(openPR) Starke Leistung für jedes Alter,“ lautet die Botschaft eines Aktionsprogramms des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bis Ende 2007 wird mit knapp hundert Millionen Euro die Errichtung von 500 Mehrgenerationenhäusern in Deutschland gefördert – mindestens eines in jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis. Nicht nur in den Metropolen werden familiäre Netzwerke immer kleiner. Viele Menschen haben kaum noch Gelegenheit, mit anderen Generationen in Kontakt zu treten. Geschweige denn, Zuwendung und Unterstützung zu erhalten. Eltern fehlt die Entlastung und Kindern die besondere Erfahrung von Großeltern. Gleichzeitig leben immer mehr alte Menschen isoliert, weil ihre Kinder und Enkel weit weg wohnen. Diese Lücke wollen Mehrgenerationenhäuser künftig schließen, indem sie das Prinzip der Großfamilie in eine moderne Form übertragen. Als Orte der Begegnung, des Austauschs und vor allem auch der gegenseitigen Unterstützung von Jung und Alt. Denn jedes Alter hat viel zu bieten. Die Verwirklichung ihrer Programmziele, nämlich Familien zu entlasten, Kinder und Jugendliche zu fördern und die Potenziale alter Menschen zu aktivieren, lässt sich die Bundesregierung jährlich 40.000 Euro pro Haus kosten. Nach fünf Jahren müssen die Mehrgenerationenhäuser schließlich ohne Fördermittel zurechtkommen.
„Was nützen uns all die schönen Bauten, Plätze und Einrichtungen unserer Stadt, wenn die Leute nicht miteinander reden?“, fragte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer anlässlich der Eröffnung des neuen Mehrgenerationenhauses Rosenheim. Die Eröffnungsfeier hatte am vergangenen Donnerstag mit zahlreichen Gäste im Franz-Pelzl-Haus der Arbeiterwohlfahrt (AWO) stattgefunden. Dieses wurde in den letzten Wochen zum Mehrgenerationenhaus ausgebaut und mit der Auftaktveranstaltung offiziell in das „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgenommen.
Zwar gebe es bereits eine Vielzahl sozialer Einrichtungen in Rosenheim, die zwar hervorragend organisiert, doch meistens nur auf eine Altersgruppe spezialisiert seien, so Bauer. Mit dem Mehrgenerationenhaus sei nun eine Begegnungsmöglichkeit für „ganz junge, junge, mittelalte und ältere Menschen dazu gekommen. Für Frauen und Männer, für Kinder und Familien, für Gesunde und Kranke, für Hilfesuchende, aber auch für Leute, die helfen wollen, für Angehörige aller Nationalitäten und Glaubensgemeinschaften.“ Hierfür dankte die Oberbürgermeisterin der AWO als Träger, namentlich dem Kreisvorsitzenden Herbert Weißenfels, sowie dem Kooperationspartner Kinderschutzbund. Die Tatsache, dass die beiden Sozialverbände den Zuschlag des Familienministeriums erhalten haben, sei keineswegs „eine Selbstverständlichkeit, sondern mit einem enormen Aufwand verbunden gewesen“: angefangen bei der komplizierten Antragstellung bis hin zu umfangreichen Umbaumaßnahmen.
Tatsächlich hatten die Maler erst am Morgen der Eröffnungsfeier den Pinsel aus der Hand gelegt. Wenige Stunden, bevor die etwa 120 Gäste eintrafen, darunter zahlreiche Stadträte, Vertreter von Verbänden und sozialen Organisationen, der Wirtschaft und der Kirchen. Eindringlich schilderte Herbert Weißenfels den Gästen die Entstehungsgeschichte des Mehrgenerationenhauses. Von der ersten Idee, über die konzeptionelle Einbindung der bereits vorhanden Angebote der AWO in das Aktionsprogramm bis hin zur knappen Realisierungsphase nach dessen Zusage am 31. Januar dieses Jahres. So blieben nach Planung und Klärung der Finanzierung nur acht Wochen für die Durchführung aller Abbruch-, Trockenbau- und Maurerarbeiten, für die komplette Elektro- und Sanitärinstallation, den Einbau neuer Türen, neuer Fußbodenbeläge, für Maler und Fließenlegerarbeiten und für die Anfertigung neuer Möbel durch das AWO-Beschäftigungsprojekts ProJu.
