(openPR) Der Ausstellungstipp für Wetzlar
21.4.2026 - 16.5.2026
Die-Fr 13-18 Uhr / Sa 10-14 Uhr
WEIL SIE SCHÖN SIND – über die Gemälde von Johannes Hüppi
Die Arbeit von Johannes Hüppi entzieht sich einer eindeutigen kunsthistorischen Verortung oder -schubladung.
Nach klassischer Manier und ebensolcher Meisterhaftigkeit entstehen in der Regel kleine Tafelbilder, die zum genauen Hinsehen zwingen – und uns dann in ihrer Zeitaktualität und ihren narrativen Inhalten fesseln.
In stiller Intimität begegnen uns dort seine Protagonisten: Akte und anderes nur allzu Menschliches, Tiere und Momente, eingebettet in wundervolle Landschaften oder undefinierbare Raumsituationen, diese immer durchtränkt von Stille.
Es ist Festgehaltenes, das vom Leben fabuliert wurde – angefüllt mit Emotionen, Erotik, Tragik, Glückssekunden und Melancholie. Das Geschehen ist nie eindeutig, immer höchst hüppisubjektiv. Ich, der neugierige Betrachter, bin außen vor und für den Schaffenden beim Tun unrelevant. Das hat der Maler, der aus einer Künstlerfamilie stammt, früh von seinen Eltern gelernt. Es sei denn, er sitzt wieder einmal an einer seiner Auftragsarbeiten – dann wird der Mäzen zum relevanten Betrachter, begrenzt auf die zuvor geäußerten Wünsche und Eckdaten.
Ich weiß viel über Malerei, Hüppi weiß alles: Pinselführung, Symbolik, die Injektion der Farbe mit Emotionalität und Lichtschatten. Und vor allem der Griff in die Trickkiste der Kunstgeschichte. Manchmal fällt er damit direkt mit der Tür ins Haus: Bei den Museumsbildern etwa kopiert er nicht langweilig, Beltracchi-like das Original, sondern studiert das Tun der verehrten Kollegenkoryphäe, verkleinert das Werk und komponiert es geschickt mit seinem Bildkosmos, dem grazile Frauenfiguren innewohnen. Oder halt – sind die Akte vielleicht der musealen Szenerie selbst entsprungen?
Ihrer schlanken Figur nach wird es nicht aus dem rubens’schen „Raub der Sabinerinnen“ sein, vielleicht dann doch eher dem Botticelli im Nebensaal.
Ja, oft sind es Akte, die uns in den Werken Hüppis begegnen – auch sie haben Tradition in der langen Geschichte der Malerei.
Warum malt der Künstler sie so oft und scheinbar liebend gern? Vielleicht, um das Gefühl des verbotenen Voyeurs, das kribbelnde Moment der Erotik, das völlige Gefühl der Freiheit und des „Bei-sich-Seins“ zu evozieren? Oder einfach, weil sie schön sind.
Nie sind sie Objekte der Begierde – ferner, versunken, selbstbewusst und eigenständige, unverletzliche Individuen.
Blicken wir zurück auf Hüppis Kunstgeschichteverliebtsein: Erinnert uns nicht die ein oder andere Komposition und Landschaft manches Mal an ein Sujet von Manet, Thoma oder Wyeth? Voller Wissen und kunsthistorischem Fingerspitzengefühl schafft Hüppi Momente von „seinerzeit und heute“. Diese zeithybriden Bilder liefern Geschichten, Aussagen und Antworten, sind nie eindeutig – reißen dazu immerfort Fragen auf. Die ganze Wahrheit bleibt beim Maler, für mich bleiben Zweifel. Das gefällt mir, ist doch nichts schlimmer als geheimnisgelüftete Bilder.
Im Laufe eines prallerfüllten Künstlerlebens entstehen neben diesen freien Arbeiten immer wieder Themenblöcke wie die „Afrikanerinnen“, „Küssende“, „Kellnerinnen“, „Computerbilder“ oder die bereits zitierten „Museumsbilder“.
Was all diese – neben den zuvor beschriebenen Charakteristika – eint, ist die Tatsache, dass sich der Künstler nie um einen Zeitgeist schert. Autonom realisiert er seine malerische Welt. Vielleicht ist das der Grund, warum das Œuvre des Malers in so vielen musealen Sammlungen eingegangen ist. Oder, wie einer meiner aus diesem Genre stammenden Lieblingsdirektoren, Jean-Christophe Ammann, in einem Text eines Hüppi-Katalogs einmal schrieb: „Ich liebe seine Bilder.“
Mir geht das ähnlich. Das lässt sich sowohl in diesem Text als auch in meiner privaten Kunstsammlung schlecht verbergen.
Vielleicht auch einfach, weil sie schön sind.
Michael M. Marks













