(openPR) Internationaler Tag gegen Gewalt an (indigenen) Frauen
Seit 1981 wird jährlich am 25. November der Gewalt an Frauen gedacht. Die Vereinten Nationen erklärten den Tag 1999 zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ – Auftakt einer weltweiten 16-tägigen Aktionskampagne gegen geschlechterspezifische Gewalt.
Gewalt gegen Frauen ist die häufigste Verletzung der Menschenrechte: Jede dritte Frau wird Opfer von Gewalt. Während die Kampagne #MeToo für weltweite Aufmerksamkeit sorgte, nimmt die Öffentlichkeit kaum Notiz von einer Katastrophe, die sich seit Jahrzehnten mitten in Kanada ereignet – der Gewalt an indigenen Frauen. Indigene Frauen sind zwölf Mal häufiger Opfer von sexueller Gewalt als Frauen im kanadischen Durchschnitt. Obwohl Indigene nur 5% der kanadischen Bevölkerung bilden, sind 24% der Mordopfer indigene Frauen. Dabei handelt es sich nicht um die verharmlosend bezeichneten „Beziehungstaten“ – über 80% der Täter sind weiße Männer, welche den Frauen nie zuvor begegnet sind.
Indigene Frauen in Nordamerika sind auch im 21. Jahrhundert Opfer von Diskriminierung, Sexismus und systemischer Gewalt. Selbst nach Schätzungen der kanadischen Regierung wurden in den letzten drei Jahrzehnten rund 4.000 indigene Frauen ermordet – die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Eine kanadische Untersuchungskommission kam in ihrem 1500-seitigen Abschlussbericht „Reclaiming Power and Place“ vom 3. Juni 2019 zu einem klaren Urteil: Nach internationaler Rechtsdefinition handelt es sich bei der Gewalt an indigenen Frauen um Völkermord.
Vielfach sind auch Polizei- und Justizbehörden in die Gewalt an indigenen Frauen verstrickt. Dutzende Rechtsklagen von indigenen Frauen gegen Polizisten der Sureté de Quebec, welche indigene Frauen – auch unter Todesdrohung – missbrauchten, führten zur Einsetzung der Viens-Kommission, die in ihrem Abschlussbericht4 vom 30. September 2019 eine Entschuldigung der Regierung für die „systemische Diskriminierung der indigenen Völker“ und die Umsetzung der „UN-Deklaration der Rechte der Indigenen Völker“ (2007), welche explizit Schutzmaßnahmen für indigene Frauen einfordert, verlangt.
Im Juni 2021 legte die kanadische Regierung mit zweijähriger Verspätung zwar einen „Nationalen Aktionsplan“ vor, der jedoch kaum konkrete Maßnahmen noch einen verlässlichen Zeitplan benennt.
Auch die jüngsten Fälle von Zwangssterilisationen (u.a. in Saskatchewan) sind Gewalt an indigenen Frauen und Völkermord an indigenen Völkern im 21. Jahrhundert. Zudem verdeutlichen die Funde von über 1000 Kindergräbern nahe der Residential Schools in Kanada im Sommer 2021, wie sich das System der Assimilierung der Indigenen nahtlos in die Völkermordpolitik einreihte und ein generationenübergreifendes Trauma hinterlässt, das auch die Vulnerabilität der indigenen Frauen verstärkt.
In den USA bestätigen u.a. Berichte des „Urban Indian Health Institute“ ein ähnliches Ausmaß an Gewalt an indigenen Frauen. Auch hier wurden tausende indigene Frauen in den 1970er Jahren zwangssterilisiert – ein Trauma, unter dem nicht nur die Frauen selbst zu leiden haben, sondern auch deren Familien und Gemeinschaften. Mit der Benennung von Deb Haaland als erster indigener Innenministerin nahm die US-Regierung auch die Bekämpfung der Gewalt an indigenen Frauen verstärkt in den Fokus, und am 15.11.2021 unterzeichnete Präsident Biden im Rahmen des „White House Tribal Summit“ einen Sondererlass8 zur Bekämpfung der „epidemischen“ Situation von vermissten und ermordeten Indigenen und wies das Justizministerium an, einen Strategieplan innerhalb der nächsten acht Monate zu entwickeln.
Seit Jahren protestieren Indigene sowie Menschenrechtsorganisationen gegen die Gewalt an indigenen Frauen. Auch wir fordern mit zahlreichen Veranstaltungen im Rahmen der 16-Tage-Kampagne ein Ende der Gewalt an indigenen Frauen, u.a. mit der Ausstellung “Warrior Women statt Pocahontas” vom 27.11.-10.12. in der Citykirche in Zürich.
Kontakt:
Monika Seiller, Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V., München, post@aktionsgruppe.de, Mobil: +49-173-9265932






