(openPR) Die neue Episode von INSIDE-BREMEN stellt die Lebensmittelüberwachung des Senats auf den Prüfstand – BÜRGER IN WUT kritisieren fehlende Daten zu Wiederholungstätern und Personalmangel.
Mäusekot unter Küchengeräten, Verunreinigungen, fehlende Desinfektionspläne, nicht dokumentierte Kühltemperaturen oder mangelnder Schutz vor Schädlingen. Was Lebensmittelkontrolleure in Bremer Betrieben feststellen, dürfte Verbrauchern den Appetit gründlich verderben.
Wie konsequent kontrolliert Bremen eigentlich? Und weiß der Senat überhaupt, ob auffällige Betriebe ihre Mängel dauerhaft beseitigen?
Genau diesen Fragen geht die neue Folge des Podcasts INSIDE BREMEN nach. Wir sprachen mit André Minne, dem gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktion BÜRGER IN WUT in der Bremischen Bürgerschaft. Anlass ist eine Kleine Anfrage der Fraktion zur Lebensmittelüberwachung und die inzwischen vorliegende Antwort des Bremer Senats.
Die Zahlen des Senats haben es in sich: 7567 Betriebe unterlagen 2025 der Lebensmittelüberwachung. Tatsächlich kontrolliert wurden 2413, also gerade einmal knapp 32 Prozent. Gleichzeitig registrierte die Lebensmittelüberwachung 22191 Verstöße allein im Bereich der Betriebshygiene. Die Zahl der erfassten Hygieneverstöße ist damit innerhalb von zwei Jahren massiv gestiegen.
Für André Minne ist das mindestens ein politisches Warnsignal: "Wenn gleichzeitig die Zahl der Hygieneverstöße massiv steigt, muss sich der Senat fragen lassen, ob wir die vorhandene Kontrolldichte wirklich so ausreichend ausschöpfen." Dabei betont Minne ausdrücklich, dass ein Betrieb gleichzeitig mehrere Verstöße bei Kontrollen aufweisen kann. So erkläre sich die hohe Zahl der Verstöße. Entscheidend sei deshalb die Frage, was nach einer Beanstandung passiert.
Und genau hier sieht BÜRGER IN WUT eine erhebliche Schwachstelle. Bremen kennt offenbar seine Wiederholungstäter nicht. Die Fraktion wollte vom Senat wissen, wie viele Betriebe trotz vorheriger Beanstandungen erneut auffällig werden. Eine konkrete Antwort konnte der Senat nach Darstellung im Podcast nicht liefern. Als Begründung wird die eingesetzte Fachsoftware genannt, die eine entsprechende statistische Auswertung nicht ermögliche.
Auch bei den 584 Nachkontrollen im Jahr 2025 könne nicht systematisch ausgewertet werden, in wie vielen Fällen die zuvor festgestellten Mängel tatsächlich noch bestanden oder vollständig beseitigt worden waren. Für Minne ist das schwer nachvollziehbar: "Der Staat darf nicht nur Mängel feststellen, er muss auch nachvollziehen können, ob sie dauerhaft verschwinden."
Für eine wirksame Kontrolle reicht es nach Auffassung der BÜRGER IN WUT nicht aus, Beanstandungen und Kontrolltermine zu zählen. Die Behörde müsse erkennen können, welcher Betrieb bereits mehrfach auffällig geworden ist, welche Mängel vorlagen und ob die angeordneten Maßnahmen Wirkung gezeigt haben.
Minne bringt es auf einen einfachen Punkt: "Ohne diese Daten steuert doch jeder Senat im Nebel."
Ein weiterer Kritikpunkt ist die personelle Ausstattung der Lebensmittelüberwachung. Der Senat räumt in seiner Antwort selbst ein, dass Personalengpässe, Vakanzen und Fluktuation zu einer geringeren Kontrolldichte, Verzögerungen bei Nachkontrollen und längeren Bearbeitungszeiten bei Verbraucherbeschwerden führen können. Dabei stieg die Zahl der Beschwerden von Bürgern von 321 im Jahr 2023 auf 440 im Jahr 2025, also ein Anstieg von mehr als 37 Prozent.
Die Zahl der Vollzeitequivalente sein bei den Lebensmittelkontrolleuren zwar erhöht worden, gleichzeitig seien aber in 2026 weiterhin Stellen unbesetzt.
Für BÜRGER IN WUT zeigt sich damit ein strukturelles Problem. Mehr Aufgaben und mehr Beschwerden treffen auf eine Lebensmittelüberwachung, die personell und organisatorisch offenbar noch immer an Grenzen stößt.
"Eine Beschwerde über verdorbene Ware, schlechte Hygiene und gesundheitliche Risiken darf nicht in einer Warteschlange versanden", fordert Minne im Podcast. Gerade bei möglichen Gesundheitsgefahren müsse schnell gehandelt werden.
Vom Ekelbefund bis zur Betriebsschließung
Dass Lebensmittelkontrollen keineswegs nur nach fehlenden Hinweisschildern oder Kleinigkeiten suchen, zeigt die Liste der veröffentlichten schweren Verstöße. Genannt werden unter anderem Verunreinigungen in Betriebsräumen oder an Geräten, fehlende Desinfektionspläne, unzureichende Kühlung, Schädlingsprobleme und mangelhafte Eigenkontrollen. Bei besonders schweren beziehungsweise wiederholten Verstößen werden Fälle öffentlich gemacht und auf Homepage der Lebensmittelüberwachung Bremen veröffentlicht.
Im Podcast werden auch konkrete Fälle angesprochen, bei denen beispielsweise Mäuse beziehungsweise Mäusekot im Bereich von Küchengeräten gefunden worden sein sollen. Solche Fälle zeigen, weshalb die Lebensmittelüberwachung für Verbraucher nicht nur eine Verwaltungsfrage ist.
2025 wurden nach Angaben des Senats 169 Bußgeldverfahren eingeleitet und 14 Betriebe geschlossen. Ob diese Sanktionen tatsächlich ausreichend abschreckend wirken, lässt sich aus Sicht von André Minne allerdings gerade wegen der fehlenden systematischen Daten zu Wiederholungstätern und erfolgreichen Nachkontrollen nur schwer beurteilen.
Dabei geht es BÜRGER IN WUT ausdrücklich nicht darum, die gesamte Gastronomie oder den Lebensmittelhandel unter Generalverdacht zu stellen. Im Gegenteil: Gerade die vielen ordentlich arbeitenden Betriebe hätten ein Interesse daran, dass schwarze Schafe nicht dauerhaft auf Kosten von Verbrauchern und seriösen Wettbewerbern arbeiten.
"Unser Ziel ist es nicht, ehrliche Gastronomen, Bäcker, Händler oder Imbissbetreiber zu gängeln", stellt Minne klar. “Es gehe darum, Verbraucher zu schützen und die vielen korrekt arbeitenden Betriebe vor unfairer Konkurrenz zu bewahren”.
Die neue Folge von INSIDE BREMEN "Dem Ekel auf der Spur“ gibt es überall da, wo es Podcasts gibt.
LINK: https://open.spotify.com/episode/79HT6dbuVSUbFKNLcURPsg?si=ddMASSjnQ6OyTwnC8wMh_w


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