(openPR) „Es muss endlich Schluss sein mit den Doppelstandards in der deutschen Geschichtsaufarbeitung! Mit ihrer ignoranten Haltung im Umgang mit der deutschen Kolonialvergangenheit begibt sich die Bundesregierung auf ein gefährliches Glatteis und schadet dem deutschen Ansehen in der Welt“, so der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach Auswertung der Antworten der Bundesregierung auf zwei Kleine Anfragen der Fraktion DIE LINKE zur Rückführung der Gebeine von Opfern des ersten deutschen Völkermords nach Namibia (Drucksachen 17/6227 und 17/6813). Movassat weiter:
„Die menschenverachtende NS-Ideologie fiel nicht vom Himmel. Ihr grausamer Vorbote waren Jahrhunderte der Sklaverei und des Imperialismus – ideologisch flankiert durch einen tief im europäischen Denken verwurzelten Rassismus, dessen primäres Ziel immer schon die Hierarchisierung und Herabwürdigung von Menschen war. Auf ihm wurde das deutsche Kolonialreich blutig errichtet. In seiner Kolonie Südwestafrika verübte Deutschland seinen ersten Völkermord. Der bedenkenlose Raub und die „Verwertung“ der sterblichen Überreste der Opfer fand seine Entsprechung im späteren Schicksal der mehrheitlich jüdischen Opfer des NS-Regimes.
Es ist an der Zeit, den Opfern des deutschen Kolonialismus dieselbe Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, wie den Opfern der Nazi-Diktatur! Die Bundesregierung verhält sich wie ein verschämter Junge, der in flagranti beim Zündeln erwischt wurde: Er kommt nicht umhin, seine „besondere historische und moralische Verantwortung“ gegenüber Namibia einzugestehen; eine Antwort darauf, was denn das „Besondere“ an dieser Verantwortung nun genau ist – nämlich der Völkermord! – verweigert er beharrlich. Schamlos dann die Behauptung, der Bundesregierung lägen „keine eigenen Erkenntnisse vor, ob und in welchem Umfang deutsche Unternehmen (…) von Zwangsarbeit und Enteignungen profitiert haben.“
So kann nur reden, wer sich sicher ist, dass er bei seiner vorgetäuschten Naivität keinen Aufschrei des Protests zu befürchten hat. Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit und ihre Kontinuitäten bis heute sind noch weit davon entfernt, über den wissenschaftlichen Tellerrand hinaus in den Köpfen angekommen zu sein. Es wird höchste Zeit, dies zu ändern!“




