(openPR) (CM, Berlin, 13.08.2008) Interview mit dem Berliner Autor und Maler Ulrich Wickert:
Sandra Dietmers: Herr Wickert, welche Verbindungen verknüpfen Sie mit Ostasien?
Wolfram Wickert: Ich bin in Asien geboren und aufgewachsen. Ich habe keine Berührungsängste vor Schriftzeichen oder der ostasiatischen Kultur. Im Gegenteil, ich spiele mit ihr. Ich habe erst chinesische Kalligraphie und Maltechniken studiert, dann habe ich meine ersten Bilder mit Acrylfarben gemalt. Meine „geographischen Gemälde“, zum Beispiel das Bild: „Der Rhein, Europa ohne Grenzen“, „Glienicke, frische Farbe über dem Rost der Vergangenheit“, „Peking zur Olympiade“ habe ich nach der Beschäftigung mit Landkarten aus der Zeit der Ming-Dynastie, mit Paul Klee und Matthias Merian d. Ä. entwickelt. Ich habe mir sogar einen chinesischen Künstlernamen zugelegt.
Sandra Dietmers: Sie hatten im letzten Jahr verschiedene Ausstellungen in Korea und China. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Wolfram Wickert: Asien ist im Aufbruch, ist hungrig auf Erfolge und nicht so satt wie die USA oder Europa. Ich bin von der Dynamik der Künstler in China begeistert. Sie denken frei und unkompliziert und bemühen sich mehr um das Abendland als wir Europäer um China. Der chinesische Kunstmarkt brodelt und ist unübersichtlicher als der süd-koreanische. Koreanische Maler kennen aber abendländische Stilrichtungen schon länger. In Süd-Korea wird seit kurzem viel Geld in moderne Kunst investiert. Die Koreaner eifern China nach, öffnen sich Europa und der Welt. Ich habe dort Preise gewonnen, meine Werke wurden in Seoul-er Museen ausgestellt. Diesen Herbst bin ich mit meinen Gemälden in Seoul auf drei Ausstellungen und in Peking in einer Ausstellung vertreten. Die größte Kunstzeitschrift Asiens, ART ASIA PACIFIC veröffentlicht in ihrer September/Oktober Ausgabe mein Bild „Hangang – Seoul“.
Sandra Dietmers: Intellektuelle aus China beklagen, dass Europäer mit zwei Zungen reden, wenn es um Fragen der Menschenrechte geht. Empfinden Sie die Argumentation der Chinesen gegenüber Europa auch als scheinheilig?
Wolfram Wickert: Wir Europäer tragen die Nase in China oft sehr hoch. Wir übergehen eigene gerne Schwächen und kehren zur Ablenkung noch lieber vor der Tür fremder Leute. Die Demonstrationen für die „Freiheit Tibets“ spiegelt das wieder. Der Dalai Lama will keine Freiheit, er tritt nur für eine Regierung tibetanischer Mönche im chinesischen Staat ein. Dieser tibetanische Gottesstaat, den die Chinesen 1959 auflösten, ähnelte dem im heutigen in Teheran. Ich bin gegen jede weltliche Herrschaft von Religionen.
Sandra Dietmers: Worin sehen Sie den Grund für das negative Image, mit dem Europäer die Chinesen seit mehr als 150 Jahren behaften?
Der Grund liegt in unserer Bequemlichkeit und Unwissenheit. Allerdings gab es in Europa immer intellektuelle Kreise, die die hohe Bedeutung der chinesischen Kultur erkannten. So kann ich nur zur Teilnahme am deutsch-chinesischen Symposien wie zum Beispiel der Berliner “Civilisations Matter Society” im September des Jahres in Peking raten. Begegnungen sind wichtig, sie schaffen ein besseres gegenseitiges Verständnis und fördern den Abbau von Vorurteilen.
Wolfram Wickert, Jahrgang 1941, Autor und Maler, wurde als Sohn eines deutschen Botschafters in China in Shanghai geboren, wuchs in Japan, Frankreich, Deutschland auf, studierte Geschichte, Sinologie und Politische Wissenschaften, arbeitete fünf Jahre in Neu Delhi, lernte bei zwei chinesischen Professoren zu malen. Er lebt seit über zehn Jahren in Berlin, weil es ihm als die geistig aufgeschlossenste Stadt Europas erscheint. Sein Künstlername ist LaoLang http://www.laolang.de



















