(openPR) An einer gemeinsamen Medienkonferenz machten am Freitag Vertreterinnen von Business & Professional Women BPW Switzerland, Gewerkschaftsbund, Wirtschaftsfrauen Schweiz und des Verbands Frauenunternehmen auf die noch immer existierende Lohnschere zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Frauen verdienen im Mittel 19 Prozent weniger als Männer. Am 10. März 2009 findet der erste Equal Pay Day der Schweiz statt, an welchem Frauenorganisationen die Oeffentlichkeit in der ganzen Schweiz für das Problem und die Thematik sensibilisieren wollen.
Am 10. März findet in der Schweiz erstmals der Equal Pay Day statt, der von verschiedenen Frauenorganisationen durchgeführt wird. Am 10. März deshalb, weil Frauen im Schnitt bis zum 10. März 2009 weiterarbeiten müssten, um gleich viel Geld verdient zu haben wie die Männer bereits am 31. Dezember 2008. Mit verschiedenen Aktionen machen die Frauen in der ganzen Schweiz auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam und sensibilisieren für das Thema (Veranstaltungen unter: www.equalpayday.ch).
Die Frauenorganisationen haben mit Freude vom soeben gestarteten und vom Bund unterstützten Lohngleichheitsdialog der Sozialpartner Kenntnis genommen der zum Ziel hat die Lohndiskriminierung zwischen Frauen und Männern möglichst rasch zu eliminieren. Das Projekt ruft Unternehmen dazu auf, freiwillig ihr Lohnsystem zu überprüfen. Nach zwei Jahren ist eine erste Evaluation vorgesehen. Die Frauenorganisationen laden die Unternehmen ein, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Mit dem Equal Pay Day wollen die Frauenorganisationen Frauen und Männer sensibilisieren und darauf hinweisen, dass die Lohnungleichheit immer noch besteht und angegangen werden muss.
Frauenorganisationen erstmals gemeinsam
Erstmals haben sich die drei grössten Frauenverbände sowie der Gewerkschaftsbund für eine solch grosse Veranstaltung wie den Equal Pay Day zusammengetan. Sie wollen gemeinsam für das Thema sensibilisieren und bei der Lösungsfindung mit den Unternehmungen Hand bieten.
Schon bei der Gründung der Business & Professional Women International 1930 in Genf waren Chancengleichheit und die Gleichbehandlung erklärte Ziele von BPW. «Dazu gehört natürlich auch die Lohngleichheit», erklärte Sabine Schmelzer, Zentralpräsidentin von BPW Switzerland. Sie sieht zwei Ansatzpunkte, um die Lohndifferenz anzugehen: Auf der einen Seite stünden die Unternehmen, die mit Tools und Methoden wie Logib und Equal Salary die Lohnunterschiede im eigenen Unternehmen sichtbar machen und dann dagegen etwas unternehmen können. Zum anderen müssten die Frauen selber mehr Gehalt fordern. «Wir hoffen, dass wir den Equal Pay Day jedes Jahr früher durchführen können und dass wir ihn irgendwann am 31.12. gemeinsam feiern können», betonte Schmelzer.
Christina Werder, Zentralsekretärin Gleichstellungspolitik des Gewerkschaftsbundes, erinnerte daran, dass gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit zu den ersten gewerkschaftlichen Forderungen gehörte. Politisch und rechtlich durchgesetzt werden konnte sie in der Schweiz erstmals im Jahre 1981 mit dem Verfassungsartikel «Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit». 1996 folgte das Gleichstellungsgesetz. «Der am 2. März 2009 gestartete Lohngleichheitsdialog der Sozialpartner ist ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg und öffnet eine neue Perspektive für eine alte Forderung», so Werder. Sie forderte Lohngleichheit – und zwar jetzt.
