(openPR) „Wer über Ausrichtungen in der Zukunft entscheidet, muss über die Vergangenheit im Klaren sein. Das gilt auch für die Medizin“, so Professor Heiner Fangerau, der seit Januar das von der Medizinischen Fakultät neu eingerichtete Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE) der Universität Ulm leitet (PM v. 17.03.09).
Dem mag zugestimmt werden können, wenngleich einer Kontextualisierung der Gegenwartsprobleme mit den medizinethischen Ursprüngen durchaus Grenzen gesetzt sind. Zumindest folgen aus der Vergangenheit keine Sprach- und Denkverbote, auch wenn in dem derzeitigen Diskurs über die Sterbehilfe es in Mode gekommen ist, sich in erster Linie an Hippokrates zu erinnern, der gleichsam für Generationen von Ärztinnen und Ärzten Pate für das von ihnen zu verinnerlichende Arztethos stand.
„Die Diskussionen zu Themen wie Sterbehilfe oder Fortpflanzungsmedizin etwa könne nur verstehen, wer moralische Werte historisch einordnen und begreifen kann“, so Fangerau weiter und hier dürfen dann schon leise Zweifel angemeldet werden, ob dem tatsächlich so ist.
Die derzeitige Gesellschaft ist in erster Linie selbst dazu berufen, ihre ethischen Probleme zu identifizieren und zwar zunächst unabhängig von irgendwelchen moralischen Werten, die für die Vergangenheit prägend waren. Hierauf hinzuweisen erscheint insbesondere deshalb sinnvoll, weil nicht selten mit einer historischen Betrachtungsweise zugleich eine Verabsolutierung von „Werten“ und „Moralen“ einhergeht, die eigentlich keinen Raum für ethisch gebotene Handlungsoptionen in der Gegenwart eröffnen, wie der gerade neu eröffnete Diskurs über die ärztliche Assistenz beim Suizid verdeutlicht.
Fast beschwörend wird der Geist des ehrwürdigen Hippokrates reanimiert, wohl hoffend darauf, dass die Diskutanten gleichsam auch in Ehrfurcht erstarren und von ihrem Bestreben ablassen, für eine ärztliche Assistenz beim Suizid nachhaltig einzutreten.
Dies wird freilich nicht gelingen, weil die Ausstrahlungskraft des Hippokratischen Geistes nicht nur innerhalb der Ärzteschaft zunehmend verblasst, sondern gleichsam auch im Sinne eines moralischen Postulats an die Gesellschaft seine integrierende Kraft verlustig gegangen ist.













