(openPR) An der Universität Potsdam sind keine Lösungen für gravierende Probleme in der Lehre in Sicht
Am gestrigen Mittwoch nutzte die Universität Potsdam eindrucksvoll den Anlass der Präsentation der Exzellenz- und Profilbereiche, um der versammelten Presse ein schönes Bild von der Entwicklung der Hochschule zu vermitteln: Exzellente Forschung, internationale Profilierung und Kooperationen mit Spitzen-Forschungseinrichtungen wurden präsentiert. Wo aber bleibt hier die Lehre, welche die fast 19.000 Studierenden doch am wesentlichsten betrifft? Was passiert mit den Studierenden, die nicht das Glück haben, in einem exzellenten Forschungsbereich ihre akademische Ausbildung zu absolvieren?
Schon bei der Vorstellung der Profilbereiche wurde der Ruf der neuen Spitzencluster nach mehr Mitteln und Professuren laut. Laut rufen auch andere Bereiche, die wenig profilierte aber stark nachgefragte Studiengänge, wie z.B. die Lehramtsausbildung, anbieten. Gehört werden letztere bisher nicht.
Imponierende Powerpoint-Präsentationen und Vorträge begleiteten die feierliche Benennungszeremonie, eine Auseinandersetzung mit Problemstellen und gravierenden Mängeln gehörte leider nicht dazu. Studentische Bedenken und Anmerkungen im Rahmen des Struktur- und Entwicklungsplans wurden immer wieder relativiert. Bisher konnte aber kein hervorstechendes Engagement der Hochschulleitung zur Problemlösung festgestellt werden:
* So ist die Professur für Humangeographie seit zwei Semestern vakant und nur vorläufig und notdürftig besetzt. Dies führt unter anderem zu einem großen Mangel an Betreuung für Studierende und gefährdet die Lehramtsausbildung.
* Die Volkswirtschaftslehre sieht leider auch keiner rosigen Zukunft entgegen, so wurde die interdisziplinär wichtige Professur für Wirtschaftspolitik zu einer W2-Professur mit niedrigerer Lehrkapazität herabgestuft.
* Der Studiengang Kunst ist seit Längerem von der Komplett-Schließung bedroht. Dies hat vor allem für die künstlerische Ausbildung künftiger SchülerInnen-Jahrgänge in Brandenburg Auswirkungen.
* Der Bereich der Arbeitslehre soll komplett in andere Fächer ausgelagert werden und ermöglicht so keine spezifische Ausbildung mehr.
* Auch die Nachbesetzung der Westslavistik-Professur lässt auf sich warten, ebenso die Didaktik-Professur für Klassische Philologie.
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Solche Missstände kamen leider zur Feierstunde nicht zur Sprache, obwohl auch sie einer ernsthaften Auseinandersetzung bedürften. „Eine Universität, die sich qualitativ gute LehrerInnenbildung auf die Fahnen geschrieben hat, muss auch ein entsprechend breites Angebot in weniger imageträchtigen Fächern vorhalten“, kommentiert Janis Klusmann, AStA-Referent für Sozialpolitik, die Feierlichkeiten.
„Förderung an gewissen Stellen kann sinnvoll sein, aber darf nicht zu Lasten von anderen Fächern gehen! Einseitige Förderung kann langfristig nicht universitärer Wissenschaft dienlich sein“, ergänzt Nadine Günther, studentische Vertreterin im akademischen Senat der Universität Potsdam. So bleibt nach der Veranstaltung festzuhalten: Schöner Schein statt Schritt nach vorn!













