openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Forschende erzeugen chirales antiferromagnetisches Netzwerk

02.12.202514:17 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Forschende erzeugen chirales antiferromagnetisches Netzwerk

(openPR) Der Magnet, mit dem wir unsere Notizen am Kühlschrank befestigen, besteht aus einem ferromagnetischen Material. Auf der mikroskopischen Skala sind in einem solchen Ferromagneten alle „atomaren Stabmagnete“ parallel zueinander ausgerichtet. Ferromagnetische Materialien werden heute in vielen Anwendungen genutzt, vom Kompass und magnetischen Sensoren bis hin zu magnetischen Datenspeichern. Vor fast 100 Jahren entdeckte der französische Forscher Louis Néel, dass in der Natur aber auch viele Materialien vorkommen, in denen die „atomaren Stabmagnete“ auf benachbarten Plätzen im Kristallgitter entgegengesetzt zueinander ausgerichtet sind. Diese bezeichnete er als Antiferromagnete und wurde 1970 u.a. für diese Entdeckung mit dem Nobelpreis in Physik ausgezeichnet. Durch die antiparallele Ausrichtung der Stabmagnete auf der atomaren Skala erzeugen Antiferromagnete im Außenraum kein magnetisches Feld und eignen sich z.B. nicht, um Notizen am Kühlschrank zu befestigen. Da eine antiferromagnetische Ordnung auch schwierig auszulesen ist, hielt man diese Materialien lange Zeit nicht für eine technische Anwendung geeignet.

Jedoch hat sich mittlerweile gezeigt, dass antiferromagnetische Materialien vielversprechende Kandidaten für Anwendungen in der Magnetoelektronik darstellen. In diesem Feld nutzt man elektrische Ströme, um magnetische Eigenschaften von Materialien zu manipulieren und auszulesen. Aufgrund dieses Potentials sind Antiferromagnete in den Fokus der aktuellen Forschung gerückt. Gleichzeitig sind komplexe magnetische Netzwerke interessante Kandidaten für neuartige, unkonventionelle Computer, da sie mehrere unterschiedliche einzigartige Transporteigenschaften aufweisen, darunter starke Wechselwirkungen von Strömen mit drei-dimensionalen magnetischen Strukturen, in denen die atomaren Stabmagnete in alle Raumrichtungen zeigen können.

Das Team aus Forschenden der Universitäten Hamburg und Kiel untersuchte ein Modellsystem für einen Antiferromagneten an einer Grenzfläche: eine nur zwei atomare Lagen dicke Schicht aus Manganatomen, die auf der Oberfläche eines Iridiumkristalls gewachsen wurde. Die Hamburger Forschenden nutzten zur Abbildung der magnetischen Ordnung in diesem Mangan-Film die spin-polarisierte Rastertunnelmikroskopie – eine Mikroskopietechnik, die es erlaubt, magnetische Strukturen bis auf die atomare Skala aufzulösen.

„In den Rastertunnelmikroskopie Bildern tauchte ein komplexes magnetisches Netzwerk aus Domänenwänden zwischen antiferromagnetisch geordneten Bereichen auf. Wir konnten sehen, dass es durch die implantierten Argon-Blasen erzeugt wurde“, erläutert die Projektleiterin Privatdozentin Dr. Kirsten von Bergmann vom Fachbereich Physik der Universität Hamburg: „An den Kreuzungspunkten von drei Domänenwänden haben wir zum einen eine Händigkeit der Struktur gefunden, zum anderen haben wir herausgefunden, dass die „atomaren Stabmagnete“ hier in die Richtungen der Ecken eines Tetraeders zeigen, sie also einen Winkel von ca. 109,47° zueinander haben.“ (siehe Abb.1).

Mittels quantenmechanischen ab-initio Rechnungen, die auf Supercomputern des Verbundes für Nationales Hochleistungsrechnen (NHR) durchgeführt wurden, konnten Forschende der Universität Kiel zeigen, dass es in den Mangan-Schichten aufgrund von magnetischen Austauschkräften zu einer lateralen Verschiebung der obersten Lage kommt. „Dies führt zu einer erheblichen Spannung an Stellen, an denen unterschiedliche Ausrichtungen des magnetischen Zustands aufeinandertreffen und kann die beobachtete Händigkeit an den Kreuzungspunkten erklären,“ wie Professor Dr. Stefan Heinze von der CAU Kiel ausführt. Außerdem konnte von den Kieler Forschenden erklärt werden, wie die drei-dimensionale magnetische Struktur an den Kreuzungspunkten zustande kommt und wie es zu der magnetischen Kopplung zwischen den beiden Lagen kommt (Abb. 2).

