(openPR) „Ich habe noch bis zum 23. Juli Urlaub. Bin nochmal weggefahren.“ Das war die einzige Information, die Cliewe Juritza seiner Familie hinterließ, als er sich 1984 von Ost-Berlin aus auf den Weg in die Bundesrepublik machte. Obwohl er damals erst 18 Jahre alt war, war der Entschluss, aus der DDR zu fliehen schon einige Jahre in seinem Kopf gereift. Der Plan: eine mit Schulfreunden geplante Fahrt nach Ungarn für den Fluchtversuch nutzen. Mit dem Visum für die Volksrepublik Ungarn in der Tasche macht sich Juritza auf in Richtung Budapest. Dort angekommen kauft er eine Bahnfahrkarte nach Sopron, einem Ort in der Nähe der österreichischen Grenze. Er kommt nicht weit, denn bereits im Zug wird er von der Polizei kontrolliert. Am Bahnhof in Sopron wird er von der Polizei, die ihn bereits mit einem deutsch sprechenden Dolmetscher erwartet, in Empfang genommen. Der 18-jährige ist gut vorbereitet auf den Besuch in der Grenzstadt. 'Stadtführer' hatten ihn seine Freunde bereits genannt, weil er sich so intensiv mit den Sehenswürdigkeiten der Region beschäftigt hatte. Polizei und Dolmetscher können ihm keinen Fluchtversuch anlasten und lassen ihn laufen. Juritza versucht in Richtung Grenze zu entwischen, merkt aber schnell, dass er weiterhin beobachtet wird. Schließlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als wieder in die DDR zurück zu fahren. Der Fluchtversuch in Ungarn ist gescheitert. Juritza fährt zur thüringisch-bayerischen Grenze und versucht dort, den Sperrzaun zu überwinden. Dabei löst er Alarm aus. Er kann fliehen und entwischt der Polizei. Der Wille, endlich in Freiheit zu leben ist größer als alle Angst vor Gefahren. Er fährt in Richtung Bad Salzungen, um dort erneut einen Fluchtversuch zu starten. Wieder wird er bereits im Zug kontrolliert. Nach mehreren Tagen und mehreren gescheiterten Fluchtversuchen ist der junge Mann am Ende seiner Kräfte. Er erkennt, dass die Grenze nicht zu überwinden ist und besinnt sich auf das letzte ihm bekannte Schlupfloch: Freikauf durch die Bundesrepublik aus dem Gefängnis. Er gibt zu, eine Flucht geplant zu haben und wird prompt verhaftet. Am 19.7.1984 beginnt für ihn die Zeit in verschiedenen DDR-Gefängnissen, die tatsächlich nach knapp einem Jahr in einem Freikauf in die Bundesrepublik mündet.
Seine Untersuchungshaft verbüßte der 18-jährige überwiegend in der Haftanstalt Berlin-Rummelsburg. Heute ist aus dem ehemaligen Gefängnis eine Wohnsiedlung geworden und nur wenig deutet auf die Gefängnisvergangenheit hin.
Wie war es im Gefängnis in der DDR? Wie sah das Leben in der Haftanstalt Rummelsburg aus? Wer war sonst noch in Rummelsburg inhaftiert? Wie entstand aus dem Gefängnis ein Wohnviertel? Das sind Fragen, die Cliewe Juritza auf seiner Stadtführung durch Berlin-Rummelsburg beantwortet. Die Führung beginnt am 25.07.10 um 11 Uhr am S-Bahnhof Rummelsburg, unten am Lift. Weitere Infos auf www.cliewe.de.













