(openPR) Stuttgart, 19. November 2009 – Bildung darf nicht zum Privileg einzelner werden. Das erklärt Johannes Böcker, Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Suttgart. Gleiche Bildungschancen für alle Kinder und Jugendliche sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben, die am 20. November seit 20 Jahren besteht. Mit Sorge beobachtet der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart aber, dass sich unser Bildungssystem nicht auf dieser Linie bewegt.
Die Idee einer "Chancengleichheit" trete laut Böcker zunehmend in den Hintergrund. Hinter diesem Stichwort habe etwa in den 70er Jahren die Idee gestanden, dass Herkunft, Beruf und Besitz der Eltern kein Grund sein dürften, der ein Kind bei der Entfaltung seiner persönlichen Potenziale hindere. "Von ‚bildungsfernen Schichten’ hat damals keiner geredet", so Böcker. Vielmehr sei der Zugang zu Bildung ein breiter gesellschaftlicher Konsens gewesen: Das Gymnasium mit Abitur und Zugang zur Hochschule waren erklärtes bildungspolitisches Ziel.
Damit alle Kinder die Chance auf eine gute Bildung erhalten können, müssten bereits im Kindergarten andere Weichen gestellt werden. Ein gutes Signal habe zwar der verbindliche Orientierungsplan für die Kindergärten im Land gesetzt, so Ursula Wollasch, Geschäftsführerin des Landesverbands Katholischer Kindertagesstätten. Allerdings sei dieser unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht umzusetzen: „Was bleibt vom Recht auf Bildung, wenn in einer Gruppe mit bis zu 28 Kindern ein Personalschlüssel von 1,5 Erzieherinnen gilt?“ Eine individuelle Betreuung, die die Begabungen und Fähigkeiten des Kindes zur Entfaltung bringen solle, sei dann nicht mehr möglich. Für Wollasch liegt die Gruppengröße bei 20 Kindern mit zwei Erzieherinnen, damit sinnvolle Bildungsarbeit geleistet werden könne.
Gerade die Sprachförderung im Kindergarten braucht aus Sicht des Caritasverbands und des Landesverbands Katholischer Kindertagesstätten andere Akzente: Der Sprachtest, den die Kinder jetzt im Alter von vier oder fünf Jahren durchlaufen und an den sich bei Bedarf eine Förderung von fünf Stunden in der Woche anschließt, werden dem Problem nicht gerecht. „Sprachförderung muss am Alltag der Kinder anknüpfen. Sie kann nur gelingen, wenn Kommunikation im sozialen Handeln und im täglichen Umgang stattfindet“, so Wollasch.
„Eine Förderung ab fünf Jahren ist zu spät.“ Das bedeutet: Neben Konzepten für eine ganzheitliche Sprachförderung müssen finanzielle Mittel bereitgestellt werden, damit die Mitarbeiterinnen mehr Zeit haben, um mit den Kindern zu sprechen und sie intensiv zu fördern. „Eine solche Förderung schafft Chancengleichheit. Mehr Kindergeld und Steuergeschenke für Besserverdiendende vergrößern dagegen die Kluft zwischen Arm und Reich“, so Böcker.
Der Caritasverband der Diözese, der spitzenverbandlich den Verband der Katholischen Kindertagesstätten im Land vertritt, fordert ferner einen beitragsfreien Kindergarten für alle bedürftigen Kinder.






