(openPR) KKV Bayern: Wissensarbeit verändert Strukturen in Unternehmen
Der Wohlstand hängt in Zukunft vom Sozialverhalten ab, erklärt der KKV Landesverband Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung auf seiner Tagung auf Schloss Hirschberg in Beilngries an diesem Wochenende. Mehr als Steuergesetze oder Energie bestimmen die Fähigkeiten, trotz Streit zusammenzuarbeiten, Kritik zu üben und anzunehmen oder wahrhaftig Wissen weiterzugeben die Produktivität der Wirtschaft. Da materielle Arbeit längst von Maschinen übernommen wurde, ist Arbeit zunehmend immateriell - wie planen, entwickeln, organisieren und Lösungen finden. Damit das Wissen der neuen Informationsarbeiter zusammengefügt werden kann, sind neue Verhaltensformen nötig, die in der Theorie der Ethik des Evangeliums entsprechen, erläutert der KKV Bayern.
Gleichzeitig erzwingt Wissensarbeit auch neue Hierarchien: Weil die Informationsflut heute keiner mehr überblicken kann, rutscht die Fachkompetenz von den oberen Etagen runter in die untere Ebene der Fach- und Sachbearbeiter. Jeder einzelne wird so zum unverzichtbaren Spezialist eines Zwischenschrittes, der mehr Verantwortung übernehmen und seinem Chef fachlich widersprechen, bei Entscheidungen stärker miteinbezogen und anerkannt werden muss.
Das funktioniert bislang schlecht, weil Statusorientierung und destruktives Streitverhalten die produktiven Ressourcen auffressen. Die Qualität der Arbeit wird daher abhängen von ethischen Fragen: Wie weit reicht das Verantwortungsgefühl des einzelnen? Wie langfristig ist der Nutzen-Horizont in einer Unternehmenskultur? Wie sach- oder machtorientiert ist die Kommunikation? Somit werde Wirtschaft stärker als früher zu einer kulturellen Frage, die durch religiöse Wertvorstellungen geprägt wird.
Anlass dieser Erklärung ist ein Vortrag des Zukunftsforschers und Wirtschaftsjournalisten Erik Händeler zu den neuen Spielregeln der Wissensarbeit: Schon immer hat es wirtschaftlich-gesellschaftliche Strukturzyklen gegeben, in denen es neben bestimmten Erfindungen auch bestimmte Kompetenzen und Verhaltensregeln gab, die für Wohlstand sorgten, wie Dampfmaschine, Eisenbahn oder Computer. Diese Strukturzyklen sind nach dem Ökonomen Nikolai Kondratieff (1892 – 1938) benannt, der sie in den 20er Jahren beschrieb. Nachdem der Computer die Zeit seiner stärksten Antriebskraft für die Wirtschaft verloren hat, geht es nun um bessere Wissensarbeit und um die Gesundheit der Gedankenarbeiter.
In Gruppen erarbeiteten die Mitglieder des KKV Konsequenzen des Strukturwandels. Für die Kirche sehen sie einerseits neue Chancen, weil der wirtschaftliche Druck, effizient mit Wissen umzugehen, Eigenschaften verlangt, die Glaubensthemen der Kirche sind. Andererseits geraten auch manche Kirchenstrukturen unter Druck, wenn der im Beruf selbständig denkende Mitarbeiter als Kirchenmitglied einerseits kritischer als früher mitdenkt, andererseits aus seinem stärker reflektierten Glauben heraus die Kirche wirkungsvoller mitträgt.












