(openPR) In Deutschland gibt es laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jedes Jahr rund 900 EHEC-Fälle. Alles nicht so schlimm: die derzeitigen bis jetzt rund 1.500 Fälle? Oder doch? Die Kliniken schieben Sonderschichten, es sterben trotzdem Patienten, die Untersuchungslabors analysieren Tag und Nacht Lebensmittelproben, landwirtschaftliche Betriebe und Gemüsehändler kämpfen um ihre Existenz und es drohen internationale Verwicklungen mit möglicherweise erheblichen Schadensersatzforderungen, so dass sich selbst die Bundeskanzlerin eingeschaltet hat. Und was macht der ganz normale Bürger? Er schaut auf „die da oben“ und hofft, dass die es schon richten werden. Ansonsten führt er mit seiner Umgebung verunsichert Diskussionen, sieht in die Medien und versucht, die dort veröffentlichten Empfehlungen mit einem Fragezeichen im Gesicht mehr oder weniger genau zu befolgen.
Nun, da ich in meinem Berufsleben weit über zwei Jahrzehnte in der Trinkwasser- und Gewässerüberwachung tätig war und u. a. auch als Sachverständiger bei der Aufklärung von Wasserverunreinigungen mitgewirkt habe, meine Erfahrungen in dem Buch "Trinkwasser für Europa" (siehe unten angegebene Internetadresse) veröffentlichte und auch immer wieder von meiner näheren Umgebung (z. B. Verein), die ja meine früheren beruflichen Aktivitäten kennt, zum Thema befragt werde, blieb es bei mir nicht dabei. Als ich in den Medien mögliche Ursachen und so manche Verbreitungswege und die daraus resultierenden Empfehlungen, an die ich z. B. dachte, auch nach Wochen noch nicht gesehen habe oder erörtert fand, fragte ich mich, ob man diese überhaupt geprüft bzw. erwogen hatte.
Auch wenn ich nicht mehr berufstätig bin, war ich aufgrund zahlreicher Zeitungsartikel und Beiträge in den verschiedenen Medien der Meinung, dass vielleicht in diesem Fall auch praktische Erfahrungen und Ideen älterer Mitglieder unserer Gesellschaft in einer Art Brainstormimg gefragt sein könnten. So versuchte ich, da ich ohne Rücksprache mit den zuständigen Stellen nicht in der Öffentlichkeit "herumfuhrwerken" wollte, über die Polizeidirektion, Abteilung „Gewerbe und Umwelt“, das Landratsamt, Abteilung „Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung“, das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) per Telefon und/oder E-Mail Kontakt zu den für EHEC zuständigen Personen zu bekommen, um mit ihnen darüber zu sprechen und ihnen vielleicht mit meinen Ermittlungserfahrungen die eine oder andere Anregung zu geben, die beim Brainstorming evtl. zu neuen Denkansätzen beim EHEC-Problem führen könnte.
Auf die E-Mails erhielt ich bisher keinerlei Reaktion, in den Telefonaten wurde ich gefragt, von welcher Institution ich kommen würde. Als ich wahrheitsgemäß antwortete, dass ich jetzt Privatmann sei, war das Interesse an meiner Person offenbar sofort beendet und man gab mir höflich aber bestimmt zu verstehen, dass man für mein Anliegen nicht zuständig sei. Als ich dann darum bat, man möge mir doch bitte die zuständigen Stellen nennen oder wenigstens eine Kontaktadresse, bei der ich mit meinem Anliegen weiterkäme, meinte man, dass man dort mit mir als Privatperson solche Themen höchstwahrscheinlich nicht besprechen würde. Ich solle mich daher selbst darum bemühen.
Ich könnte nun nicht sagen, dass man mir gegenüber unhöflich gewesen wäre, aber ich wurde den Eindruck nicht mehr los, als empfände man es von mir als „störend“ (um es einmal milde zu formulieren), wenn ich als Privatperson mit den zuständigen Behördenvertretern über ein so heikles Thema reden wollte. Da mir der Kontakt letztlich verwehrt wurde, konnte ich den zuständigen Personen meine Erfahrungen und Gedanken zu den Ermittlungen im jetzigen EHEC-Fall auch nicht mitteilen.
