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Out Now Henning Sieverts Symmetry - Blackbird VÖ 24.4.2009 (Pirouet/MVH)

22.04.200918:18 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: Out Now Henning Sieverts Symmetry - Blackbird VÖ 24.4.2009 (Pirouet/MVH)
Out Now Henning Sieverts Symmetry: Blackbird VÖ 24.4.2009 (Pirouet/MVH)
Out Now Henning Sieverts Symmetry: Blackbird VÖ 24.4.2009 (Pirouet/MVH)

(openPR) Alice im Zwitscherland
Blackbird: Die neue Quintett-CD von Henning Sieverts mit Partnern wie Chris Speed und John Hollenbeck entführt in aufregende Vogel-Soundwelten.

Die Vogelwelt hat viele Musiker nachhaltig fasziniert - im Jazz etwa Eric Dolphy und Albert Mangelsdorff, in der zeitgenösischen E-Musik nicht zuletzt den Komponisten Olivier Messiaen. Sie alle setzten auf unterschiedliche Art den Gesang der Vögel musikalisch um. Der Bassist Henning Sieverts legt hier eine eigene klingende Vogelkunde vor. Und zwar eine von enormer Vielfalt. Und mit swingendem und zwingendem Hintersinn. Nicht am Gesang orientiert er sich vornehmlich, sondern an vielen unterschiedlichen Phänomenen, die man mit dem inspirierenden Federvieh assoziieren kann. Marabu, Pinguin und Eule kommen auf diverse Art in der Musik und in schillernden Titel-Wortspielen zu Ehren. Blackbird heißt diese neue CD des in München lebenden Bassisten und seiner Band Symmetry (Symmetry hieß auch Sieverts' frühere Pirouet-CD in dieser Besetzung). Das erinnert wiederum nicht von ungefähr an einen Klassiker von den Beatles - siehe letzter Absatz.



Wingswing, Twittering Machine, Low Owl: Schon an diesen - und allen anderen - Titeln merkt man: Dieser Bandleader und Komponist hat Humor. Und einen äußerst wachen kreativen Geist. Beides durchzieht auf hochgradig
spannende Art die 13 Stücke dieser CD. Die meisten davon sind Kompositionen von Sieverts - und führen durch gewitzten Material-Umgang und musikalisches Raffinement jeweils in eine ganz eigene Welt. Das Anhören wird so zur Entdeckungsreise: Jedes Stück eine Insel - auf der jeweils andere prachtvolle, seltene und manchmal komische Vögel leben. "Leben" ist hier ein wichtiges Wort: Denn ausgesprochen lebendig ist das, was man auf diesen Hör-Inseln entdecken kann. Kunstvolle Stücke, in denen aber die Interpreten ihr Eigenleben spürbar lustvoll entfalten. Und bei der hochkarätigen internationalen Besetzung mit Chris Speed, Klarinette und Tenorsaxophon, Johannes Lauer, Posaune, Achim Kaufmann, Klavier, und John Hollenbeck, Schlagzeug, wirft das etliche quirlig-schöne Momente ab.

Diese CD ist - wie schon Sieverts' CD Symmetry - ein Beweis dafür, dass klug gebaute Kompositionen atmosphärisch fesseln und auch noch jede Menge Spaß machen können. Auch etwa die Klavierstücke von Bach sind, wie man weiß, minuziös systematisch angelegt - und doch wird kein Hörer bezweifeln, dass dabei Musik entstand, die ein enorm hohes emotionales Potenzial hat. Ohne sich jemals selbst mit solchen möglichen Vorbildern vergleichen zu wollen, setzt Henning Sieverts hier ebenfalls auf die großen Möglichkeiten des Systematischen. Und schöpft sie aufregend gekonnt aus. Symmetrien spielen auch in diesen neuen Kompositionen eine Rolle - und auf nicht ganz strenge Art sind auch die Titel immer wieder in sich gespiegelt: Ubaramarabu ergibt rückwärts gelesen dasselbe; Low Owl ist gewissermaßen eine gebrochene Spiegelung; und etwa bei Wingswing taucht rechts und links von der Achse "s" das Wort "wind" auf.

Auf feine und immer wieder andere Art hat Henning Sieverts in den Stücken für diese CD symmetrisches Material verwendet. Bei Wingswing etwa ist es
eine Sechs-Tonleiter, die symmetrisch aus kleinen Terzen und kleinen Sekunden zusammengesetzt ist. Bei Ubaramarabu ist es ein dahinschreitender 11/8-Takt, der auf vier verschiedene Arten stets symmetrisch aufgeteilt ist - und über den sich dann sonnig-schöne Melodien aus folkloristisch anmutenden Fünftonleitern als berückend einfacher Gegenpart legen. Und in Blues For Alice, das auf Charlie Parkers gleichnamige Komposition zurückgreift, spielen nach dem Klavier-Solo die Klarinette und die Posaune die Melodie rückwärts.

