(openPR) Die Attentäter von London haben für ihre Anschläge konventionelle Sprengkörper benutzt. Doch die Gefahr atomaren Terrors wird größer. Davor warnt der Politik-Experte und Sachbuchautor Martin Schwarz.
In London rechneten die Behörden am vergangenen Donnerstag zuerst auch mit der Möglichkeit, die Terroristen könnten es auf die radioaktive Verstrahlung der britischen Hauptstadt angelegt haben und rasten auch mit Spezial-Ausrüstung zur Dekontaminierung und entsprechenden Schutzanzügen zu den Tatorten. Das belegt recht eindrucksvoll, dass sich die Londoner Behörden auch auf die Möglichkeit eines Anschlages mit einer so genannten "Schmutzigen Bombe" eingestellt haben.
"Westliche Sicherheitsdienste fürchten die Zündung einer solchen"Schmutzigen Bombe" in einer westlichen Großstadt", so Martin Schwarz, Experte für Internationale Politik und Autor des bei Droemer-Knaur kürzlich erschienenen Buches "Atomterror. Schurken, Staaten, Terroristen: Die neue nukleare Bedrohung".
Bei der Detonation einer "Schmutzigen Bombe" kommt es nicht zu einer Kernspaltung, es wird bloß ein konventioneller Sprengkörper mit radioaktivem Material ummantelt und die Bombe anschließend gezündet. Dabei wird radioaktives Material über ein relativ weites Gebiet verteilt und die Gegend kontaminiert. Die "Bombe des armen Mannes" ("Poor Man's Bomb"), wie diese Variante des Nuklearterrors genannt wird, vereinigt für terroristische Netzwerke mehrere Tugenden des Schreckens: Die psychologische Wirkung wäre enorm, die wirtschaftlichen Folgen ebenfalls.
"Zwar würden vergleichsweise wenige Menschen an den unmittelbaren Folgen einer solchen Explosion sterben, die Langzeitwirkungen aber wären verheerend", so Schwarz.
In London etwa wurde das Szenario eines solchen Anschlages schon vor Jahren durchgespielt: Ein Team von Experten des Consulting-Unternehmens Enviros ersann im Februar 2003 eine Simulation, bei der eine „schmutzige Bombe“, bestehend aus Caesiumchlorid und fünf Kilogramm Explosivstoffen, am Trafalgar Square gezündet würde. Das Ergebnis der Simulation: etwa zehn Menschen würden auf dem belebten Platz an den unmittelbaren Folgen der Explosion sterben. Innerhalb einer halben Stunde würde bei mäßigem Wind die radioaktive Wolke brauchen, um die Vororte Londons zu erreichen. Die Folgen der anschließenden Kontaminierung wären verheerend: wer sich zum Zeitpunkt der Explosion rund fünf Kilometer entfernt vom Tatort aufgehalten hatte, würde ein Risiko von 1:1000 in sich tragen, an Krebs zu erkranken. In einem Umkreis von nur einem Kilometer würde vermutlich jeder hundertste Mensch an Krebs erkranken. Einige Gebiete der Stadt würden etwa 200 Jahre lang unbewohnbar bleiben.
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