(openPR) "... Der Eindruck, daß durch Hartz IV insgesamt deutlich mehr Familien in Armut leben, täuscht. Zwar bekommen Familien, die zuvor hohe Arbeitslosenhilfe bezogen hatten, jetzt weniger.
Doch für viele, die zuvor geringe Arbeitslosenhilfe bekamen, etwa als Verkäuferin oder Friseurin, und für ehemalige Sozialhilfeempfänger bedeutet das neue Arbeitslosengeld II eine Verbesserung. Mit Hartz IV verfolgen wir das Ziel, die Erwerbslosen schneller wieder in Arbeit zu vermitteln. Und das ist die wirksamste Armutsbekämpfung. " Familienministerin Renate Schmidt (SPD), Berliner Morgenpost, 02.03.05
Doch gerade für diese Personengruppe, die Frau Schmidt als Gewinner bei Hartz IV darstellt, gibt es überhaupt keine Vermittlungsmöglichkeit mehr.
Die Benutzung des virtuellen Arbeitsmarktes setzt Internetkenntnisse voraus, die ungelernte, niedrigqualifizierte und ältere Arbeitnehmer, welche ja die insgesamt größte Gruppe der Arbeitslosen ausmachen, in der Regel nicht aufweisen. Die wenigsten niedrigqualifizierten Arbeitslosen besitzen einen Internetzugang. Die lapidare Antwort der Arbeitsberater bei der Agentur für Arbeit: „Warum gehen Sie nicht ins Internetcafe?“
Die Vermittlung über den virtuellen Arbeitsmarkt, seit Dezember 2003 das neue Internetportal der BA (Kostenpunkt 98 Millionen €), funktioniert nicht: Die Stellenvermittlung über das Internet-Portal weise schwere Mängel auf, berichtete schon letztes Jahr der Bundesrechnungshof. Fast jede dritte Suchabfrage führt zu fehlerhaften Ergebnissen. Gemeldet sind momentan 240.000 offene Stellen, Tendenz fallend. Vor sechs Monaten waren es noch 440.000. Momentan sind es gerade mal 18 Prozent aller Neueinstellungen, die durch die Vermittlung der Agentur stattfinden. Vor einem Jahr lag diese Zahl noch bei 30%.
Ist der Stellen- bzw. Vermittlungsschwund nur ein Ergebnis der schwachen Konjunktur?
Das wäre eine einfache Erklärung, doch zum Teil ist dieser Rückgang von der Agentur für Arbeit selbst verursacht:
Der AIS (Arbeitgeber Information Service), die Internetliste, die jahrelang den mitarbeitersuchenden Arbeitgebern zur Verfügung stand, wurde Ende August 2004 ersatzlos ausgeschaltet. Der AIS war einfach zu bedienen, lief stabil und war für alle Arbeitgeber ein gern benutztes Instrument der Personalsuche.
Durch den AIS konnten die Arbeitgeber alle Arbeitslosen erreichen: Automatisch wurden sie per Post aufgefordert, sich bei den Arbeitgebern für die offene Stelle zu melden. Der Brief ist häufig der einzige Weg, die größte Gruppe der Arbeitslosen zu erreichen: Doch im neuen Internetportal der Bundesagentur für Arbeit existiert diese Möglichkeit nun nicht mehr. Eine notwendige Sparmassnahme der BA bei Gesamtkosten von 98 Millionen Euro?
Dass die Agenturen für Arbeit momentan ein gern benutztes Instrument der Vermittlung sind, kann leider nicht mehr festgestellt werden: Sie sind mit allen Kommunikationsmitteln (Telefon, Fax) einfach nicht erreichbar. Das einzige Kommunikationsmittel, das bei den Agenturen für Arbeit noch läuft, ist die Bandansage des Anrufbeantworters. Rückmeldungen auf darauf besprochene Anfragen: Fehlanzeige. Wie sollten die Arbeitgeber ihre offene Stellen melden? Natürlich per Email. Sowohl Rückmeldungen als auch Vermittlungsvorschläge: Fehlanzeige.









