(openPR) Köln (lmh) - 21.10.2008 - Im Mandanten-Rundschreiben "November 2007" hatte die Dipl.-Kfm Winfried Hilger GmbH auf die in den vergangenen Jahren durch das Interbankensystem neu geschaffene, ungeheuer große Geldmenge und die damit verbundenen Gefahren hingewiesen. In diesem System gewähren sich Banken weltweit Kredite untereinander, die überwiegend auf dem Vertrauen zu diesem System und dem Vertrauen zueinander basieren. Die auf diese Weise geschaffene Geldmenge übersteigt das zur Finanzierung der realen Wirtschaft erforderliche Volumen um das Zigfache. So wie dieses viel zu große Geldvolumen in dem vergangenen Jahrzehnt geschaffen wurde, so ist in den vergangenen Wochen ein erheblicher Teil davon vernichtet worden. Leider ist aber auch ein Teil des zur Finanzierung der Realwirtschaft erforderlichen Kreditvolumens ebenfalls zerstört worden. Um die negativen Auswirkungen für die Realwirtschaft zu mindern, versuchen die Staaten durch Bürgschaften u.ä. das Vertrauen wieder herzustellen.
Um die Problematik besser verstehen zu können, sollte man wissen, dass das Geld „erfunden“ wurde, um die Tauschwirtschaft zu erleichtern. Gäbe es kein Geld, müsste beispielsweise ein Landwirt zum Kauf eines Schmuckstückes mit etlichen Tonnen Kartoffeln beim Juwelier vorfahren, um einen Ring damit bezahlen zu können. Geld stellt insofern eine Zwischenstufe im realen Tauschhandel dar. Um die Entstehung des Geldes über Jahrhunderte zu ermöglichen, war es - um beim oben erwähnten Beispiel zu bleiben - erforderlich, für den hingegebenen Wert der Kartoffeln auf dieser Zwischenstufe Vertrauen zu schaffen. Es musste sichergestellt werden, dass der Verkäufer später für die beim Verkauf der Kartoffeln erhaltenen Münzen oder Banknoten beim Juwelier das gewünschte Schmuckstück kaufen konnte.
Um dieses Vertrauen zu schaffen, hatten sich ehemals die meisten Notenbanken verpflichtet, einen gewissen Teil des ausgegebenen Papiergeldes mit Gold zu hinterlegen. Auch die optische und inhaltliche Gestaltung (z.B. US-Dollar: „In God we Trust“) der Geldscheine war auf die Schaffung und Erhaltung dieses Vertrauens gerichtet, so dass jederzeit und überall für die Hergabe eines „Wertscheines“ ein reales Wirtschaftsgut erhältlich war.
Als Reaktion auf die beiden Währungsreformen im vergangenen Jahrhundert hatten viele Staaten ihre Geldpolitik in die unabhängigen Hände der Notenbanken gelegt, um so eine wesentliche Voraussetzung zur Erhaltung des Geldwertes zu schaffen. Zudem erwuchs die Erkenntnis, dass zur Geldwerterhaltung die Geldmenge nicht nur dem Bedarf der wachsenden Wirtschaft insgesamt und global angepasst, sondern auch durch flexible Wechselkurse dem unterschiedlichen Wachstum der Staaten entsprochen werden muss.
Durch die eingangs kritisierten, unkontrollierten Interbankenkredite wurden zusätzlich Möglichkeiten zur Anpassung der Geldmengen an das veränderte Wirtschaftsvolumen geschaffen. Erst mit Beginn der Globalisierung wurde das zunächst segensreiche Interbankensystem zunehmend für spekulative Zwecke missbraucht. Das Geldvolumen vergrößerte sich rasant und die Produkte und Instrumentarien entwickelten sich immer komplizierter. Selbst für viele Fachleute sind sie unüberschaubar geworden. Das auf diese Weise geschaffene, über den Bedarf der Realwirtschaft hinausgehende Kreditvolumen eröffnete die Möglichkeit für gigantische Spekulationen, deren Folgen heute zu bewältigen sind.
