(openPR) RAVENSBURG – Dass ein Student als Bachelor-Arbeit einen Film dreht, der anschließend tatsächlich im Fernsehen ausgestrahlt wird, kommt nicht alle Tage vor. Marlon Herrmann von der Dualen Hochschule Ravensburg ist dies mit seiner Reportage „Srebrenica – Leben nach dem Völkermord“ gelungen. Zu sehen ist die 30-minütige Dokumentation am 26. Oktober um 22.30 Uhr auf Phoenix.
Vor 15 Jahren sind in Srebrenica 8372 bosnische Jungen und Männer von serbischen Soldaten ermordet worden. Es handelte sich um das schlimmste Massaker in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dazu noch geschah das Töten unter den Augen einer untätigen Einheit der Vereinten Nationen, die die Stadt zuvor zur UN-Schutzzone ausgerufen hatten. An jedem 11. Juli wird in Srebrenica seitdem der Toten gedacht, bis heute werden jedes Jahr an diesem Tag die neu identifizierten Leichen aus den Massengräbern beerdigt. „Ich wollte mit meinem Film zeigen, wie sich das Leben derer gestaltet, deren Schicksal sich mit diesem schrecklichen 11. Juli verbindet“, sagt Marlon Herrmann über seine Motivation, die Dokumentation „Srebrenica – Leben nach dem Völkermord“ zu drehen. Der 23-Jährige hat gerade ganz frisch seinen Bachelor der Dualen Hochschule Ravensburg in der Tasche. Er hat Medien- und Kommunikationswirtschaft mit Schwerpunkt Journalismus und Public Relations studiert, sein Partnerunternehmen war das ZDF. Dass er im Studium einen Film dreht ist daher nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich ist allerdings das Vertrauen, das der Sender von Beginn an in sein Projekt setzte. So bekam der Student ein eigenes Kamerateam für die Dreharbeiten in Bosnien und nach Abschluss der Arbeiten wird der Film nun in Phoenix ausgestrahlt. Ebenfalls außergewöhnlich ist die Dimension: Einen 30-minütigen Film zu drehen bedeutet schließlich monatelange Recherche und Arbeit.
Mit vielen Menschen – Betroffenen genauso wie Experten – hat Marlon Herrmann für sein Projekt gesprochen. Hauptsächlich allerdings mit Hatidza Mehmedovic. Sie musste beim diesjährigen Gedenktag am 11. Juli ihren Ehemann und zwei Söhne begraben. „Ich dachte, niemand könnte glücklicher sein als ich“, sagt sie in dem Film über ihr Leben vor dem Krieg. „In diesem Moment hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen“, sagt sie über den Augenblick, als klar war, dass ihre ganze Familie ausgelöscht worden war. Der DHBW-Student hatte im Vorfeld den Kontakt mit ihr gesucht und sie schließlich an diesem Tag begleitet. Stellvertretend für viele, denn in diesem Jahr wurden die Überreste von 775 neu identifizierten Opfern beigesetzt.
In Interviews versuchen in dem Film Experten das Geschehene einzuordnen. Befragt werden auch der Bürgermeister von Srebrenica, Teilnehmer eines Friedensmarsches, Familien, die vertrieben wurden und wieder zurückgekehrt sind. Entstanden ist eine Dokumentation, die die Hintergründe beleuchtet, die aber vor allem die Menschen vor Ort und die Betroffenen zu Wort kommen lässt. Diese eben schildern, wie sich ihr Schicksal mit dem 11. Juli verbindet.
Die Reportage wird am 26. Oktober in Phoenix gezeigt. Der Sender wird auch die nächste Station von Marlon Herrmann sein, er beginnt dort als Trainee. Sein Berufswunsch: Moderation und Auslandskorrespondenz. Das notwendige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen vor der Kamera und vor auch für die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe hat er mit seinem Erstlingswerk bereits unter Beweis gestellt.
Info: Die 30-minütige Reportage „Srebrenica – Leben nach dem Völkermord“ wird am 26. Oktober um 22.30 Uhr auf Phoenix ausgestrahlt.

















