(openPR) Sexuelle Störungen sind weit verbreitet und eine der häufigsten Gründe, warum Männer einen Hypnosetherapeuten aufsuchen. Viele Männer klagen über Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion). Trotz sexueller Appetenz ist dabei Stärke oder Dauer der Erektion nicht ausreichend für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr. Die Diagnose wird gestellt, wenn seit ca. 6 Monaten in mehr als zwei Dritteln der Versuche die Erektion für einen Geschlechtsverkehr nicht ausreicht. Unter den 40- bis 49-Jährigen ist knapp jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-Jährigen bereits jeder dritte. In Deutschland leiden ca.4–6 Millionen Männer an Erektionsstörungen. Es gibt eine große Dunkelziffer, da viele Männer aus Schamgefühl das Problem nicht anzusprechen.
Zahlreiche körperliche Krankheiten oder auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten, Alkohol und Nikotin können zu Potenzproblemen führen. Ungefähr bei der Hälfte der Betroffenen liegen organische, bei etwa 20 % eine Kombination aus körperlichen und psychischen Störungen vor, bei ca. 30% ist die erektile Dysfunktion rein seelisch bedingt.
Auch vorzeitiger Samenerguss (Ejaculation praecox) tritt häufig auf. Wenn der Ejakulationsreflex nicht hinreichend kontrolliert werden kann, erfolgt die Ejakulation zu früh.
Seltener ist die Alibidimie, wenn das sexuelle Verlangen herabgesetzt oder gänzlich aufgehoben ist.
Elternhaus, Schule und Kirche prägen zum großen Teil den Umgang mit dem eigenen Geschlecht und der Sexualität. Oft spielen negative Einstellungen der eigenen Person gegenüber und die Ablehnung des eigenen Körpers, Empfindungen wie Ekel oder Tabuisierung der Sexualität und Schuldgefühle eine Rolle. Auch Unsicherheit in der Partnerschaft oder negative Gefühle gegenüber der Partnerin hemmen die Erektion. Sexualstörungen können Ausdruck einer gestörten Beziehung sein. Sie sind immer auch ein Paarproblem. Ein unerfülltes Sexualleben kann zudem die Paarbeziehung tiefgehend stören. Ein Mann befürchtet, dass seine Partnerin ihn wegen der Impotenz verlässt. Diese Gefühle wirken sich auch negativ auf Partnerschaft, soziale Kontakte und Arbeitsfähigkeit aus. Die Partnerinnen von betroffenen Männern können Schuldgefühle oder Selbstwertprobleme entwickeln.
Man findet bei Männern mit Potenzstörungen immer eine ausgeprägte Angst vor dem Versagen. Die sexuellen Funktionsstörungen werden wiederum verstärkt durch den Misserfolg. Es entsteht ein Teufelskreis. Denn die Angst zu versagen führt zwangsläufig zum Versagen, was die Erwartungsangst wiederum verstärkt. Auch organisch bedingte Potenzproblem können sich dadurch verschlimmern.
Die Erfahrung des sexuellen Unvermögens führt zur Beschämung und Störung des Selbstgefühls und der männlichen Identität. In einer Gesellschaft, in der Männlichkeit oft mit sexueller Potenz gleichgesetzt wird, fühlt sich ein Mann, der Potenzprobleme hat, als Versager, als "Schlappschwanz“.
Die Therapie der Sexualstörungen sollte die Partnerin mit einbeziehen. Nach Masters und Johnson (1970) wird in der Paartherapie schrittweise ein positives Erleben der Sexualität aufgebaut mit Übungen, die das Paar parallel zur Hypnosetherapie durchführen sollte. Durch Sensualitätsübungen (Streicheln) zunächst ohne direkte sexuelle Stimulation kann das Körpergefühl verbessert, die Angst zu versagen abgebaut und allmählich Vertrauen und Sicherheit geschaffen werden. Auch die Einstellung zur Sexualität und die gegenseitige Kommunikation werden verbessert.
