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Karriere - Wo Banker wieder Chancen haben

(openPR) Banken streichen hierzulande tausende Stellen und der Ruf der Bankmanager hat seit Ausbruch der Finanzkrise erheblich gelitten. Dennoch ist der Arbeitsmarkt einigermaßen intakt, wobei Ethik und Moral heute wichtiger sind als vor ein paar Jahren. Ein Überblick, wie der Berufseinstieg für junge Banker derzeit aussieht.



Auf so einen Wachrüttler hätten die Studenten am „House of Finance“ gerne verzichtet. Im vergangenen Herbst hatten Demonstranten ihr nagelneues Gebäude beschmiert und Fensterscheiben zerschmissen. Die teilweise private Elitehochschule für angehende Banker ärgerte sich über einen fünfstelligen Schaden.

Für die „Demonstrationen“ habe es mehrere Gründe gegeben, betont man im „House of Finance“. Aber sicherlich spielte die Wut auf Banker auch eine Rolle. Die Studenten bekamen zumindest einen Eindruck davon, wie differenziert ihr baldiger Beruf in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Stephan Späthe, Geschäftsführer des „House of Finance“ glaubt, dass sich an der Einstellung von jungen Bankern durchaus etwas geändert hat: „In der Tendenz würde ich sagen, dass weniger Studenten diese harte Einstellung haben als früher. Wobei wir bei uns im Haus den Bereich Ethik immer sehr ernst genommen haben und es hierzu stets intensive Diskussionen in den Seminaren gab.“

Auch bei der anderen großen Finanzschule Frankfurts, der Frankfurt School of Finance & Management, gibt es interdisziplinäre Studiengänge, in dem Philosophie und Ethik einen hohen Stellenwert haben. Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management, hat beobachtet, dass sich die Einstellung geändert hat: „Besonders seitdem Moral und Ethik verstärkt in die öffentliche Diskussion gerückt sind, haben sie in der Wahrnehmung einen höheren Stellenwert bekommen. Begriffe wie Vertrauen oder Risiko werden sicherlich im Zusammenhang mit der Bankenkrise neu überdacht.“

Das hört sich positiv an. Allerdings hat der Umstand, dass das Image von Bankern angekratzt ist, auch seine Schattenseiten. Melanie Reitz, Geschäftsführerin der auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Personalvermittlung Bankpower, sagt: „Zuletzt war tatsächlich zu beobachten, dass der Bankkaufmann als Lehrstelle schon ein wenig unattraktiver geworden ist.“ Die Wissenschaftler der Elite-Unis sehen das entspannter. Bei ihnen bleibt der Zulauf offenbar wie bisher: „Wir bekommen genauso viele Anmeldungen wir vor einigen Jahren. In unserem Bereich gibt also nicht weniger junge Leute, die Banker werden wollen“, sagt Stephan Späthe vom „House of Finance“.

Dabei ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Banker immer noch angespannt: „Wir befinden uns in einer schwierigen, aber keiner dramatischen Phase“, sagt Personalvermittlerin Reitz. In Frankfurt arbeiten rund 85.000 Menschen in der Finanzbranche. Allein durch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank fallen in Deutschland 6500 Stellen weg. Beinahe jede Bank kürzt in einigen Bereichen. Allerdings sei laut Experten das Schlimmste überstanden. Bereits im nächsten Frühjahr dürfte der Argeitsmarkt wieder so aussehen wie vor der Krise.

Allerdings hat sich das Anforderungsprofil für junge Banker geändert: „Grundsätzlich sind vertriebsorientierte Banker immer willkommen. Bei jungen Bankern ist inzwischen eine breite Ausbildung ideal. Man sollte sich in allen Bereichen auskennen. Die Spezialisierung passiert dann im Laufe der Berufsjahre“, fasst Melanie Reitz ihre Erfahrungen aus der Praxis zusammen.

Udo Steffens von der Frankfurt School of Finance & Management stimmt zu: „Ich glaube nicht, dass man seriös sagen kann, ab wann sich die Wirtschaft wieder erholt haben wird. Bis dahin gilt einmal mehr, dass eine fundierte Ausbildung mit einem breit angelegten Basiswissen, einem vertieften Fachwissen und sicherlich auch Auslandserfahrung heute Standardvoraussetzungen für den Karrierestart sind.“

Zuletzt hatten viele Banken die sogenannten Young Professionals in ihren ersten Berufsjahren immer wieder neuen Bereichen zugeordnet: „Die Erfahrungen mit unseren Partner-Unternehmen zeigen, dass viele Young Professionals sehr flexibel sein müssen“, sagt Stephan Späthe. „Die jungen Banker wechseln derzeit häufig ihre Tätigkeiten. Daher bemühen sich unsere Studenten im Moment, ihre Ausbildung möglichst breit aufzustellen.“

Am Ende geht es jedoch weiterhin oft ums liebe Geld. Natürlich spielt für junge Banker immer noch eine große Rolle, dass in der Finanzbranche vergleichsweise üppige Gehälter geboten werden,auch wenn man an die Kollegen von der Wall Street mit durchschnittlichen Gehältern von 450 000 Euro nicht ganz herankommt. Allerdings hat sich in der Tendenz zuletzt schon etwas verändert, berichtet Personalvermittlerin Melanie Reitz: „Die Sicherheit des Arbeitsplatzes steht im Vergleich zu früher stärker im Vordergrund als die Bezahlung.“ Man darf gespannt sein, wie lange dieser Trend anhalten wird.

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