(openPR) Guten Tag Frau Calmy-Rey,
gestern las ich das empörte Statement einer Exiliranerin, die von deutschen Landsleuten immer mal wieder gefragt wird, ob sie sich eigentlich nicht für den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad schäme. Diese Frage ist natürlich eine Impertinenz sondergleichen – schließlich lebt sie ja nicht per Zufall im Exil...
Heute habe ich Ihr Bild als verschleierte Bundesrätin neben dem iranischen Präsidenten gesehen – und frage mich, ob ich mich jetzt schämen oder vielleicht, als in Deutschland wohnhafte Schweizerin, doch lieber „im Exil“ lebend definieren soll...
Ich kann und kann es einfach nicht begreifen: Was haben Sie sich dabei gedacht, was haben Sie für Beraterinnen und Berater um sich, und was wollten Sie damit bezwecken? Ein Akt der Höflichkeit sei das gewesen, eine „Anpassung“ an Sitten und Gebräuche des Gastgeberlandes...
Nein, Frau Calmy-Rey! Wenn eine nicht-muslimische Frau ein Kopftuch trägt, ist das weder ein Akt der Höflichkeit noch „Anpassung“. Es ist ein Statement, eine ganz klare und unmissverständliche Botschaft. Sie haben damit nicht nur unterstrichen, dass Sie den Kopftuchzwang akzeptieren, sondern auch noch signalisiert, dass Sie sich ihm im Bedarfsfall sogar unterwerfen! Hier geht es nicht darum, ob eine Frau verschleiert gehen will oder nicht – das bleibt in einer freiheitlichen Gesellschaft tatsächlich jeder Frau freigestellt – sondern dass sie es muss. Ohne Wenn und Aber und unter Androhung von Strafen bis hin zum Tod! Dieser Unterdrückung der Frau, dieser Unterbindung weiblicher Selbstbestimmung haben Sie Vorschub geleistet und das auf der Bühne der Weltöffentlichkeit, sichtbar für die ganze zivilisierte Welt! Haben Sie den Unterschied wirklich nicht begriffen? Eine islamische Frau, auch eine Politikerin, kann selbstverständlich ein Kopftuch tragen, ohne dass dies gleich etwas aussagen muss. Sie als Vertreterin eines christlich geprägten Abendlandes können dies nicht, weil Sie damit automatisch eine Aussage machen! Es ist nicht nur Anbiederung an fremde Gepflogenheiten, sondern ein Bärendienst für die Frauen überall auf der Welt, was Sie da geleistet haben. Wenn es das ist, was Sie unter „aktiver Neutralität“ verstehen, dann rinnt es mir kalt den Rücken hinunter.
Da ich bisher nicht davon ausging, im Exil zu sein, habe ich mich in den 17 Jahren, die ich nun schon in Deutschland lebe, bereits mehrfach für die Schweiz geschämt – zuletzt für das Werbeplakat der SVP, auf dem die weißen Schweizer Schäfchen ein „böses“ Schwarzes aus ihrem Land kicken. Seit Ihrem verschleierten Auftritt habe ich nun noch einen weiteren Grund dazu.
Allerdings bin ich seit dem 18. Februar nicht mehr nur Schweizerin, sondern habe an jenem Tag auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Ich hätte also durchaus die reale Möglichkeit, meinen Schweizer Pass zurückzugeben... Und wenn ich bedenke, dass meine persönliche und künstlerische Emanzipation in Deutschland stattgefunden hat und wir hier eine Kanzlerin haben, die barhäuptig und selbstbewusst mit islamischen Staatsoberhäuptern verhandelt, wäre das irgendwie nur folgerichtig...
Mit kopfschüttelnden Grüßen einer Exilschweizerin,
ANDA (Andrea Reichert)