Die Bildung von Domänenwandverzweigungen an implantierten Argon-Blasen kann als reziproker Effekt betrachtet werden, bei dem die induzierte lokale Spannung eine bestimmte Ausrichtung der magnetisch bedingten Scherung des magnetischen Films auswählt. Die ab-initio Rechnungen zeigen, dass gleichzeitig die nicht koplanare magnetische Ordnung an den entstehenden Domänenwandkreuzungen topologische Eigenschaften besitzt. Diese Arbeit liefert einen proof-of-principle, der zeigt, wie die enge Beziehung zwischen Struktur und Magnetismus genutzt werden kann, um komplexe antiferromagnetische Netzwerke zu erzeugen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
PD Dr. Kirsten von Bergmann
Universität Hamburg
Fachbereich Physik
Tel.: +49 40 42838-6295
E-Mail: E-Mail

Prof. Dr. Stefan Heinze
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Theoretische Physik und AstrophysikTel.: +49 431-880-4127
E-Mail: E-Mail

Originalpublikation:
Strain-driven domain wall network with chiral junctions in an antiferromagnet,
V. Saxena, M. Gutzeit, A. Rodríguez-Sota, S. Haldar, F. Zahner, R. Wiesendanger, A. Kubetzka, S. Heinze, and K. von Bergmann
Nature Communications 16, 10808 (2025).
https://doi.org/10.1038/s41467-025-66700-0
https://www.nature.com/articles/s41467-025-66700-0