Eine besonders witzige Konstruktions-Idee hatte Sieverts für das Stück O.
M.'s Birdsday: Hier spielt er mit dem Geburtsdatum des großen Vogel-Bewunderers Olivier Messiaen (10. 12. 1908). Aus diesem Datum gewinnt er Intervalle. So steht etwa die 1 für einen Halbton, die 0 für eine Wiederholung der vorhergehenden Note, die 2 für einen Ganzton - und so fort. Aus "birthday" wurde außerdem "birdsday". Zwei weitere spannende Hommagen sind Gale In Night, Nightingale, eine Huldigung an Arnold Schönberg, die denn auch mit Zwölftontechnik arbeitet, und Twittering Machine, ein Stück, das sich an den Titel "Zwitschermaschine" eines Gemäldes von Paul Klee anlehnt; darin lässt laut dem Komponisten das Schlagzeug andere Instrumente - nämlich Klarinette, Cello und Posaune - auf Kommando zwitschern. Jazz (und Blues) für Alice und alle anderen, die gern ein Wunderland besuchen: Auf diesen Nenner könnte man diese nicht etwa in wunderliche, sondern durchweg wunderschöne Welten führende CD bringen. Ein besonderer Clou erwartet die Hörer beim Titelstück. Blackbird/Wenn ich ein Vöglein wär verwendet zum einen den schönen lyrischen Klassiker von Paul McCartney, zum anderen das deutsche Volkslied. Über rhythmischen Mustern der Posaune und der Klarinette entfalten sich die Stimmen dieser beiden Vogel-Hymnen zauberhaft eingängig und doch subtil. Das Aufregende daran - und an allen anderen Stücken dieser CD - ist: Diese Musik groovt, zwitschert, tiriliert, fetzt und schillert so packend und selbstverständlich, wie es nur höchst lebendig gespielter Jazz kann. Und doch liegt allem eine minuziös erdachte Struktur zu Grunde. Fazit: So natürlich kann das scheinbar Artifizielle sein. Und damit kommt die musikalische Welt des Henning Sieverts der hochkomplexen echten Vogelwelt ziemlich nahe.

Besetzung:
Henning Sieverts bass, cello
Chris Speed clarinet, tenor saxophone
Johannes Lauer trombone
Achim Kaufmann piano
John Hollenbeck drums

Tracks:
1. Wingswing · 6:23 2. Dribs and Drabs · 7:07 3. Ubaramarabu · 4:38 4. Penguin Promenade · 2:47 5. Rebird · 5:10 6. Twittering Machine · 1:37 7. Blackbird/Wenn ich ein Vöglein wär' · 7:27 8. Low Owl 1:59 9. Gale In Night, Nightingale · 5:48 10. E Bird · 3:20 11. Half-Brain Dream · 3:27 12. Blues For Alice · 5:32 13. O.M.'s Birdsday · 4:39

Tour:
24.04. Nürnberg · Workshop Musikhochschule | 25.04. Bamberg · Jazzclub | 26.04. Fürth · Kulturforum | 27.04. Freiburg · Jazzkongress | 28.04. Unterschleißheim · Bürgerhaus | 29.04. Mannheim · Alte Feuerwache (SWR Mitschnitt) | 30.04. Konstanz · Jazzclub | 2.05. München · Jazzclub Unterfahrt

+++Pressespiegel+++

Stefan Hentz in Die Zeit 16.4.2009:
"Ganz unten, wo die Töne kaum noch zu hören sind, wo sie jedoch wie Zahnräder ineinandergreifen und den aktuellen Gang bestimmen, das Tempo, die Tonalität, den Farbton; ganz unten im Getrieberaum der Musik, nimmt Henning Sieverts seinen Platz ein. Sieverts, geboren 1966 in Berlin, doch seit bald 25 Jahren in München zu Hause, ist der Bassist der Stunde im deutschen Jazz, auf mehr als 75 CDs hat er mitgespielt. Ob es um die struppige Avantgarde eines Rudi Mahall geht, um Nils Wograms modernistische Radikalität oder um den expressiven Mainstream Anke Helfrichs - mit seinem Kontrabass sitzt Sieverts im Hintergrund und steuert mit ruhigen Bewegungen die Musik durch die verschiedenen stilistischen Fahrwasser. (...) Gerade mit 'Blackbird', das Sieverts mit seinem Quintett Symmetry einspielte, steckt der Bassist sein Feld noch einmal neu ab. Die Vögel sind nur Vorwand, Vorlagen für Stimmungsbilder, versteckte Grüße an musikalische Vogelliebhaber wie Olivier Messiaen oder Charlie Parker und Buchstabenmaterial für die Wortspielereien, die Sieverts gern zu Titel macht. Symmetry, der Name der Band dagegen, ist das Konstruktionsprinzip, das sich durch die dreizehn Kompositionen zieht, die auf dem Album gespielt werden. Symmetrische Tonleitern, die sich der Dur-Moll-Tonalität verweigern und eher an östliche Skalen erinnern, prägen den Ton des Albums. Sieverts, so spürt man hier, ist ein Systemspieler. (...) Ein Virtuose des Subtilen, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alle Weichen richtig gestellt sind. Denn das ist das Kunststück, an dem sich seine Musik messen lässt: locker und mitreißend zu bleiben bei aller Strenge der Konstruktion."

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