(openPR) Welche Arten profitieren vom Klimawandel, welche geraten unter Druck? Eine neue internationale Studie unter Beteiligung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigt: Evolutionärer Erfolg folgt keinen festen Regeln. Am Beispiel von Korallen konnten die Forschenden nachweisen, dass selbst scheinbar erfolgreiche Lebensstrategien ihren Vorteil verlieren können, wenn sich Umweltbedingungen verändern.
Die Ergebnisse, die jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurden, liefern wichtige Erkenntnisse für das Verständnis heutiger Biodiversitätskrisen und der Folgen des Klimawandels.
„Unsere Analysen zeigen, dass keine Lebensweise dauerhaft überlegen ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling, Paläontologe an der FAU und Koautor der Studie. „Ob Arten erfolgreich sind, hängt entscheidend von den Umweltbedingungen ab. Die Erdgeschichte macht deutlich, wie stark sich die Regeln des Überlebens im Laufe der Zeit verändern können.“
Korallen als Modell für Anpassung und Verwundbarkeit
Im Mittelpunkt der Studie stehen zwei unterschiedliche Gruppen von Korallen. Riffbildende Korallen leben in enger Symbiose mit Algen, die Licht für ihren Stoffwechsel benötigen. Diese Partnerschaft ermöglicht ein schnelles Wachstum und den Aufbau großer Riffe, macht die Tiere aber zugleich abhängig von Licht und stabilen Umweltbedingungen. Die andere Gruppe von Korallen kommt ohne diese Symbiose aus und kann auch in größeren Tiefen leben.
Mithilfe umfangreicher Fossildaten, statistischer Modellierungen und Verfahren der künstlichen Intelligenz rekonstruierten die Forschenden die Entwicklung beider Strategien über rund 500 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die ältesten Korallen, die in der Studie berücksichtig wurden sind 470 Millionen Jahre alt.
Die Erkenntnis: Nicht immer waren die heute dominierenden riffbildenden Korallen die erfolgreicheren Organismen. Über lange Zeiträume hinweg hatten Korallen ohne Algensymbiose Vorteile. Erst mit dem Aufstieg moderner Steinkorallen in der Trias vor ca. 245 Millionen Jahren entwickelte sich die Symbiose zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Symbiose zwischen Korallen und Algen kein grundsätzlich überlegenes Erfolgsmodell ist“, sagt Prof. Wolfgang Kießling, Paläontologe an der FAU und Koautor der Studie. „Ob sie einen Vorteil bietet, hängt entscheidend von den jeweiligen Umweltbedingungen ab. Die Regeln des Überlebens haben sich im Laufe der Erdgeschichte also mehrfach verschoben.“
Bedeutung für den heutigen Klimawandel
Die Studie hilft auch, aktuelle Entwicklungen besser einzuordnen: Symbiotische, lichtabhängige Riffkorallen reagieren besonders empfindlich auf kurzfristige Erwärmung, etwa durch Korallenbleiche. Dagegen sind nicht-symbiotische Arten in tieferen Gewässern weniger anfällig gegenüber solchen Stressfaktoren. Langfristig jedoch sind auch diese Arten von steigenden Temperaturen betroffen und werden ihre Verbreitungsgebiete verändern müssen.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass es keine einheitlichen Strategien zum Schutz von Korallen gibt. Stattdessen müssen unterschiedliche ökologische Eigenschaften und Reaktionen auf Umweltveränderungen berücksichtigt werden.
Internationale Zusammenarbeit
An der Studie waren Forschende aus China, Großbritannien und Deutschland beteiligt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.
Direkt zur Studie:
https://doi.org/10.1073/pnas.2532242123
Bildmaterial zum Download:
https://www.fau.de/2026/06/news/forschung/klimawandel-veraendert-die-regeln-des-ueberlebens/
Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Lehrstuhl für Paläoumwelt
Tel.: 09131/85-26959
wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Lehrstuhl für Paläoumwelt
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Originalpublikation:
https://doi.org/10.1073/pnas.2532242123














