmuseums Amberg zeigt Messerschnitte von Hans Lankes.
Es sind Bilder von Wechselwirkungen und Interaktionen zwischen Menschen und Vögeln, wobei die Vögel eindeutig den aktiven Part übernehmen und die Menschen meist eher passiv bleiben. Oft sind die Menschen wie in einer Meditation versunken, manche wirken entrückt, andere traumverloren.
Die Vögel agieren wie selbstverständlich, je nach dem könnte man sie als fürsorglich oder als aggressiv interpretieren. Mal scheinen sie den Menschen zu füttern oder ihm etwas ins Ohr zu stecken - vielleicht ziehen oder reißen sie aber auch etwas aus dem Menschen heraus. Mal werden die Menschen gekniffen oder der Vogel scheint einfach durch den Menschen hindurchzufliegen.
Die Bilder sind Konzentrate, nur das Nötigste ist vorhanden. Diese Reduzierung erzeugt die Konzentration auf das Wesentliche, das ein autonomes Bild ausmacht. Hierfür ist die Technik des Messerschnittes ideal - der Künstler schneidet mit Skalpell oder Cutter von einem einzigen Blatt Papier so viel weg, bis das gewünschte Bild erscheint. Wenige Linien lassen einen Menschen erkennen und schnelle Schnitte erzeugen einen Vogel, wobei meist nicht ein bestimmter Vogel gezeigt wird, sondern das Bild eines Vogels: ein Vogel als Luftwesen, als fliegender Körper, der die Erdanziehung aus eigener Kraft überwinden kann und in dieser Hinsicht dem Menschen überlegen ist. Hans Lankes interessiert sich nicht für Ornithologie, sondern für ein Fantasiebild vom Vogel, das wie ein Zeichen allgemein verständlich ist.
Gedankenansätze können der Flug der Seele, der Traum vom Fliegen oder auch die Nachdenklichkeit über die Erdgebundenheit sein.
Manche Menschen entwickeln eine fiebrige Obsession für die intelligenten Traumtiere, anderen sind die vermeintlich grausamen "gefiederten Dinosaurier" äußerst suspekt.
Man denkt vielleicht auch an Vogeldarstellungen in der Mythologie und in der Kunstgeschichte. Etwa an die Falken in der mittelalterlichen Buchmalerei oder an Zeus, der sich in einen Adler verwandelt, um Ganymed zu entführen. Prometheus wurde an einen Felsen gekettet, damit ihm ein Raubvogel die Leber aus dem Leib reißen konnte - jeden Tag aufs Neue, denn jede Nacht ist die Leber wieder nachgewachsen. Vielleicht denkt man auch an Leda mit dem Schwan oder an die menschenfressenden stymphalischen Vögel in Arkadien. Oder an Picassos Taube. Gegenwärtiger sind die zahllosen kopfüber fliegenden Adler von Georg Baselitz. Alexander Jakimowitsch schreibt dazu von "paranoider Ornithologie".
Die Messerschnitte von Hans Lankes entwickeln eine ganz eigentümliche Ausstrahlung. Sie zeigen eine vermeintliche Realität und führen dabei in individuelle Innenwelten. Sie verdeutlichen Zustände, die man eigentlich nicht sehen kann. Der Künstler sagt über seine Arbeiten: "Es wird nichts dargestellt, es wird kein Text illustriert. Es wird etwas gezeigt und was gezeigt wird, ist ein Bild, das für sich steht."
Regina Hoff











