openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Brückenbauer zwischen Starkfeldphysik und Quantenoptik

21.11.202513:58 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Einen wichtigen Beitrag zur Untersuchung der grundlegenden Verbindungen von Starkfeldphysik und Quantenoptik hat eine Arbeitsgruppe der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) geleistet: Die Forschenden haben erstmals untersucht, wie sich Elektronen, die von metallischen Nadelspitzen mithilfe von Licht emittiert werden, in starkem Quantenlicht verhalten. Ihre Studie wurde nun in der Fachzeitschrift „Nature Physics“ veröffentlicht.

Die beiden physikalischen Forschungsfelder der Starkfeldphysik und der Quantenoptik galten lange als unabhängige Themengebiete ohne nennenswerte Überschneidungen. Während sich die Starkfeldphysik mit dem Verhalten von Materie, wie z.B. atomaren Gasen, in intensiven Lichtfeldern beschäftigt, konzentriert sich die Quantenoptik auf die Erforschung besonderer Quanteneigenschaften von Licht, die im Rahmen der klassischen Physik nicht beschreibbar sind. Für die Starkfeldphysik benötigt man intensive Laserstrahlen, das heißt Strahlen mit unzählig vielen Photonen, während die Quantenoptik die Physik weniger Photonen behandelt. In den letzten Jahren sind sich die beiden Gebiete nähergekommen, so dass sich gerade das Gebiet der Starkfeld-Quantenoptik etabliert. Eine Gruppe von Physikerinnen und Physikern der FAU und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts unter Leitung von Prof. Dr. Peter Hommelhoff und Prof. Dr. Maria Chekhova hat nun einen wichtigen experimentellen Beitrag zur Weiterentwicklung dieses Feldes geleistet.

Die besonderen Eigenschaften von Quantenlicht

Licht kann in besonderen Formen auftreten, die so exotisch sind, dass sie reines Quantenlicht darstellen. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte gequetschte Vakuum. Dieser Lichtzustand, der sich im Labor in optischen Kristallen erzeugen lässt, hat verschiedene Eigenschaften, die sich von denen normalen Lichts unterscheiden. So ist insbesondere das mittlere elektrische Feld zu jedem Zeitpunkt gleich Null. Trotzdem weist das Licht große Schwankungen im elektrischen Feld auf.

Quantenlichtzustände wie gequetschtes Licht sind typischerweise sehr schwach, oft bestehen sie nur aus wenigen Photonen. Die Erzeugung von stärkerem bzw. sogar extrem intensivem Quantenlicht war lange Zeit experimentell nicht möglich. Die Gruppe von Maria Chekhova, die an der FAU eine Professur für Optik hält und am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts eine Forschungsgruppe leitet, forscht seit langer Zeit an der Erzeugung solcher intensiver Quantenlichtzustände und hat in den letzten Jahren Methoden entwickelt, um ein intensives gequetschtes Vakuum herzustellen.

Starkfeldphysik mit intensivem Quantenlicht

Die Gruppe von Peter Hommelhoff, der an der FAU den Lehrstuhl für Laserphysik leitet, erforscht seit langem die Wechselwirkung von intensiven Lichtfeldern mit Materie. An Hommelhoffs Lehrstuhl werden mithilfe ultrakurzer Lichtpulse Elektronen aus extrem scharfen Metallspitzen ausgelöst. Diese Elektronen werden dann durch das optische elektrische Feld an der Oberfläche der Metallspitzen beschleunigt. Werden die Elektronen dabei zurück zur Spitze getrieben, können sie dort elastisch zurückgestoßen werden und zusätzliche kinetische Energie vom Lichtfeld erhalten. Schließlich wird die Verteilung der kinetischen Energien der Elektronen gemessen; typischerweise kann im Elektronenspektrum dann ein Plateau beobachtet werden. Dies ist eine Region im Spektrum, in der die Zählrate der Elektronen über einen gewissen spektralen Bereich konstant bleibt, während ansonsten ein deutlicher Abfall der Zählrate mit zunehmender kinetischer Energie gemessen wird. Die Ursache hierfür ist die oben beschriebene Rückstreuung der Elektronen. Solch ein Plateau im Spektrum ist damit das entscheidende Merkmal der Starkfeldphysik.

Starkfeldexperimente wurden in der Vergangenheit praktisch ausschließlich mit intensivem Laserlicht durchgeführt – unter anderem aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit anderer Formen von intensivem Licht. Die Kollaboration zwischen den beiden Forschungsgruppen von Professor Hommelhoff und Professorin Chekhova ermöglichte es nun, neue Wege zu beschreiten. Verschiedene Fragen stellten sich den Forschenden: Können Starkfeldprozesse an metallischen Nadelspitzen auch mit Quantenlicht getrieben werden, insbesondere mit hellem gequetschtem Vakuum, dessen mittleres elektrisches Feld gleich Null ist? Wie unterscheiden sich die Elektronenspektren von jenen, bei denen Laserlicht verwendet wird?