Rund 160.000 Euro kostete der Umbau, bei dem ergänzend zum Veranstaltungssaal und einer Kinderkrippe im Erdgeschoss, u. a. ein großer Mehrzweckraum, ein Café mit Küche, neue behindertengerechte Toiletten sowie mehrere Beratungs- und Verwaltungsräume entstanden. Dazu kamen Investitionen für das Mobiliar und die technische Ausstattung. Um so dankbarer äußerte sich Herbert Weißenfels dafür, dass aus dem Städtebauförderungsprogramm Mittel in Höhe etwa der Hälfte der Gesamtkosten in Aussicht gestellt wurden, an denen sich die Stadt Rosenheim, das Land Bayern und der Bund beteiligen. Darüber hinaus will die Bundesstiftung Deutsches Hilfswerk einen Zuschuss leisten. Und schließlich erhält das Mehrgenerationenhaus über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich 40.000 Euro Fördermittel des Bundesfamilienministeriums. Auf diese Weise können eine sozialpädagogische Fachkraft beschäftigt und vielfältige generationenübergreifende Angebote im Haus angestoßen werden.
Trotzdem sei das Haus auf die tatkräftige Unterstützung möglichst vieler Rosenheimerinnen und Rosenheimer angewiesen, so Weißenfels. Auf Freiwillige aller Altersstufen, die einen Teil ihrer Zeit, ihrer Kenntnisse und ihrer Erfahrung einbringen und mithelfen, das Mehrgenerationenhaus mit Leben zu füllen - sei es als „Leih-Oma“ oder -Opa, als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Generationen-Café oder als „Schülerpate“, der Kindern beim Lernen hilft. „Denn erst, wenn viele Menschen mitmachen, Pläne schmieden und gemeinsam umsetzen, wird die Idee des Für- und Miteinanders unter einem Dach verwirklicht,“ so Weißenfels. „Wir wollen ein öffentliches Wohnzimmer für Bürgerinnen und Bürger aller Generationen unseres Stadtteils und der ganzen Stadt Rosenheim sein. Wir wollen zu einem aktiven aktivierenden Zentrum für Jung und Alt werden.“
Eine erste Vorstellung davon bekamen die Festgäste bereits durch das generationenübergreifende Rahmenprogramm der Veranstaltung. Das nämlich gestalteten Kleinkinder der AWO-Krippe mit ihren Eltern, jugendliche Musiker des Karolinengymnasiums und eine Seniorentanzgruppe, die regelmäßig im Haus probt. Abschließend nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, sich in den brandneuen, in freundlichem orange und gelb gehaltenen Räumen des Mehrgenerationenhauses umzusehen und das Generationen-Café einzuweihen.
Was ist los im Mehrgenerationenhaus?
· Generationenübergreifende Angebote
Generationen-Cafe
Zentraler Treffpunkt des Hauses ist das Generationen-Café, wo Menschen aller Alterstufen in ungezwungener Atmosphäre Kontakte knüpfen und sich kennen lernen können. Getränke, Kaffee und Kuchen gibt es zum Selbstkostenpreis. Ein sozialer Mittagstisch für Jung und Alt wird eingerichtet.
Bildung und Information
In den Räumen des Mehrgenerationenhauses finden regelmäßig Veranstaltungen und Kurse für alle Generationen statt. Die Angebote orientieren sich am örtlichen Bedarf.
