(openPR) Aachen. Kinder zu fördern, bedeutet, die Eltern zu unterstützen und das nicht allein in individuellen Aktionen, sondern vielmehr mit strukturellen Maßnahmen, erklärte Prof. Dr. Nadia Kutscher auf der Tagung der Katholischen Hochschule NRW Aachen zum Thema „Kinderrechte als Herausforderung in der Kinder- und Jugendhilfe“.
Das Recht der Kinder auf Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Schutz sei in Deutschland immer noch nicht vollständig umgesetzt, betonte Prof. Dr. Kutscher in ihrem Beitrag. Gerade beim Thema Bildung setze das deutsche System eher auf Selektion als auf Förderung. Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe sei es, die unterschiedlichen Ausgangssituationen der Kinder zu reflektieren und deren Kompetenzen neu zu betrachten und zu definieren. Außerdem gehe es darum Eltern stärker zu entlasten und zu unterstützen. Das bedeute für die Politik, den Bereich der Bildung finanziell und personell besser auszustatten. Es bedeute aber auch, strukturelle Veränderungen zur Entlastung von Familien voranzutreiben.
Einig waren sich alle Experten der Tagung darin, dass gerade Familien aus sozial schwächeren Schichten heute enorm viel leisten müssen, um ihre Kinder unter teils widrigen Umständen großzuziehen. Prof. Dr. Sabine Andresen von der Universität Bielefeld zeigte dazu aus ihrer World Vision Studie die familiären Belastungsfaktoren in Wohlfahrtsstaaten auf. Danach spielen das familiäre Zeitbudget, die materielle Situation und das Arbeitsverhältnis der Eltern eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden der Kinder. Andresen mahnte außerdem an, dass Kinder bei der Gestaltung der Ganztagsschulen zu wenig einbezogen würden. So wünschten beispielsweise 73 Prozent in der Schule mehr Sportangebote und 34 Prozent intensivere Hausaufgabenbetreuung.
Uwe Schulz vom Institut für Soziale Arbeit in Münster sieht in der Offenen Ganztagsschule immer noch benachteiligte Kinder unterrepräsentiert. Immer mehr Eltern suchten nach einer Rundumbetreuung für ihr Kind, diese müsse aber gerade für sozial schwächere Familien finanzierbar sein. Bedürftigkeit könne nicht zur Hürde werden um Bildungsangebote oder einfach nur die Schulmahlzeit in Anspruch zu nehmen.
Strukturelle Veränderungen mahnte daher auch Dorothee Roeb-Fleming vom Aachener Kinderschutzbund an. Familien, die trotz Erwerbstätigkeit Hartz IV beanspruchen müssen, wollen nicht stigmatisiert werden. Um der steigenden Nachfrage und den erweiterten Kita-Angeboten gerecht zu werden, müssen mehr Fachkräfte ausgebildet werden.
Mit dem neuen Studiengang „Bildung und Erziehung im Kindesalter-BEiK“ leistet die Katholische Hochschule NRW ihren Beitrag. Bildungsteilhabe für alle Kinder lasse sich nur mit entsprechenden personellen Ressourcen verwirklichen, betonte Prof. Kutscher. Und leider werde die wertvolle Arbeit der Fachkräfte zu niedrig bezahlt, so die einstimmige Meinung des Plenums.

