Durch die Tiefenentspannung in der hypnotischen Trance kann Stress abgebaut und Gelassenheit als Voraussetzung für die Beseitigung der Störung gefördert werden.
Während der Trance werden positive sexuelle Erfahrungen ohne Ängste oder Überforderungsgefühle aus der Vergangenheit aufgesucht. Die sexuellen Gefühle und Fantasien können dabei mental mit allen Sinnen erlebt, verstärkt und verankert werden.
Wichtig ist, dass die hemmende Selbstbeobachtung und negative Bewertungen, die inneren Gespräche, die irrational und weitgehend unbewusst ablaufen und als negative Autosuggestionen wirken, abgebaut werden. Die Folge dieser negativen Suggestionen kann als eine Art von unbewusster negativer Selbsthypnose angesehen werden (Aroaz 1984). Ein Ziel der Hypnotherapie ist es, diesen Trancezustand und die damit verbundenen sexuellen Vorstellungen aufzudecken und durch positive Suggestionen und Bilder zu ersetzen. Dabei sollte auch die Technik der Selbsthypnose erlernt und eingesetzt werden.
Der tief sitzenden Angst sexuell zu versagen, liegt oft eine frühe Störung zu Grunde mit wenig Selbstsicherheit und dem Gefühl auch in anderen wichtigen Lebensbereichen ein Versager zu sein. In der kindlichen Entwicklung fehlte häufig das Gefühl geliebt und ohne besondere Leistung akzeptiert zu sein. Um an die Wurzeln der negativen Gefühle zu gelangen werden die Altersregression und die Affektbrücke eingesetzt. Dabei können die unbewussten Ursachen des Symptoms, Prägungen und Blockaden aufgedeckt und aufgelöst werden. Die emotionalen Erfahrungen aus der Kindheit müssen grundlegend bearbeitet werden, z.B. durch die „Self-reparenting“-Technik (Goulding und Goulding 1979) oder durch die NLP- Methode „change history“. Dabei erlebt man ein prägendes Ereignis noch einmal ganz anders, so wie es hätte sein können, wenn damals schon die nötigen Ressourcen verfügbar gewesen wären. Die bisherige innere Repräsentation eines prägenden Ereignisses wird dadurch positiv verändert. Es geht nicht um die tatsächlich geschehene Vergangenheit, sondern um die internale Repräsentation dieser Vergangenheit, die wie aktuelle Ergebnisse der Gedächtnisforschung zeigen, außerordentlich veränderlich ist. Durch die Neuorientierung und Verbesserung des Selbstwertgefühls und der Selbstsicherheit wird die Basis geschaffen auch für eine befriedigende Sexualität.
Oft findet man dabei auch eine Ambivalenz gegenüber der Sexualität. Ein Persönlichkeitsanteil bejaht die Sexualität, während ein anderer unbewusster Teil sie negativ beeinflusst und mit der Symptomatik einen meisi nicht bewussten Zweck verfolgt. Mit dem Verfahren des Reframings (Grinder u. Bandler 1984) kann der Sinn des Symptoms kreativ umgedeutet und eine sinnvolle Alternative gefunden werden.
Innere Vorstellungen auf allen Sinneskanälen verbessern die Vorstellung und die Wahrnehmung des Körpers. Lustvolle Phantasien werden aufgebaut mit der Visualisierung und dem ganzheitlichen Erleben von befriedigendem Sex. Es werden dabei auch direkte Suggestionen gegeben, wie fest und anhaltend die Erektion beim Sex ist. Diese Vorstellung wird mit der Induktion einer Armkatalepsie verbunden, der Erfahrung, dass in Trance der Arm steif und fest wird wie die Erektion. Dadurch kann die positive Erfolgserwartung verstärkt werden.
Psychisch bedingte sexuelle Funktionsstörungen werden aller Regel durch Hypnosetherapie schnell verbessert oder geheilt, so dass Erotik und Sexualität ohne Einschränkungen genussvoll möglich werden.






