(openPR) Pünktlich zum Ende des Sommersemester haben Prof. Dr. Max Kreuzer vom Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein und der Straf- und Jugendrichter Bernd Geiger-Battermann den zweiten Band von "Gewalt ist auch weiblich" veröffentlicht.
Im ersten Band von „Gewalt ist auch weiblich“ haben die beiden Herausgeber über die Ergebnisse einer eigenen Interviewstudie mit 11 gewaltbereiten Mädchen und jungen Frauen berichtet. Dabei haben sie sich eng an der Gliederung der „Hallenser Gewaltstudie“ orientiert, der die Lebensgeschichten von 23 männlichen jugendlichen Gewalttätern zugrunde liegen. Dadurch war es möglich, zu vergleichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede festzuhalten. Zudem sind im ersten Band die narrativen Interviews vollständig abgedruckt, um den Leserinnen und Lesern einen eigenen Eindruck und eine eigene Einschätzung zu ermöglichen.
Im zweiten Band von „Gewalt ist auch weiblich“ versuchen die Herausgeber, die mittlerweile entfachte Fachdiskussion zum Thema zu ordnen, Argumentationslinien zu formulieren und durch aktuelle Originalbeiträge zu vertiefen. Hierbei greifen wir auf kriminologische, aber insbesondere sozial- und erziehungswissenschaftliche Beiträge zurück.
In der Einleitung entfaltet Bernd Geiger-Battermann die Komplexität des Themenfelds und geht insbesondere auf die Desiderate in der Entwicklung von genderspezifischen Interventionen in der Jugendhilfe, der Jugendgerichtshilfe und der Jugendgerichtspraxis ein. Er knüpft dabei an wesentliche Ergebnisse des ersten Bandes an.
In seinem ersten Beitrag versucht Max Kreuzer, die gängige These „Jugend-Gewalt ist männlich“ zum einen durch die strafrechtlich relevanten Daten der PKS zu physischer und körperlicher Gewalt zu evaluieren und zum anderen durch Erweiterungen und Verschiebungen im Gewalt-Begriff in Richtung psychischer Aggression und Beziehungsgewalt zu relativieren. Dabei wird auch die geschlechterbezogene Opferbelastung differenziell untersucht.
Susan Batchelor bezieht sich in ihrem Beitrag auf ihre eigenen Forschungsaktivitäten und -ergebnisse an der Universität Glasgow. Sie hat dabei junge Frauen im Blick, die durch körperliche Gewalt aufgefallen sind. Sie geht dabei den kognitiven und emotionalen Konstruktionen nach, die diese ihrer Gewaltbereitschaft und -ausübung als Begründung bzw. Motivation zugrunde legen, und schließt aus den Interviews auf ihr Konzept von „Weiblichkeit“.
In seinem zweiten Beitrag fasst Max Kreuzer die Forschungsergebnisse zusammen, die sich auf die Sozialisation gewaltbereiter junger Frauen und auf die Entwicklungspfade hin zu ihrer Gewaltbereitschaft beziehen. Hierbei wird wieder versucht, nachweisbare Unterschiede in der Entwicklung von weiblichen und männlichen Jugendlichen festzuhalten. Diese Unterschiede können wichtige Hinweise auf die Ausgestaltung gender-sensibler Interventionsangebote geben.
Auch Sidsel Natland bezieht sich in auf eigene Forschungsaktivitäten und -ergebnisse an der Universität in Bergen. Auch ihr Beitrag nimmt – wie der von Susan Batchelor – kognitive und emotionale Konstruktionen von gewaltbereiten jungen Frauen in den Blick; hier steht allerdings im Mittelpunkt, wie sie ihr Konzept der „Freundschaft“ mit der Gewalttätigkeit gegen andere Mädchen und junge Frauen in Einklang zu bringen versuchen. Auch hier wird ihr Konzept von „Weiblichkeit“ beleuchtet.
Nina Wittendorff gibt in ihrem Beitrag einen Einblick in die Eckpfeiler und Leitlinien der Interventionsprogramme, die sich in Dänemark auf der Grundlage einer reformierten Jugendpolitik und Jugendarbeit etablieren konnten. Ihr Beitrag, der auf ausführlichen eigenen Forschungsarbeiten an der Dänischen Pädagogischen Universität (DPU) in Kopenhagen beruht, kann Anstoß dazu sein, lebensweltorientierte Ansätze in der sozialpädagogischen Arbeit mit gewaltbereiten jungen Frauen auch in Deutschland konsequenter zu entwickeln.
Die Beiträge der Autorinnen aus Schottland, Norwegen und Dänemark zeigen, dass die Thematik „Gewalt ist auch weiblich“ nicht auf die deutsche Situation beschränkt ist. Den drei Kolleginnen sei an dieser Stelle nochmals gedankt, dass sie sich bereit erklärt haben, sich an dieser Publikation zu beteiligen.
Die Bücher der Schriftenreihe des Fachbereiches Sozialwesen der Hochschule Niederrhein sind über den Buchhandel oder direkt über den Fachbereich zu beziehen.
Band 46
Gewalt ist auch weiblich
Band 2: Analysen - Hindergründe - Interventionen
von Max Kreuzer, Bernd Geiger-Battermann (Hrsg.)
ISBN 987-3-933493-24-8, 150 Seiten, Euro 8,00
Band 44
Gewalt ist auch weiblich
Band 1: Gladbacher Gewaltstudie
von Bernd Geiger-Battermann, Max Kreuzer (Hrsg.)
ISBN 978-3-933493-22-4, 312 Seiten, Euro 12,50
Weitere Infos zur Schriftenreihe:
http://www.hs-niederrhein.de/fachbereiche/fb06/schriftenreihe/












