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Ursprung der Rhetorik in den antiken Künsten und bei Aristoteles

27.01.200913:25 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Ursprung der Rhetorik in den antiken Künsten und bei Aristoteles

(openPR) Die Anfänge der Rhetorik finden sich im antiken Griechenland. Charakteristisch für das im antiken Griechenland begründete Verständnis der Rhetorik ist vor allem, dass Rhetorik nicht nur persuasive Sprachpraxis verstanden wurde, sondern Teil einer menschlichen Bildung war und auch einen ethisch-moralischen Anspruch erfüllte. Durch rhetorische Bildung sollte dem Menschen ermöglicht werden, in Handlungssituationen überzeugen zu können und bei sprachlichen Auseinandersetzungen glaubwürdig aufzutreten. Dieses Bildungsverständnis lag dem Rhetorikunterricht der Sophisten zugrunde, als deren Hauptvertreter Isokrates (436-338 v. Chr.) zu nennen ist.1 Im Rhetorik-Unterricht der Sophisten wurde dabei auch vermittelt, praktische Gegebenheiten zu analysieren und die eigenen Argumente erfolgsversprechend zu präsentieren. Allerdings waren die so vermittelten Redefähigkeiten lediglich, so kritisierte Platon in seinem Text ‚Gorgias’, auf den bloßen Anschein von Überzeugung ausgerichtet, ohne dass diesen Redeüberzeugungen ein wirkliches Wissen zugrunde liegt. Für Platon war das Rhetorikverständnis der Sophisten daher eine bloße Scheinkunst, der es nur darum ging, etwas zu präsentieren, das dem Beifall der Menge dient oder Schmeicheleien zu erreichen.2 Nach Platon ist der ideale Redner vielmehr dadurch geprägt, dass er rational-logisch argumentieren kann. Charakteristisch für eine derartige Rhetorik wären dann ein bestimmter Wahrheitsgehalt und die Fähigkeit des Redners, Zusammenhänge zu erklären, um seine Zuhörer zu überzeugen.3 Diese Überlegungen wurden dann von Aristoteles, der ein Schüler Platons war, weitergeführt. Aristoteles entwickelte in seinem Text „Rhetorik“ die Rhetorik als Theorie des Meinungswissens und der darauf basierenden wahrscheinlichen Schlüsse. Wesentlich für dieses Rhetorikverständnis war außerdem eine glaubhafte Argumentation und mit Hilfe von Gefühlsgründen zu überzeugen.4 Aristoteles ging es vor allem darum, die Wirkung einer Rede zu untersuchen. Wesentlich ist dabei die von ihm aufgestellte Definition von Rhetorik, wonach Rhetorik das Vermögen darstellt, „bei jedem Gegenstand das möglicherweise Glaubenerweckende zu erkennen“.5 Das dieser Definition zugrunde liegende Glaubensverständnis impliziert, dass der Redner so auf die Zuhörer wirkt, dass sie seiner Rede Glauben schenken können. Um dies zu erreichen, müssen sich Informationen, Argumentationen und die Art und Weise der Rede als glaubwürdig erweisen. Der Redner sollte deshalb seine Rede so gestalten, dass das, was er vermittelt, als wahrscheinlich und plausibel erscheint.6 Dabei ging es weniger darum, ob das Gesagte wahr ist, sondern wesentlich ist die argumentationstheoretische Ausrichtung der Rede. Dies konnte auch einen pragmatisch orientierten Anspruch bestimmter Inhalte bedeuten, die dann plausibel und überzeugend präsentiert wurden.7 Die große Bedeutung der Plausibilität und Glaubwürdigkeit der Rede ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass auf die so vermittelten Informationen ja Entscheidungen getroffen und Handlungen vollzogen werden müssen, die bei weniger überzeugenden Reden auf deutlich unsicheren Voraussetzungen basieren würden.8


Rhetorik betrifft die Fähigkeit, zu erkennen, was überzeugen kann. Eine gute Rede basiert also auf der Methode, das Glaubwürdige an Gegenständen herauszufinden, diese Glaubwürdigkeit zur Grundlage einer Argumentation zu machen und so zu überzeugen. Eine gute Rhetorik kann somit nicht durch Sprachgewandtheit und Formulierungskunst erreicht werden, sondern basiert auf inhaltlichen Bezügen, die überzeugen können. Diese Überzeugungskraft leitet Aristoteles dabei nicht nur von inhaltlichen Informationen ab, die sich auf Beweise oder scheinbare Beweise beziehen. Überzeugen vermag ein Redner nach Aristoteles auch, wenn er die Zuhörer in eine gewisse Stimmung versetzen kann. Aber auch der Charakter des Redners ist ein wesentliches Moment der Überzeugungskraft, denn ein Redner mit einem schlechten Charakter kann Zuhörern keine sittlich glaubwürdigen Inhalte vermitteln. Aristoteles gebraucht sogar den Begriff des sittlichen Lebenswandels des Redners, der ein wesentliches Moment der Glaubwürdigkeit darstellt, wobei dies für ihn sogar die bedeutendste Überzeugungskraft der Rede ausmacht.9
Der ideale Redner nach Aristoteles ist somit ein Dialektiker, der seine Rede mit Hilfe von Schlussfolgerungen gestaltet, zielgerichtet und themenorientiert argumentiert und auf die Emotionen der Menschen Rücksicht nimmt und diese zu beeinflussen weiß.10
Wer die Kunst der Rhetorik beherrscht, muss zwischen wirklichen und scheinbaren Argumenten bzw. Argumentationsmitteln unterscheiden. Wirkliche Überzeugungskraft basiert darauf, scheinbare Schlussfolgerungen zu vermeiden. Dazu gehören materiale Fehlschlüsse, die zwar in sich logisch schlüssig sind, aber auf falschen Informationen und falschen Prämissen beruhen.11 Viel häufiger jedoch führen formale Fehlschlüsse zu einer wenig überzeugenden Rede. Formale Fehlschlüsse entstehen z.B., wenn die zu belegenden Argumente bereits in der Prämisse als gegeben vorausgesetzt werden oder wenn Begriffe nicht eindeutig sind.12 Wesentlich für die Redekunst sind für Aristoteles auch die gegenseitige Aufrichtigkeit in der Debatte und die sich daraus ergebende Orientierung an der durch das Reden zu erreichenden Wahrheitsfindung. Unredlich ist für Aristoteles ein Redner, der unter allen Umständen siegreich aus einer Debatte hervorgehen will oder dem es nur um Ansehen geht.13

Literaturverzeichnis

Vos, J.: Die Kunst der Argumentation bei Paulus, Tübingen 2002.
Kirchner, Baldur: Rhetorik und Glaubwürdigkeit. Überzeugen durch eine neue Dialogkultur, Wiesbaden 1998.
Ueding, Gert: Klassische Rhetorik, München 2000.

1 Vgl. Ueding 2000, S. 22.
2 Vgl. ebd., S. 27.
3 Vgl. ebd., S. 28.
4 Vgl. ebd., S. 30.
5 Vgl. Kirchner 1998, S. 32.
6 Vgl. Kirchner 1998, S. 34.
7 Vgl. Ueding 2000, S. 31.
8 Vgl. Kirchner 1998, S. 34.
9 Vgl. Kirchner 1998, S. 34.
10 Vgl. Ueding 2000, S. 36.
11 Vgl. Vos 2002, S. 19.
12 Vgl. ebendaselbst.
13 Vgl. ebd., S. 19.

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