(openPR) Das Reizdarmsyndrom ist eine häufige Diagnose beim Internisten. Ca. 70 Prozent der Patienten in einer gastroenterologischen Praxis leiden darunter.
Patienten mit Reizdarmsyndrom klagen häufig über Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall oft im Wechsel, Blähungen, zusätzlich Aufstoßen, Sodbrennen und Übelkeit. Oft treten auch noch andere psychosomatische Beschwerden auf wie Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen und Zittern.
Zu Beginn der Therapie muss der Patient sich mit beiden Seiten der Erkrankung sowohl der körperlichen wie der psychischen akzeptiert fühlen. Eine Voraussetzung ist auch, dass er selbst erlebt, wie der Körper durch psychische Prozesse beeinflusst wird. Das bisher meist rein somatisch geprägte Krankheitsverständnis soll damit erweitert werden.
Die Wirksamkeit von Hypnotherapie wurde von einer Expertenkommission als effektiv bewertet. Sie schnitt besser ab als die kognitive Verhaltenstherapie.
Ein Ziel ist die Entkrampfung und Stressreduktion. Der Patient lernt dabei allmählich loszulassen und zu entspannen, was schließlich dazu führt, dass er auch die angespannten Darmmuskeln loslassen kann.
Vor Beginn der Therapie ist die genaue Anamnese wichtig: Wann treten die Anfälle auf? Bestehen Zusammenhänge mit anderen Problemen? Was sieht der Patient selbst für Ursachen? Welche bisherigen Therapieversuche waren hilfreich, welche nicht? Wichtig sind die biographische Anamnese, Lebenssituation, die Herkunftsfamilie und die biographischen Bedingungen beim Auftreten der Erkrankung und viele andere Informationen wie persönliche Einstellungen, Motivation, Stärken und Wertvorstellungen. Ich frage auch danach, was der Patient dabei denkt, was er sich vor stellt, was innerlich abläuft, was er spürt, wenn er Bauchschmerzen bekommt. Was macht ihm konkret „Bauchschmerzen“? Wie ist sein Verständnis der Erkrankung? Hat er Hoffnung auf Besserung? Fühlt er sich der Krankheit hilflos ausgeliefert? Gibt es vielleicht auch Vorteile durch die Erkrankung?
Der Patient erhält Informationen über die physiologischen und veränderten Abläufe im Darm, wie gestörte Bewegung und erhöhte Empfindlichkeit des Darms und die normale Darmfunktion. Es wird ein Tagebuch über die Beschwerden geführt, in dem der Zeitpunkt, der Schweregrad und Begleitumstände genau aufgeschrieben werden.
Im weiteren Verlauf werden visuelle Vorstellungen eines ruhig dahin strömenden, sich hin und her schlängelnden Flusses entwickelt, die sich mit dem Bild der Darmbewegung verbinden lassen. Diese Bilder werden bei Patienten, die unter Durchfall leiten so verändert, dass der bisher schnell fließende Fluss die Strömung verlangsamt oder bei Verstopfung sich das Fließen beschleunigt.
Dazu gehören auch Suggestionen von Entspannung, Erholung, Wärme und Wohlbefinden, die sich im Bauch ausbreiten, wenn die Hände auf den Bauch gelegt werden. Dies wird geankert und in Alltagssituationen übertragen: Immer wenn die Hände auf dem Bauch liegen, stellt sich Wohlbefinden, Entspannung und allmählich regelmäßige gleichmäßige Darmbewegung ein.
Mit einer Metapher kann das Vertrauen in den Körper bestärkt werden, z.B. mit der Vorstellung wie kleine Kinder das Schaukeln lernen. Dabei spüren sie die Freude an der körperlichen Bewegung, der wachsenden Koordination, Spaß und angenehme Empfindungen im Körper und gewinnen damit Vertrauen in sich selbst, ihre Fähigkeiten und ihren Körper.
Der nächste Schritt ist die Vermittlung der Vorstellung, dass die Krankheit durch einen unbewussten Persönlichkeitsanteil hervorgerufen wird, um etwas mitzuteilen und zu erreichen. Die bisherige Ansicht, dass die Krankheit ein Feind ist, der besiegt werden soll, hat zu unwirksamen Strategien geführt, die festgefahren sind. Die verschlüsselte Ausdrucksweise des Körpers wird nicht verstanden. Dass die Erkrankung hilfreich und sinnvoll sein soll, wird zunächst vom Patienten völlig abgelehnt. Ein wichtiges Ziel ist es nun aus dem bisherigen Kampf gegen den Körper zu einem respektvollen Umgang und Kooperation wie zu einer wichtigen Bezugsperson zu kommen. Der Körper wird zum Kommunikationspartner. Um den abgelehnten Teil schätzen zu lernen und als Ratgeber und Helfer anzunehmen sind oft längere innere Verhandlungen notwendig.
In dieser Phase der Hypnotherapie wird die Altersregression eingesetzt. Beim mentalen Zurückgehen vor den Beginn der Erkrankung kommen oft psychische Verletzungen, mangelnde Zuwendung, Verluste, Zusammenbrüche und Traumata zu Tage. Oft bestandin der Entwicklungsphase ein Klima, in dem nur Leistung galt. Bedürfnisse wurden nicht wahrgenommen sondern bekämpft. Es waren eine strenge Selbstkontrolle und Überangepasstheit erforderlich. Häufig zeigt sich auch eine innere Einengung, zu wenig Raum, sich zu entfalten und seine Interessen und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu verfolgen. Erst die innere Klärung von Beziehungen, die Befreiung von behindernden Einstellungen, das Erkennen, was für einen selbst wichtig und wertvoll ist, kann das innere Gleichgewicht wiederherstellen und damit auch das normale Funktionieren des Magen-Darmtrakts.
Bei der Zukunftsprojektion wird das Leben ohne Beschwerden mit viel Freiheit und im Einklang mit dem Körper als zuverlässigen Ratgeber mit neuen Ideen und Vorschlägen in der Phantasie erprobt.
Oft lassen sich mit dieser Therapie die Beschwerden rasch und auf Dauer beseitigen.







