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Osteoporose: Interview mit GSAAM Präsident Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk

11.10.201117:40 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Osteoporose: Interview mit GSAAM Präsident Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk

(openPR) „An Osteoporose sterben inzwischen mehr Frauen als an Brustkrebs“

Frage: Herr Professor Kleine-Gunk, als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin (GSAAM) und als zertifizierter Osteologe haben Sie die gesundheitspolitische Situation in Deutschland bezüglich der Osteoporose als „beschämend“ bezeichnet. Was genau kritisieren Sie?



KGB: Die Zahl der Osteoporosekranken in Deutschland wird auf ca. 8 Millionen geschätzt. Wir wissen aber, dass von diesen 8 Millionen Erkrankten nur etwa ein Drittel richtig diagnostiziert ist. Von diesem Drittel werden wiederum nur 30 Prozent richtig – das heißt nach den Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) – behandelt. Die Osteoporose ist damit die am meisten unterdiagnostizierte und untertherapierte Volkskrankheit in Deutschland. Das ist in der Tat beschämend – insbesondere wenn man bedenkt, dass uns hervorragende Diagnose und Therapieverfahren zur Verfügung stehen.

Frage: Warum wird die Osteoporose so selten richtig diagnostiziert?

KGB: Der Grund hierfür ist sehr einfach. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen das einzige wirklich aussagekräftige Diagnoseverfahren, nämlich die DXA-Messung (Knochendichtemessung) nicht als präventive Gesundheitsmaßnahme. Eine Knochendichtemessung wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel erst dann erstattet, wenn bereits ein Knochenbruch eingetreten ist. Ein derartiges Vorgehen kann man eigentlich nur als zynisch bezeichnen. Es ist in etwa so, als ob Sie erst einmal einen Herzinfarkt erleiden müssen, damit Ihr Blutdruck bzw. Cholesterinspiegel gemessen wird.

Frage: Warum ist denn die DXA-Messung in Ihren Augen so wichtig?

KGB: Weil sie in der Tat die einzige Maßnahme ist, mit der ein Verlust an Knochenmasse und damit eine drohende Osteoporose bereits im Frühstadium diagnostiziert werden kann. Laboruntersuchungen helfen uns hier nicht weiter. Klinische Beschwerden und Schmerzen treten erst dann auf, wenn es bereits zu Knochenbrüchen gekommen ist. Genau das soll ja aber vermieden werden.

Frage: Wie sehen Ihre konkreten Forderungen aus?

KGB: Für Frauen ab dem 50. und Männer ab dem 60. Lebensjahr sollte die DXA-Messung als allgemeines Screeningverfahren angeboten und von den Krankenkassen finanziert werden. Ähnliches haben wir ja inzwischen im Bereich des Mammographie-Screenings oder der Darmspiegelung. Im Gegensatz zu den beiden genannten Maßnahmen handelt es sich bei der DXA-Messung um ein nichtinvasives Verfahren mit nur minimaler Strahlenbelastung und hohem Aussagewert.

Frage: Vorausgesetzt, es wird tatsächlich frühzeitig eine erniedrigte Knochendichte gemessen. Gibt es denn überhaupt präventive Maßnahmen, um dann einen Knochenbruch zu vermeiden?

KGB: Absolut. Kaum einer Erkrankung lässt sich derart gezielt und effektiv vorbeugen wie der Osteoporose. Und einfach sind die Maßnahmen auch. Sie sollten täglich 1000-1500 Milligramm Calcium zuführen, auf Ihren Vitamin D-Spiegel achten und ausreichend Sport treiben. Für den Erhalt der Knochendichte ist das Kraft- und Muskeltraining sehr wichtig. Bei fortgeschrittener Osteoporose gibt es darüber hinaus wirksame Medikamente. Frauen nach den Wechseljahren profitieren bezüglich des Erhalts ihrer Knochendichte auch von einer Hormonersatztherapie.

Frage: Aber auch diese einfachen Maßnahmen werden nicht immer durchgeführt.

KGB: Das ist leider richtig. Und es ist ebenfalls kein Ruhmesblatt für unser Gesundheitssystem. Die Supplementierung mit Calcium und Vitamin D ist zum Beispiel die Basistherapie der Osteoporose. Aber auch hier lehnen die Krankenkassen – dies gilt sogar teilweise für die Privatkassen – die Kostenerstattung zumeist ab. Die immergleiche Berichterstattung der Medien mit dem Tenor „Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts“ hat offensichtlich die erwünschte Wirkung erzielt und dazu geführt, dass entsprechende Präparate rigoros aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen werden. Die Folge ist, dass viele Osteoporosepatienten dann zwar ihre teuren Medikamente einnehmen, die Basisversorgung mit Calcium und Vitamin D jedoch nicht durchführen, weil sie diese selber bezahlen müssten. Auf diese Weise laufen viele Behandlungen ins Leere.

Frage: Welche Konsequenzen hat diese in Ihren Augen verfehlte Gesundheitspolitik in Sachen Osteoporose?

KGB: Zunächst einmal bedeutet es für die Krankenkassen eben nicht, dass sie Kosten einsparen sondern dass sie zusätzliche Kosten produzieren. Allein in Deutschland betragen die Folgekosten von osteoporotisch bedingten Knochenbrüchen über 5 Milliarden Euro jährlich. Mit einer konsequenten leitliniengerechten Diagnose und Therapie könnten die Hälfte dieser Frakturen und damit etwa 3 Milliarden Euro eingespart werden.
Aber es geht ja nicht nur um abstrakte Zahlen sondern auch um individuelle Schicksale. Inzwischen erleidet jede dritte Frau nach dem 50. Lebensjahr einen osteoporotisch bedingten Wirbelkörperbruch. Dies führt häufig zu chronischen Schmerzen und nicht selten auch zu Invalidität. Darüber hinaus erleiden jedes Jahr 140.000 ältere Frauen einen Schenkelhalsbruch. Auch von diesen Brüchen sind 90 Prozent osteoporosebedingt. Rund 20 Prozent dieser Patientinnen sterben innerhalb des ersten Jahres an den Folgen ihres Bruches. Anders ausgedrückt: In Deutschland sterben inzwischen mehr Frauen an den Folgen eines osteoporotisch bedingten Schenkelhalsbruches als an Brustkrebs. Es ist also wirklich höchste Zeit, das Thema „Knochengesundheit“ intensiver in das öffentliche Bewusstsein zu tragen.

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