Aufgrund meiner Erfahrungen und Kenntnisse ist auch mir bewusst, dass die sogenannten "Kreuzkontaminationen" beim EHEC-Problem in der Praxis außerordentlich schwer nachzuvollziehen und nachzuweisen sind. Hinzu kommt noch, dass der natürliche Lebensraum der E. coli und damit auch der EHEC der Darm von Mensch und Warmblütern wie Rindern, Schweinen, Schafen usw. ist. Außerhalb dieses natürlichen Lebensraumes können diese Keime je nach ihren Mikro-Umgebungsbedingungen (Biofilme usw.) nur eine gewisse Zeit überleben und man kann eine Art exponentielle Absterbekurve beobachten. Wasser- und Nährstoffmangel, direkte Sonneneinstrahlung, ungünstige Temperaturen, Gefressen werden durch andere Mikroorganismen usw. töten die Keime nach und nach ebenfalls ab. Diese extrem unterschiedlichen Einflüsse auf das Überleben der Keime außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes machen die Nachweise nach längerer Zeit auch für die besten Wissenschaftler immer schwieriger und unwahrscheinlicher.
Deshalb wird meines Erachtens die Chance, die ursprüngliche Quelle zu finden, umso geringer, je länger die Suche dauert. Meiner Meinung nach wird es dann immer wichtiger, sich auf die Verhinderung oder Minimierung der Weiterverbreitung zu konzentrieren oder diese doch zumindest zu erörtern. Und dazu gehört es auch, der Öffentlichkeit unabhängig von einer evtl. gefundenen Ursache möglichst alle bekannten Übertragungs- und Verbreitungswege und die daraus resultierenden Verhaltensweisen aufzuzeigen. Bestimmte Wege ohne entsprechende Untersuchungsergebnisse, z. B. weil man sie für wenig wahrscheinlich hält, wegzulassen, halte ich in diesem Fall nicht für vertretbar. Und wie sieht es mit der in solchen oder ähnlichen Fällen regelmäßig begrenzten Laborkapazität aus? Findet dort eine sinnvolle Prioritätensetzung und Koordination der Untersuchungen statt? Und werden die Verbraucher, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt empfiehlt, auch in „allen Phasen“ informiert? Und da die Zahl der Erkrankungen weiterhin steigt, wäre es zu früh, zur normalen Tagesordnung zurückzukehren.
Ich finde es für das frühere Land der Dichter und Denker schade, dass es keine Stelle in unserem Land zu geben scheint, die es ermöglicht, in solchen Fällen auch die Erfahrungen und Ansichten von Privatpersonen einzubringen, die zwar nicht mehr berufstätig sind, aber auf den betreffenden oder ähnlichen Gebieten langjährige Berufserfahrungen besitzen. Bei der Polizeidirektion war man sogar der Meinung, die zuständigen Stellen in Hamburg würden das schon richtig machen. Da bedürfe es keiner solchen Diskussionsbeiträge und Anregungen von außerhalb. Oder ist es so, wie es mir hier scheint: Ein älterer erfahrener Mensch zählt nach dem Ausscheiden aus seinem Berufsleben in Staat und Gesellschaft nicht mehr viel?
Na ja, so wie das bisher gelaufen ist, hatten die dortigen Maßnahmen zwar eine internationale Verstimmung zur Folge, aber das EHEC-Problem bekam man nicht in den Griff. Für die Verbraucher gab es nur die bereits bekannten Empfehlungen, obwohl der jetzige EHEC-Stamm laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) deutlich gefährlicher sei als die bereits bekannten Stämme. Vielleicht wären die Erfahrungen und Kenntnisse sachkundiger Privatpersonen in einem Brainstorming zum jetzigen EHEC-Problem doch hilfreich gewesen, auch wenn das natürlich keine Lösung des Problems bedeuten muss. Man hätte aber mehr Gesichtspunkte, die man ggf. berücksichtigen könnte. Das ist ja auch der Sinn eines Brainstormings.
So bin ich z. B. in meinem bereits genannten Buch in den Kapiteln „Auch Krankheitserreger entwickeln sich weiter“ und „Angemessene Warnung oder Panikmache“ auf die EHEC-Problematik im Trinkwasserbereich und auf die entsprechende Warnung bzw. Information der Verbraucher, die ja ein sehr wichtiger Punkt ist, eingegangen. Insofern weiß ich durchaus, wovon ich hier rede.