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1297882
 373

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Forschende erzeugen chirales antiferromagnetisches Netzwerk“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer ErholungBild: Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer Erholung
Frühjahrsprognose: Energiepreise nagen in Deutschland an mühsamer Erholung
Die Inflation zieht im Zuge steigernder Energiepreise im laufenden Jahr auf eine Rate von 2,5 Prozent an. Aber auch der Kerninflationsdruck bleibt im gesamten Prognosezeitraum deutlich über der 2-Prozentmarke. Die aktuelle geopolitische Lage schürt erhebliche Unsicherheit bei den Unternehmen. „Durch den militärischen Konflikt im Iran droht der deutschen Wirtschaft Gegenwind“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Es bleibe zu hoffen, dass die Rohstoffpreisanstiege – entsprechend den Markterwartungen seit Beginn des Konflikts …
Bild: Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige EnergiespeicherBild: Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige Energiespeicher
Innovative Batteriematerialien für sichere und nachhaltige Energiespeicher
Materialien entscheiden über Leistung und Sicherheit Ob Elektrofahrzeug, stationärer Energiespeicher oder tragbare Elektronik – Energiedichte, Schnellladefähigkeit, Lebensdauer und Sicherheit einer Batterie werden wesentlich durch ihre Materialien bestimmt. Forschende des Fraunhofer IAP im Potsdam Science Park entwickeln maßgeschneiderte neue Batteriematerialien und bündeln ihre Kompetenzen in der Polymerchemie, der Membran- und Separatorprozessierung, der Entwicklung von biobasierten und maßgeschneiderten Carbonmaterialien, der Katalysatorh…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Unterstützung für gefährdete Forschende: Philipp Schwartz Forum in BerlinBild: Unterstützung für gefährdete Forschende: Philipp Schwartz Forum in Berlin
Unterstützung für gefährdete Forschende: Philipp Schwartz Forum in Berlin
Wo der Raum für akademische Freiheit, Zivilgesellschaft und Demokratie schrumpft, geraten Forschende mit als Erste unter Druck. Wissenschaftler*innen, die in ihren Herkunftsländern erheblicher und anhaltender persönlicher Gefährdung ausgesetzt sind, können ihre Arbeit mit Hilfe eines Stipendiums der Philipp Schwartz-Initiative der Humboldt-Stiftung in …
Bild: Offenes Wissen für alleBild: Offenes Wissen für alle
Offenes Wissen für alle
… und ohne finanzielle Hürden verfügbar sein. Genau hier setzt das Projekt SeDOA an: Die Servicestelle wird als zentrale Plattform fungieren, um Forschenden, Herausgeber*innen und Institutionen den Zugang zu einer nachhaltigen, wissenschaftsgetragenen Publikationskultur zu erleichtern. Ziel ist es, bestehende dezentrale Open-Access-Dienste besser zu vernetzen …
Neue Initiative als Chance für geflüchtete Wissenschaftler
Neue Initiative als Chance für geflüchtete Wissenschaftler
… in Europa – auch an der Universität Bielefeld – Zuflucht. An diesen Orten können sie ihre wissenschaftliche Arbeit fortführen. Für geflüchtete und gefährdete Forschende will das nun bewilligte Projekt BRiDGE (Bridge for Researchers in Danger Going to Europe) Brücken bauen. --- Die Initiative unterstützt 220 gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, …
„Free to think 2017“: Bericht analysiert weltweite Gefährdung von Forschenden
„Free to think 2017“: Bericht analysiert weltweite Gefährdung von Forschenden
Einschränkungen, Repressionen oder gewaltsame Angriffe: Forschende weltweit sind bei der Ausübung von Wissenschaft gefährdet. Das zeigt der neue Bericht „Free to think 2017“ des internationalen Netzwerks „Scholars at Risk“ (SAR). Die Organisation setzt sich weltweit für den Schutz von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Die Universität Hamburg …
Bild: Mehr als 100 Forschende beteiligen sich aus Hamburg am WCRP Global Km-Scale HackathonBild: Mehr als 100 Forschende beteiligen sich aus Hamburg am WCRP Global Km-Scale Hackathon
Mehr als 100 Forschende beteiligen sich aus Hamburg am WCRP Global Km-Scale Hackathon
… Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ), mit freundlicher Genehmigung.Modelle mit Kilometerauflösung (horizontale Auflösung < 10 km) verändern die Art und Weise, wie Forschende das Erdsystem simulieren, entscheidend. Modelle auf der Kilometerskala erfassen erstmals explizit wichtige Phänomene wie Feuchtkonvektion, topografische Effekte und Wechselwirkungen …
Bild: PlantEurope Netzwerk gestartetBild: PlantEurope Netzwerk gestartet
PlantEurope Netzwerk gestartet
… zu vernetzen und die Ernährungsumstellung hin zu einer vorwiegend pflanzenbasierten Ernährung zu beschleunigen.Akteur*innen wie Start-Ups, Vereine, Verbände, Forschende, Leuchtturminitiativen sowie Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung können sich in drei Online-Veranstaltungen vertiefend mit unterschiedlichen Aspekten der pflanzenbasierten Ernährung …
Bild: Starkes Netzwerk für freie Gesellschaften: Bundespräsident Steinmeier bei Jahrestagung der Humboldt-StiftungBild: Starkes Netzwerk für freie Gesellschaften: Bundespräsident Steinmeier bei Jahrestagung der Humboldt-Stiftung
Starkes Netzwerk für freie Gesellschaften: Bundespräsident Steinmeier bei Jahrestagung der Humboldt-Stiftung
… zusammen, die derzeit an einer deutschen Universität zu Gast sind, und ermöglichte ihnen und ihren begleitenden Familien persönliche Begegnungen im Humboldt-Netzwerk. 450 Forschende aus 60 Nationen trafen sich, um über Wissenschaft zu diskutieren, Erfahrungen aus Deutschland und ihren Heimatländern auszutauschen und neue Perspektiven zu gewinnen.Empfang …
Bild: Humboldt-Stipendiatin kommt aus den USA nach Mannheim: Menschenrechte, politische Gewalt und Privatsphäre im FokusBild: Humboldt-Stipendiatin kommt aus den USA nach Mannheim: Menschenrechte, politische Gewalt und Privatsphäre im Fokus
Humboldt-Stipendiatin kommt aus den USA nach Mannheim: Menschenrechte, politische Gewalt und Privatsphäre im Fokus
… ausbauen, um andere zu unterstützen. Ich war bereits mehrfach in Deutschland und habe mir schon lange gewünscht, hier zu leben.“„Das Humboldt-Stipendium ermöglicht es mir, exzellente Forschende aus dem Ausland zu rekrutieren“, sagt Lehrstuhlinhaberin Carey. „Mein Ziel ist es, die Forschung und den Austausch im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung zu …
Arbeitsgruppe des European Marine Board empfiehlt einheitliche Standards für marine Verfahren zur CO2-Entnahme
Arbeitsgruppe des European Marine Board empfiehlt einheitliche Standards für marine Verfahren zur CO2-Entnahme
… Board (EMB Future Science Brief No.13: Monitoring, Reporting and Verification for marine Carbon Dioxide Removal), das heute in Brüssel vorgestellt wird. 13 Forschende haben dazu in einer internationalen Arbeitsgruppe die neuesten Erkenntnisse zusammengetragen. Unter ihnen war auch Prof. Dr. Andreas Oschlies, Leiter der Forschungseinheit Biogeochemische …
Sie lesen gerade: Forschende erzeugen chirales antiferromagnetisches Netzwerk