Wie die derzeitige Krise zeigt, ist die beliebige Geldmengenvergrößerung oder -reduzierung durch die Interbankenkredite das eigentliche Übel in der heutigen Zeit. Die Geldmenge muss sich an der Entwicklung der realen Wirtschaft weltweit orientieren. Dadurch muss das Restvertrauen in das Geld und in die damit verbundenen Instrumentarien unbedingt erhalten bleiben bzw. das volle Vertrauen wieder hergestellt werden. Nur so kann die Effizienz der weltweiten Arbeitsteilung erhalten werden, die heute eine wesentliche Quelle des Wohlstandes ist. Spekulationen, die durch plötzliche Vergrößerung oder Reduzierung der Geldmenge mit gigantischem Ausmaß das gesamte Wirtschaftssystem gefährden, müssen durch international verbindliche Spielregeln auf ein akzeptables Maß reduziert werden.
Welche Bedeutung haben diese Erkenntnisse für eine vernünftige Anlagestrategie?
- Der Wert des Geldes, in welcher Form auch immer, basiert auf der Illusion, dass es einen Wert hat. Der Geldwert existiert scheinbar und nur so lange, wie die Illusion aufrechterhalten werden kann.
- Selbst wenn auf die gegenwärtige Krise eine richtige Antwort gefunden wird, schließt dies nicht aus, dass auch künftig wieder neue Krisen entstehen, weil die weltweite Wirtschaft einem ständigen Wandel unterworfen ist und das Währungssystem diesen Veränderungen angepasst werden muss. Geld-Vertrauenskrisen werden sich wiederholen.
- Im Gegensatz zu Geld behalten Sachwerte immer einen mehr oder minder hohen Wert, weil und solange diese den Menschen einen Nutzen erbringen.
- Ein wesentlicher Aspekt für die Wertbeständigkeit von Sachwerten ist ihre Lebensdauer. Eine Immobilie ist gegenüber einem Korb Erdbeeren wertbeständiger. Die Lebensdauer und damit der Wert einer Immobilie kann 100 Jahre betragen, während die Erdbeeren nach 3 Tagen verderben.
- Je notwendiger ein Wirtschaftsgut für das alltägliche Leben von Menschen ist, umso wahrscheinlicher ist dessen Werterhaltung und Wertbeständigkeit, insbesondere in Krisenzeiten. Eine Wohnung behält beispielsweise eher ihren Wert als Geld, weil sie ein tägliches Bedürfnis des Menschen befriedigen kann. Ein Geldschein kann diese Funktion direkt nicht erfüllen.
- Der direkte Gebrauchswert des Goldes ist eher gering, weil Gold lediglich bei der Produktion von Schmuck oder Industriegütern eine Rolle spielt. Gold wirft daher im Gegensatz zu Immobilien auch keinen laufenden Ertrag ab. Die Beliebtheit des Goldes in Krisenzeiten ist historisch bedingt (Goldhortung der Notenbank) und ist sachlich bestenfalls durch die Fungibilität begründet.
Fazit: Der Wert von Sachwerten ist relativ kontinuierlicher und sicherer als der des Geldes, da er nicht auf einer Illusion basiert. Die relative Wertsicherheit von Sachwerten untereinander steigt und fällt u.a. mit ihrer Lebensdauer und ihrer Fähigkeit, den Menschen alltäglich Nutzen zu spenden. Diese und andere Aspekte spiegeln sich in der Angebots- / Nachfragesituation wider, die letztlich für den Wert von Sachwerten ausschlaggebend ist. Natürlich kann auch der Wert von lebensnotwendigen Sachen durch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch negativ oder positiv beeinträchtigt werden. Ein völliger Verlust des Sachwertes ist aber nahezu ausgeschlossen.
Schließlich ist zu beachten, dass auch die Zusagen von Herrn Bush oder Frau Merkel aus den letzten Tagen auf einer Illusion basieren. Die von ihnen gemachten Garantien und Zusagen sind nur ernst zu nehmen, solange unser Wirtschaftssystem bzw. die Staaten, als deren Repräsentanten sie die Zusagen gemacht haben, funktionieren. Im Gegensatz dazu wird ein Grundstück mit Immobilie oder ein land- oder forstwirtschaftliches Grundstück beispielsweise immer einen Wert haben, da es selbst in Krisen einen Nutzen spenden kann. Der Wert solcher Sachwerte existiert an sich und ist nicht abhängig von einer künstlich geschaffenen Illusion.








