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Gesundheitsexperten kritisieren AMNOG

28.01.201116:52 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Gesundheitsexperten kritisieren AMNOG
9. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik. Prof. Ludwig, Prof. Augustin, Dr. Kiewel, Chr. Kranich, Prof. Häussler (v.l.n.r.)
9. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik. Prof. Ludwig, Prof. Augustin, Dr. Kiewel, Chr. Kranich, Prof. Häussler (v.l.n.r.)

(openPR) Das zum 1. Januar 2011 in Kraft getretene Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) beschränkt die Herstellerpreise für Arzneimittel-Innovationen und soll damit die GKV entlasten. Die Expertenrunde beim 9. „Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik“ bescheinigt dem AMNOG allerdings durchweg schlechte Noten: Anstelle des von der Regierung selbstbewusst ausgelobten großen Wurfs zur Restrukturierung des Arzneimittelmarktes ist mit dem AMNOG lediglich ein zu kurz gedachtes Preisregulierungsinstrument gelungen, das mit einem hohen bürokratischen Aufwand einher geht.



Prof. Dr. med. Matthias Augustin hat am 26. Januar 2011 ein Expertengremium in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eingeladen, um das AMNOG und insbesondere die Arzneimittelschnellbewertung zu diskutieren. Das renommierte Expertenforum beleuchtet halbjährlich brisante gesundheitspolitische Entwicklungen von allen Seiten. Der 9. Dialog dreht sich um die Frage, ob das AMNOG der richtige Weg zur Kostendämpfung bei den GKV-Arzneimittelausgaben ist. Es geht um einen Milliardenmarkt: Rund 33 Milliarden Euro verschlingen die Arzneimittelkosten für die GKV-Versicherten pro Jahr. Insbesondere patentgeschützte Präparate-Innovationen sind bislang sehr teuer gewesen. Durch die Arzneimittel-Schnellbewertung sollen Innovationen schneller und vor allem kostengünstiger zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Bertram Häussler (IGES Institut) betont, dass lediglich 1,5% der Gesamtausgaben auf Arzneimittel-Innovationen entfallen und rechnet mit einer Ausgabendämpfung von 100 Mio. Euro durch das AMNOG. Diesem verhältnismäßig geringen Kostenrückgang stehen aber die Risiken gegenüber, so Häussler, dass die Industrie Patienten für Festbetrags-Arzneimittel privat zuzahlen lasse oder sich mit neuen Präparaten ganz vom Markt zurückzieht. Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig (Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft) kritisiert das System: Die frühe Nutzenbewertung sei ein völlig falscher Begriff, denn früh könne ein Nutzen, insbesondere ein Zusatznutzen zur Standardtherapie, nie bewertet werden. „Wenn wir Arzneimittel schnell bewerten, müssen wie erhebliche Unsicherheiten in punkto Wirksamkeit auf uns nehmen.“ Ob ein Wirkstoff besser oder gar überlegen ist, könne man zu so einem Zeitpunkt noch gar nicht sagen, so Ludwig, der im AMNOG zumindest kein Instrument für strukturelle Verbesserungen in der Arzneimittelversorgung sieht.

Die Fürsprecherin in der Expertenrunde, Frau Dr. Angelika Kiewel (IKK), lobt, dass die Industrie den Zusatznutzen beweisen muss und sich Präparate ohne Zusatznutzen nun sehr schnell mit einem Festbetrag versehen lassen. Ein wichtiger Schritt in Richtung einer win-win-Situation für alle Beteiligten. Unglücklich sei allerdings, dass die Präparate gegen Placebo und nicht gegen Standardtherapeutika getestet werden müssen, und Nebenwirkungen nicht ausreichend zu belegen sind. Aber schließlich seien die Ergebnisse beispielsweise durch Versorgungsforschung auch revidierbar.

Schärfster Kritiker ist Patientenvertreter Christoph Kranich (Verbraucherzentrale Hamburg). Er bemängelt, dass erneut kein ernsthafter Versuch unternommen wurde, strukturelle, nachhaltige Reformen durchzusetzen. Seine Wunschliste ist lang: die Veröffentlichung aller Studien für alle, grundsätzlich unabhängige Arzneimittel-Prüfungen, Patienten-Meldesysteme für Nebenwirkungen. Statt gesellschaftlichen Konsens zu suchen, herrsche kurzsichtige Fokussierung auf den eigenen Profit. „Wir sind hier nicht im Darwinismus!“ beendet er seinen anschaulichen Vortrag. „Die Berücksichtigung der Interessen aller Parteien wäre die beste Stabilisierung für das Gesundheitssystem.“

Somit bleibt am Ende das Fazit: Das AMNOG ist zwar kein Holzweg, aber immer noch kein struktureller Ausweg für unser Gesundheitssystem.

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