(openPR) Sechs bayerische Schulen nehmen an der neuen „Coaching-Initiative Bildung und Zukunft“ teil – mit dem Ziel, Schulleiter und Lehrer besser auf wachsende organisatorische Anforderungen und ihre Rolle als Führungskräfte vorzubereiten
- Starttermin war der Beginn des Schuljahres 2008/2009; nach gut einem Vierteljahr wurde jetzt eine erste Zwischenbilanz gezogen
- Der Erlös des Projekts, das der Coaching-Berufsverband ICF in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bildungspakt Bayern durchführt, kommt weiteren Bildungsprojekten zugute
München/Berlin, 2. Januar 2009 – Es sind schon interessante Parallelen: Die Finanzmärkte schliddern in die Krise. Die Folge: Ein „Finanzgipfel“ wird abgehalten. Um die Bildung in Deutschland steht es schon seit langer Zeit nicht viel besser. Die Konsequenz: Es wird ein „Bildungsgipfel“ veranstaltet – so geschehen im Herbst des vergangenen Jahres. Allerdings wird man das ungute Gefühl nicht los, dass die Entscheidungsträger in Sachen Finanzen etwas ergebnisorientierter zu Werke gegangen sind…
Aus diesem Grund treten immer wieder unabhängige Initiativen eigenverantwortlich in die erste Reihe, um der bundesdeutschen Bildungsmisere Herr zu werden – so zum Beispiel die deutsche Sektion des Coaching-Berufsverbandes International Coach Federation (ICF), der deutschlandweit rund 130 professionelle Coachs und Trainer angehören. Unter der Federführung von Franz Neumeyer haben zehn Coachs in Bayern die „Coaching-Initiative Bildung und Zukunft“ ins Leben gerufen. Das Projekt, das Mitte September, also zum Beginn des Schuljahres 2008/2009, gestartet wurde, befindet sich derzeit in seiner sechsmonatigen Pilotphase. Sechs Grund- und Hauptschulen im Freistaat beteiligen sich zurzeit an der ehrenamtlichen Initiative; nach dem ersten Vierteljahr wurde nun, kurz vor dem Jahreswechsel, eine erste Zwischenbilanz gezogen.
Neumeyer, der selbst mehr als 15 Jahre lang als Führungskraft tätig war und seit mehr als zehn Jahren international als Coach aktiv ist, erklärt den Hintergrund der Initiative so: „Die Anforderungen besonders an Rektoren und Teamleiter in Schulen sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. Dieser Personenkreis unterliegt einer kontinuierlich steigenden Eigenverantwortung, besonders im Verwaltungsmanagement und im Bereich Personalführung. Lehrkräfte müssen darüber hinaus immer größeren Klassen immer mehr Inhalte in immer kürzerer Zeit vermitteln. Das stellt ganz neue Ansprüche beispielsweise an die Selbstorganisation der Pädagogen und an ihre Vernetzung untereinander.“
Seit September bieten die ICF-Coachs daher, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bildungspakt Bayern, den Schulleitern freiwillige Unterstützung in Form von zehn Coaching-Stunden verteilt über sechs Monate an. Darin werden zwischen Coachee und Coach zuerst gemeinsam die Ziele festgelegt, die durch das Coaching erreicht werden sollen. Anschließend werden die persönlichen Aspekte herausgearbeitet, die eine entscheidende Rolle spielen, um diese Ziele zu erreichen und in der Folgezeit konkret daran arbeiten zu können. Rosemarie Thiele, Schulleiterin der Hauptschule Insel Schütt in Nürnberg, hat das Angebot dankend angenommen: „Ich denke, dass ein Blick von außen Transparenz und Klarheit in das eigene Führungsverhalten überhaupt erst ermöglicht und somit die eigene Wahrnehmung schärft.“
Auch für ganze Lehrerteams hält die ICF in Bayern ein Programm bereit, das insgesamt 30 Stunden umfasst und mit einem gemeinsamen Wochenende beginnt. Karin Ackermann, Rektorin der Grundschule an der Herterichstraße in München-Solln, ist von der Wirkung des Projekts überzeugt: „Jeder Lehrer in unserem Bildungssystem kann selbstständig agieren und den Erziehungsauftrag ohne kollegiale Absprachen erfüllen. Aber wie oft geschieht es, dass gute Ideen im Sande verlaufen, weil wir es nicht gelernt haben, uns gemeinsam Ziele zu erarbeiten und auf diese hinzuarbeiten.“
Initiator Franz Neumeyer freut sich über das positive Feedback auf das ehrenamtliche ICF-Engagement und hebt hervor, das Projekt könne nur dann funktionieren, wenn sich auch die Pädagogen auf freiwilliger Basis zur Teilnahme an den Weiterbildungsangeboten entschieden. Die freiwillige Bereitschaft zur Mitwirkung schaffe ein Höchstmaß an Identifikation mit dem Programm, meint der Coach und ergänzt: „Nicht zuletzt aus diesem Grund erheben wir eine Pauschale in Höhe von 500 Euro, die der Teilnehmer möglichst als Eigenleistung tragen soll.“
Mit den Einnahmen aus den Pauschalen, die übrigens weit unter den üblichen Marktpreisen für derartige Coachings liegen, sollen weitere Bildungsprojekte unterstützt werden. Ob dies in Deutschland oder in der Dritten Welt geschehen wird, steht derzeit noch nicht fest. Nach dem erfolgreichen Start in Bayern plant die International Coach Federation für die Zukunft die Ausweitung ihrer Schulcoaching-Initiative auf das gesamte Bundesgebiet – mit dem Ziel, dass sich insgesamt mindestens 100 Coachs daran beteiligen werden.
Rosemarie Thiele ermutigt derweil ihre Lehrerkollegen, solche Angebote zu nutzen: „Inanspruchnahme von Coaching bedeutet mitnichten, einen Mangel an Kompetenz oder andere Defizite zugeben zu müssen“, betont sie und zeigt sich persönlich sicher, „dass ich mit dieser Unterstützung die schulisch-pädagogischen Ziele im Konsens mit meinem Kollegium schneller erreichen kann.“