Soziale Diensten
Das Mehrgenerationenhaus ist auch Anlaufstelle bei vielen Problemen des Alltags. Mit einem umfangreichen Beratungs- und Serviceangebot werden Eltern, Kinder, Jugendliche und Senioren unterstützt. Fachkräfte und geschulte Laien vermitteln bei Bedarf passende Hilfsangebote und Dienstleistungen.
· Angebote für die Kleinsten
Kinderkrippe
Die Kinderkrippe „Kleine Bären“ verfügt über zwei Gruppen für je zwölf Kinder unter drei Jahren. Mindestens zwei Fachkräfte pro Gruppe sorgen für ein differenziertes, vielschichtiges und soziales Lernangebot, das dem Alter, den Bedürfnissen und den Fähigkeiten der Kleinsten angepasst ist.
Spielgruppe
Zwei Vormittage in der Woche öffnet die Spielgruppe „Spatzennest“ ihre Pforten für Kleinkinder ab etwa zweieinhalb Jahren. Zwei pädagogische Fachkräfte bereiten die Kinder in einer kleinen Gruppe - maximal 15 Kinder - sinnvoll und schonend auf die Zeit im Kindergarten vor.
· Angebote für Senioren
Begegnung und Reisen
Neben dem Generationen-Café, wo Senioren stets Gelegenheit haben, mit jungen und ganz jungen Leuten Kontakt zu knüpfen, gibt es im Haus auch spezielle Angebote für die ältere Generation, unter anderem regelmäßige Ausflüge, Wanderungen, Gymnastik-, Bastel- und Tanzgruppen. Ferner Busreisen speziell für Senioren. Die Reisen werden von einem erfahrenen Reiseleiter betreut und sind gezielt auf die Ansprüche älterer Menschen ausgelegt.
· Angebote für ausländische Mitbürger/innen
Migrationserstberatung
Hier wird für ausländische Mitbürger/innen und Spätaussiedler/innen Integrationsbegleitung angeboten. Im Mittelpunkt stehen die Beratung und Betreuung vor, während und nach einem Integrationskurs. Ratsuchende erhalten Information über Kursinhalte und -abläufe bis hin zur Beratung in persönlichen Lebensfragen.
Integrationskurse
Alle Aussiedler und Ausländer, die in Deutschland leben, sind laut Zuwanderungsgesetz von 2005 zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet. Der Kurs ist in einzelne Module aufgeteilt und vermittelt deutsche Sprachkenntnisse sowie Grundlagen unseres Staatswesens und Kenntnisse über die Rechte und Pflichten als Einwohner.
Kurse für Frauen
Dieses Kursangebot richtet sich speziell an ausländische Frauen und Mütter. In offener, ungezwungener Atmosphäre können sich die Teilnehmerinnen mit der deutschen Sprache und der neuen Lebenswelt vertraut machen. Die Kurse nehmen wenig Zeit in Anspruch und können auch von Frauen mit kleinen Kindern besucht werden.
Schülerpatenschaften
Ehrenamtlich engagierte Männer und Frauen übernehmen Patenschaften für einzelne Schülerinnen und Schüler und beschäftigen sich mit ihnen. Sie helfen bei den Hausaufgaben und stehen mit Rat und Tat zur Seite, auch bei Problemen außerhalb der Schule.
· Erholungsangebote für Eltern und Kinder
Mütter- und Mutter-Kind-Kuren
Im Haus werden sowohl Mütterkuren als auch Mutter-Kind-Kuren des Müttergenesungswerks vermittelt. Zur Vorsorge ebenso wie zur Rehabilitation. Interessierte Mütter oder auch Väter werden beim Antragsverfahren und bei der Auswahl der geeigneten Kureinrichtung beraten
Kinderfreizeiten und Sprachreisen
Hier werden Erholungen und Freizeiten für Kinder sowie Reisen und Sprachferien für Jugendliche organisiert und vermittelt.
Kontakt:
Frau Irmgard Wiser, Tel. 08031 – 94 13 73 21








