(openPR) Am 15. Mai 1985 wird Cliewe Juritza, Inhaber von Cliewe Stadtführungen, aus der DDR-Haft in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Er ist einer von ca. 32.000 freigekauften politischen Häftlingen. Juritza hat versucht aus der DDR zu fliehen. Für diesen gescheiterten Versuch wurde er 1984 zu 12 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „...die Handlungen des Angeklagten [sind] eine schwerwiegende Mißachtung der gesellschaftlichen Disziplin, so daß nur mit einer Freiheitsstrafe reagiert werden mußte“, hieß es in der Urteilsbegründung. Ein Eintrag in seiner Haftakte am 3. Mai 1985 bestimmt den Tag der Haftentlassung auf den 15.5.1985. Das sind zwei Monate vor Ende der einjährigen Haftstrafe. Begründet wird die vorzeitige Haftentlassung damit, „daß der Verurteilte die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen hat und künftig die Gesetzlichkeit der DDR nicht wieder verletzen wird.“ Alle Verhörprotokolle, das Beharren auf dem gestellten Ausreiseantrag und die bisherigen Einschätzungen der Gefängnisleitung beschreiben jedoch genau das Gegenteil. Juritza wird als „hartnäckiger Antragsteller“ eingeschätzt. „Es ist damit zu rechnen, daß der SG [Strafgefangene] versuchen wird, erneut auf illegalem Wege in die BRD zu gelangen.“ Genau diese (richtige!) Einschätzung war wohl der Grund, warum Cliewe Juritza auf die Freikaufliste kam. Anfang Mai wird er an seinem Arbeitsplatz in der Haftanstalt in Halle abgeholt. Man bedeutet ihm, seine Sachen zu packen. „Geht’s jetzt ab?“ fragt der damals 19jährige hoffnungsvoll einen der Gefängniswärter. Der darf nichts sagen. Als Juritza sich nach einem Transport im Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) wiederfindet, weiß er Bescheid. Er sitzt in Abschiebehaft und schreibt einen Brief an seine Familie. „Wenn ich aus Karl-Marx-Stadt schreibe, dann geht es mir gut“, hatte er bei dem letzten Besuch im Gefängnis in Halle zu seiner Schwester gesagt. Am 15. Mai 1985 besteigt er zusammen mit anderen freigekauften Häftlingen einen Reisebus, der sie zur Grenze nach Marienborn fahren wird. Als der Bus schließlich über die Grenze in die Bundesrepublik fährt, herrschen Erleichterung und Freude.
Einen Teil seiner Haftzeit verbrachte Cliewe Juritza in der Haftanstalt Berlin-Rummelsburg. Heute ist aus dem ehemaligen Gefängnis eine Wohnsiedlung geworden und nur wenig deutet auf die Gefängnisvergangenheit hin.
Wie war es im Gefängnis in der DDR? Wie sah das Leben in der Haftanstalt Rummelsburg aus? Wer war sonst noch in Rummelsburg inhaftiert? Wie entstand aus dem Gefängnis ein Wohnviertel? Das sind Fragen, die Cliewe Juritza auf seiner Stadtführung durch Berlin-Rummelsburg beantwortet. Die Führung beginnt am 15.05.10 um 14 Uhr am S-Bahnhof Rummelsburg, unten am Lift. Weitere Infos auf www.cliewe.de.











