(openPR) Zwischen fünf und sechs Millionen Wildtiere werden jährlich von Jägern erlegt. Dabei dient nur ein Bruchteil der erlegten Tiere als Nahrung oder wird z.B. als Pelz verwertet. Das Hauptargument für dieses Tun sei der Arten- und Naturschutz, argumentieren die Jäger und die Politik, die den Rahmen für dieses Massaker bietet. Es gehe darum Bestände stabil zu halten und die bei uns fehlenden Prädatoren wie Wölfe und Bären zu ersetzen.
Bei dieser Argumentation schreien sowohl Wildbiologen als auch Tierrechtler und Tierschützer auf. Schockierend dabei ist, dass die Behörden, die Abschusszahlen festlegen, keinerlei fundierten Erkenntnisse über die tatsächliche Bestands- noch über die angeblich hohen Schadenszahlen haben. Bestandzahlen werden aus Abschusszahlen hochgerechnet. Eine Methode, die keinem wissenschaftlichen Standard entspricht.
Inzwischen ist hinlänglich wissenschaftlich bewiesen, dass diese vermeintliche Bestandsdezimierung die sozialen Strukturen im Tierreich zerstört und u.a. somit die Tiere zu einer unkontrollierten Vermehrung anregt. Hinzu kommt, dass mit direkten oder indirekten Fütterungen in das natürliche Nahrungsangebot der Tiere eingegriffen wird, was gerade in den Wintermonaten zum Aussetzen der natürlichen Selektion führt. Am Ende ist genau das Gegenteil der ursprünglichen Absicht erreicht: die Bestände erhöhen sich.
Bei der Betrachtung der Strukturen in der Jägerschaft und dem Agieren der politischen Instanzen ist nur ein konsequenter Schluss möglich: die in Deutschland praktizierte Jagd ist eine Hobby- und Spaßjagd, bei der Trophäenkult, das gesellschaftliche Erlebnis und die Lust am Töten mit dem damit verbunden Ausleben von Machtgefühlen im Vordergrund steht. Letzteres wird immer wieder durch Jägerberichte aus Insider-Kreisen bestätigt.
Die Behauptung der Jäger, Jagd sei angewandter Naturschutz, verkommt dabei zur Farce. Vielmehr ist festzustellen, dass Jagd oft mit Tierquälerei verbunden ist und in der Praxis oftmals feigem Mord an einem Mitlebewesen gleicht. Diese Argumentation der Tierschützer erhält zunehmend Rückhalt durch Wildbiologen.
Die Jagd findet in einer von der Gesellschaft oft wenig gekannten und wenig beachteten Subkultur - Tradition genannt - statt, deren Handeln durch eine für diesen Bereich lobbyistisch geprägte Gesetzesgebung legitimiert wird.
Jagdunfälle und "Fehlabschüsse", wenn z.B. bei einer Treibjagd ein Pferd oder eine Kuh erlegt wird, rütteln regelmäßig auf und rücken die Jagd für einen Moment in den Focus der Bevölkerung.
Wichtig ist auch zur erkennen, dass die Jagd keiner umfassenden behördlichen Kontrolle unterliegt. Der "Jagdschutz" obliegt den Jägern selbst, was einer Selbstkontrolle gleichkommt, die für ein demokratisches Gesellschaftssystem einen untragbaren Zustand darstellt.
Jagdbehörden beschränken sich meist auf das Ausstellen von Jagdscheinen, die Registrierung von Abschusszahlen und werden wiederum häufig von Jägern geleitet, so dass Jagdvergehen und Gesetzesverstöße häufig unerkannt und ungeahndet bleiben.
Weiter kommt hinzu, dass Jäger jährlich mehrere tausende Hunde und zehntausende von Katzen wegen „Wilderei“ töten, was selbstredend so gut wie keine Akzeptanz findet.
Da bereits 2004 eine EMNID-Umfrage ergab, dass mehr als 76 Prozent der Bevölkerung der Jagd kritisch gegenübersteht oder diese vollends ablehnt, ist es letztendlich verständlich, warum sich Widerstand gegen die Jagd mehrt.
Im Rahmen dieser Entwicklung haben nun führende Tierrechts-, Tierschutz- und Naturschutzorganisationen ein Thesenpapier unter dem Titel "Grundthesen zur Jagd" erarbeitet, welches die Fakten rund um die Jagd kurz und knapp analysiert. Aus diesen Thesen sind künftig weitreichende Forderungen abzuleiten, die der bisher praktizierten Jagd einen neuen Rahmen gewähren müssen.
Das Thesenpapier soll zum einen in der Bevölkerung eine noch höhere Aufmerksamkeit wecken – es besteht nach wie vor ein immenser Informationsbedarf – und zum anderen in die Diskussionen um die Jagdgesetzgebung eingreifen. So wird z.B. in Rheinland-Pfalz zur zeit eine Landesjagdgesetznovellierung diskutiert, bei der jedoch zu erkennen ist, dass der Tier- und auch der Naturschutz wieder weitestgehend auf der Strecke bleibt.
Die "Grundthesen zur Jagd" werden unterstützt von folgenden Organisationen und Initiativen (in alphabetischer Reihenfolge):
- Aktion Kirche und Tiere – AKUT e.V.
- Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt
- AnimalSpirit
- Arbeitskreis-Tierschutz e.V.
- Hans-Rönn-Stiftung
- Ökologisch-Demokratische Partei, Kreisverband Baden-Baden
- Politischer Arbeitskreis für Tierrechte in Europa – PAKT e.V.
- PeTA
- pro iure animalis
- RespekTiere e.V.
- SOS-Galgos
- Mensch Umwelt Tierschutz – Die Tierschutzpartei
- Tierrefugium Hanau
- Tierherberge Donzdorf
- Tierheim Viernheim
Die verantwortlichen Organisationen verbinden mit ihren Thesen die Hoffnung, einen Weg hin zu einem tiergerechten und naturgerechten Umgang mit unseren Mitkreaturen und unserer Umwelt zu ebnen, ein neues Bewusstsein zu wecken, so wie es in den vergangen Jahrzehnten in wichtigen Belangen des Umweltschutz in Ansätzen geschehen ist.
Das Thesenpapier:
http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=482&Itemid=86








