(openPR) Nachhaltige Lösungen sind gefragt, nicht niedrige Qualitätsstandards
Hannover. „Die Forderung des Arbeitgeberverbandes Pflege nach einer Greencard für ausländische Pflegekräfte ist in Wirklichkeit nichts weiter als ein versteckter Ruf nach gesenkten Anforderungen an die Qualität der Pflege“, betont Angela Willamowius, Geschäftsführerin der AWO Wohnen&Pflegen. „Wie sonst kann der Vorsitzende des Arbeitergeberverbandes Pflege ( die Interessenvertretung der privaten Pflegeunternehmen in Deutschland) die Ansicht vertreten, dass Pflegefachkräfte nicht einmal deutsch sprechen müssten. Eine hochwertige, dem Menschen zugewandte und seinen Bedürfnissen angepasste Pflege ist doch nur mit intensiver Kommunikation möglich. Auch die hohen Standards in der Dokumentation der Arbeit sind nur mit guten Sprachkenntnissen zu erfüllen.“
Die Arbeiterwohlfahrt beschäftigt sich – wie alle frei gemeinnützigen Träger in der Altenpflege – schon seit langem mit dem immer akuter werdenden Fachkräftemangel in der Pflege. „Gefragt sind nachhaltige Lösungen, die die Qualität sogar noch verbessern und nicht senken“, sagt Axel Plaue, Vorsitzender der AWO Bezirksverband Hannover e.V. „Wer sich in der Vergangenheit vor der Ausbildung gedrückt hat, auch heute die Ausbildung weitestgehend den gemeinnützigen Trägern überlässt, aber bei drohendem Pflegekräftemangel als erstes nach einer Greencard für Billigkräfte schreit, der verhält sich unanständig!“
Im Gegensatz zu den privaten Pflegeanbietern haben die Wohlfahrtsverbände immer die Ausbildung und Qualifizierung von Fachkräften vorangetrieben. Gleichzeitig hat sich die AWO sehr für eine Verbesserung in der Qualität der Pflege eingesetzt. „In Zeiten, in denen in anderen europäischen Ländern Altenpflege als Fachstudium gelehrt wird, kann der Arbeitergeberverband Pflege doch nicht fordern, die Ausbildungsvorschriften sollten entschlackt werden“, ärgert sich Angela Willamowius. „ Eine Vertiefung in der Qualifizierung ist notwendig, denn die Krankheitsbilder sind heute vielfältiger, ebenso aber auch die Möglichkeiten, den älteren Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Allein der große Bereich der Demenzerkrankungen zeigt doch, dass für die Betreuung viel Wissen und Erfahrung vorhanden sein muss.“
Gleichzeitig ringen Wohlfahrtsverbände und private Pflegeanbieter seit einigen Monaten um einen Mindestlohn in der Altenpflege. Im privaten Sektor arbeiten nach Angaben des Arbeitgeberver-bandes Pflege 184.000 Pflegekräfte, vorwiegend bei Pflegediensten. Bei den großen privaten Heimanbietern in der Altenpflege seien rund 40.000 Kräfte beschäftigt. Insgesamt arbeiten in der Altenpflegebranche rund 600.000 Menschen. Während die privaten Anbieter auf einen Mindestlohn von 7,50 Euro im Osten und 8,50 Euro im Westen Deutschlands spekulieren, liegt für die Wohlfahrtsverbände und die Kirchen, als größte Anbieter in der Altenpflege, die Untergrenze bei mindestens 9,50 Euro.
Axel Plaue macht deutlich: „Altenpflegeberufe brauchen ein besseres Image, eine ausgezeichnete Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen und eine auskömmliche Bezahlung, damit eine Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung sichergestellt werden kann. Wer über sein eigenes Altern nachdenkt wird sich mit Sicherheit wünschen: in Würde und Selbstbestimmung alt werden und für den Fall der Fälle eine gute Pflege und Betreuung. Das aber braucht gute Konzepte und kostet nun einmal Geld.“