«Die Schweiz holt zwar mächtig auf und doch kann in Sachen Gleichstellung für eine gesunde und prosperierende Wirtschaft nie genug getan werden», sagte Astrid van der Haegen von den Wirtschaftsfrauen Schweiz. Im internationalen Vergleich bezüglich Lohngleichheit, ausgehend von den höchsten Einkommen, belege die Schweiz nach dem Gender Gap Report 2008 des World Economic Forums nun immerhin den 11. Platz. Über alle Kriterien gemessen belege unser Land Platz 14 (2007 = 26, 2005 = 34). «Diese Entwicklung ist äusserst positiv und wirkt sich motivierend aus. Dass es bei den höheren Einkommen teilweise immer noch eklatante Lohnunterschiede gibt, liegt einerseits an den wesentlich höheren Grundsätzen bezüglich Ethik und Moral der Frauen», so van der Haegen.
Unzählige Frauen verneinten ein Jahreseinkommen, welches über 500’000 Franken liege. Frauen würden sich nicht über das Einkommen definieren, sondern andere Werte wie Arbeitsleistung, Loyalität und Qualifikation vorziehen.«Einerseits führt dieses Verhalten bereits zu Lohnunterschieden, andererseits sind diese meist in den Betrieben aufgrund zu grosser Bescheidenheit der Frauen gewachsen», betonte van der Haegen.
Die Wirtschaftsfrauen Schweiz regen die Betriebe zur Überprüfung an. Werden Lohnunterschiede festgestellt, sind diese wenn möglich anzugleichen. Erdmute Krieger vom Verband Frauenunternehmen Schweiz machte auf eine Gefahr der Lohnungleichheit für Unternehmen aufmerksam: «Die oft ungleiche Behandlung von Frauen in Kaderpositionen betreffend Lohn, Weiterbildung und Karriereförderung wie auch Bonus- bzw. Erfolgsbeteiligung, führt sehr oft dazu, dass sich engagierte Frauen selbständig machen – und ihr Know-how damit der Firma entziehen.» In der Schweiz würden gemäss aktuellen Erhebungen etwa 40 Prozent aller Unternehmen von Frauen gegründet. Diese tendierten dazu, einen zu tiefen Stundenlohn anzusetzen. Krieger appellierte an die selbständigen Frauen, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern den pekuniären Wert für ihre Arbeit selbstbewusst zu verlangen – so wie das ihre männlichen Kollegen auch tun würden.
Hintergrund
Das Prinzip der Gleichstellung von Mann und Frau ist längst in der Schweizerischen Bundesverfassung verankert: «Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» Immer noch verdienen Frauen für gleichwertige Arbeit aber weniger als Männer – gemäss der Bass-Studie der Universität Bern im Auftrag des Bundesamts für Statistik und des Gleichstellungsbüros sind es in der Privatwirtschaft fast 24 Prozent. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie weniger leisten, sondern weil sie für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden, weil sie oft Teilzeit arbeiten, weil sie in schlechter bezahlten Branchen arbeiten, weil sie in kleineren Betrieben arbeiten, weil ihre Karrierechancen durch den Familienknick schlechter sind.
Insgesamt sind rund 60 Prozent der durchschnittlichen Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern objektiv zu erklären: Frauen sind in anforderungsreicheren Positionen und in Kaderstellen untervertreten und arbeiten eher in Niedriglohnbranchen. Zu diesem sog. Ausstattungseffekt gehört auch, dass sie weniger ausgebildet sind, schlechter entlöhnte Tätigkeiten ausüben, jünger sind und weniger betriebsspezifische Erfahrung aufweisen als die Männer.
Fast 40 Prozent der Lohndifferenz aber sind als tatsächliche Lohndiskriminierung zu werten. Frauen verdienen weniger, weil sie bei gleichen Ausstattungsmerkmalen – gleiche Ausbildung, gleiche Leistung, gleiche Berufserfahrung - nicht gleich wie die Männer entlöhnt werden. Im Dienstleistungssektor ist die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern um so grösser, je höher die Löhne sind. Die «gläserne Decke» existiert. Im oberen Lohnbereich hat die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen sogar zugenommen; dies dürfte laut der Studie unter anderem mit der zunehmenden Verbreitung von erfolgsabhängigen Lohnbestandteilen wie Boni, Prämien etc. zusammenhängen, die vor allem Beschäftigten in Kaderpositionen und dort besonders den Männern zu Gute kommen. www.equalpayday.ch















