(openPR) Eröffnung in der Galerie Schwind Frankfurt am Main
Sonntag, den 14. März 2010, um 15 Uhr
Der Künstler Falk Gernegroß ist anwesend.
Ausstellungsdauer: 14. März – 15. April 2010
Vom 14. März bis 15. April 2010 präsentiert die Galerie Schwind Frankfurt am Main nach über 10 Jahren neben Bildern aus dem Nachlass des im Mai 2001 plötzlich verstorbenen Wolfgang Peuker erstmalig auch Gemälde des Leipziger Künstlers Falk Gernegroß.
Wolfgang Peuker (1945-2001) studierte von 1965 bis 1970 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig u.a. bei Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer. Von ihm sind ausgewählte Arbeiten aus allen Schaffensphasen zu sehen. Wolfgang Peukers Gemälde, ihre Themen und Stimmungen, sind stets konfliktträchtig. Sie stellen Fragen nach der eigenen, wie der deutschen Identität und bewahren sich dabei stets den Effekt des wie zufällig Erfassten.
Die frühen Bilder der Studien-Jahre sind noch vielfarbig und muten in Ihrem Habitus und der unmittelbaren Fleischlichkeit beinahe barock an. Prägend für seinen charakteristischen Stil ist 1979 eine Studienreise nach Spanien gewesen. Auf dieser begegnete er den Arbeiten von Velázquez, Goya und El Greco. Deren Arbeiten räumten den Farbtönen Grau und Schwarz einen ganz neuen Stellenwert ein und auch das dramatische, beinahe leichenhafte Weiß der Figuren in den Bildern von El Greco scheint sich in den Bildern von Wolfgang Peuker durchzusetzen.
Doch erst nach den Erlebnissen um den Gewandhaus-Auftrag in Leipzig gewinnt der eigene Stil, inspiriert durch die Spanienreise, an Unabhängigkeit und Schärfe. Die „Handschrift“ Wolfgang Peukers wird nun zunehmend härter, sachlicher, die Farbigkeit kühl monochrom. Im Zentrum steht nach wie vor die intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur, vor allem geprägt durch ein allgegenwärtiges Interesse am Akt und an Bildnissen.
In den oft auch imaginären Porträts spiegeln sich die individuelle Persönlichkeit aber auch die Welt (des Künstlers), das eigene Wesen und das Gesicht seiner Zeit wider. Den Arbeiten wohnt etwas Schicksalhaftes inne und nicht selten tragen sie durch eine lustvolle Übersteigerung des Ausdrucks karikierende Züge. Zu sehen sind u.a. Arbeiten aus der Serie „Demagogen“, gemalte psychologische Analysen dämonischer Denker und Machthaber wie Goebbels und Lenin. Aber auch exzentrische
Künstlerporträts oder Bildnisse herausragender Persönlichkeiten wie das von Karl Lagerfeld werden gezeigt.
Ein weiteres, häufig vertretenes Motiv ist die große geteilte und später wiedervereinigte Schicksalsstadt Berlin, in der Peuker selbst bis zu seinem Tod viele Jahre lebte. Diese Bilder sind nicht selten historische Allegorien. Radikale Anschnitte, überlängte Gebäude und Säulen verengen den Bildraum wie zwischen hohen Mauern. Eine strenge, kühle Lichtregie und die graue Farbgebung verleihen der Kulisse oft einen düsteren Ruinencharakter, der nicht selten an die leblosen Geisterstädte Giorgio de Chiricos erinnert.
Ausgestellt wird auch das letzte unvollendete Bild von Wolfgang Peuker, „In Memoriam“, aus dem Jahr 2001. Als hätte er den herannahenden Tod geahnt, wirkt dieses letzte Gemälde wie eine Rückschau auf das eigene Leben. Es tauchen verschiedene bekannte Motive aus dem persönlichen Oeuvre auf. Im Vordergrund sind dem Künstler nahestehende Menschen in festlicher spanischer Kostümierung versammelt, angelehnt an das bekannte Gemälde „Las Meninas“ von Velázquez. Doch Wolfgang Peuker hat seinem Personal den Rücken gekehrt wie zum Weggang.
Die Arbeiten von Falk Gernegroß (geb. 1973, Marienberg) stellen den weiblichen Akt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Er thematisiert verschiedene Facetten der Weiblichkeit, kommuniziert das Frauenbild zwischen Mythen, Tabus und alltäglichen Phänomenen. Seine Protagonisten reagieren auf die Streifzüge des Betrachters mit provozierendem, unheilschwangerem Blick.
Die Sujets, Modelle und Posen sind größtenteils dem Bildrepertoire der Massenmedien und den Sehgewohnheiten des Erotikmilieus entlehnt. Die Szenen allerdings spielen nicht selten vor romantisch anmutender Naturkulisse. Mystische Stimmungen und auch die aufwendigere Lasurtechnik verweisen so auf traditionelle Inhalte und Fertigkeiten der Kunstgeschichte. So changieren die Gemälde von Falk Gernegroß oft humorvoll-ironisch zwischen Anmut und Scheußligkeit, Gegenwarts- und Traumbildern.
In den Gemälden baut sich, nicht zuletzt über kleine widersprüchliche Details, eine Spannung auf, die sich nicht erklärt. Verschiedene Geschichten werden nur gestreift oder bilden sich auf der Suche nach der eigenen Identität erst in den Köpfen der Betrachter. Über diese Leerstellen stellt Falk Gernegroß neue Bezüge her und hinterfragt zeitgenössische Geschlechterrollen. Doch im Kern bleibt das uralte und stets aktuelle, ambivalente Spiel erkennbar. Das Spiel mit gesellschaftlichen Klischees und Romantikvorstellungen, mit der Beziehung zum menschlichen Körper.
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
Galerie Schwind
Fahrgasse 8
60311 Frankfurt am Main
www.galerie-schwind.de