Hochenergetische Elektronen und ein verstecktes Plateau

Diese Fragen beantworten die Forschenden nun in einem jüngst in der Fachzeitschrift „Nature Physics“ veröffentlichten Artikel. Experimentell beobachten sie, dass im Vergleich zu klassischem Laserlicht deutlich höhere Elektronenenergien erreicht werden, wenn sie die Starkfeldprozesse mit dem intensiven Vakuum-Licht treiben. Allerdings beobachten sie zunächst kein Plateau im Energiespektrum der Elektronen. Erst wenn sie die Spektren mit der Anzahl der Photonen im jeweiligen Lichtpuls vergleichen, können sie das wohlbekannte Plateau – das Merkmal der Starkfeldphysik – rekonstruieren. Es versteckt sich sozusagen im Quantenlicht-getriebenen Elektronenspektrum.

Bemerkenswert an dem Experiment ist unter anderem auch, dass die oben beschriebenen Starkfeld-Phänomene nun erstmals für einen Lichtzustand beobachtet wurden, dessen mittleres elektrisches Feld gleich Null ist – ein klassisch nicht vorstellbares Verhalten, das die besonderen Eigenschaften des Quantenlichts zeigt.

Der gesamte Beitrag mitsamt Bildmaterial ist auf unserer Webseite verfügbar:
https://www.fau.de/2025/11/news/brueckenbauer-zwischen-starkfeldphysik-und-quantenoptik/

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Peter Hommelhoff
Tel.: 09131/85-27089
E-Mail

Prof. Dr. Maria Chekhova
Tel.: 09131/7133-611
E-Mail

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Hommelhoff
Tel.: 09131/85-27089
E-Mail

Prof. Dr. Maria Chekhova
Tel.: 09131/7133-611
E-Mail

Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41567-025-03087-1

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1297034
 319

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Brückenbauer zwischen Starkfeldphysik und Quantenoptik“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von idw - Informationsdienst Wissenschaft

Bild: Wenn Sicherheit zum Unsicherheitsfaktor wird
Wenn Sicherheit zum Unsicherheitsfaktor wird
URL-Scanner-Dienste wie URLScan, VirusTotal oder Cloudflare Radar analysieren Webseiten automatisch auf verdächtige Inhalte. „Sie prüfen beispielsweise Netzwerkanfragen, die Reputation der Seiten oder eingebettete Skripte und helfen so Unternehmen und Privatpersonen, schädliche Webseiten frühzeitig zu erkennen“, erklärt Ali Mustafa. Viele Unternehmen nutzen laut dem CISPA-Forscher solche Dienste inzwischen als festen Bestandteil ihrer Sicherheitsmaßnahmen. So prüfen sie zum Beispiel automatisch Links in eingehenden E-Mails der Mitarbeitenden.…
Bild: «Waldbrände können Bäume zusätzlich stressen.»Bild: «Waldbrände können Bäume zusätzlich stressen.»
«Waldbrände können Bäume zusätzlich stressen.»
Frau Bottero, entziehen die Waldbrände den Borkenkäfern die Lebensgrundlage? Nicht unbedingt. In den stark verbrannten Flächen finden Buchdrucker zwar meist keine geeigneten Brutbäume mehr. An den Rändern der Brandflächen kann die Situation jedoch anders aussehen. Dort überleben oft Fichten, die durch Hitze, Trockenheit, Wurzelschäden geschwächt wurden. Solche Bäume sind anfälliger für einen Befall und können geeignetes Brutmaterial für den Buchdrucker bieten. Ob sich daraus tatsächlich ein Ausbruch entwickelt, ist jedoch keineswegs sicher. …

Das könnte Sie auch interessieren:

Unimagazin befasst sich mit „Optischen Technologien“
Unimagazin befasst sich mit „Optischen Technologien“
… im Trinkwasser, die Untersuchung von Leberflecken oder das Drucken von Nanopartikeln und lebenden Zellen mit Lasern. Die Beiträge: Uwe Morgner Institut für Quantenoptik der Leibniz Universität Hannover Ultraschnelle Vorgänge in der Mikrowelt Die Lasermessung als Schlüssel zum Verstehen 10 Jahre Hannoversches Zentrum für Optische Technologien HOT Maik …
Bild: Jordi Tura erhält „Thesis Prize“ der Universitat Politècnica de CatalunyaBild: Jordi Tura erhält „Thesis Prize“ der Universitat Politècnica de Catalunya
Jordi Tura erhält „Thesis Prize“ der Universitat Politècnica de Catalunya
Dr. Jordi Tura i Brugués, ein junger Wissenschaftler in der Abteilung Theorie von Prof. Ignacio Cirac am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München), hat von der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) den „Thesis Prize“ erhalten. --- Die Polytechnische Universität Kataloniens verleiht diese Preise jedes Jahr für die besten Doktorarbeiten …
Bild: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in FestkörpernBild: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern
Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern
Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse …
Bild: Innovationszentrum für Quantenoptik und Sensorik entsteht in Jena und Ilmenau
Innovationszentrum für Quantenoptik und Sensorik entsteht in Jena und Ilmenau
… drei Millionen Euro an die Universitäten Jena und Ilmenau --- [Gemeinsame Pressemitteilung aller beteiligten Institutionen] In Thüringen entsteht ein neues Innovationszentrum für Quantenoptik und Sensorik (InQuoSens). Dazu übergab Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee heute (26.10.) zwei Förderbescheide über jeweils 1,5 Millionen Euro aus …
Bild: Quantenmagnete mit LöchernBild: Quantenmagnete mit Löchern
Quantenmagnete mit Löchern
… oder nur verdeckt ist, nicht beantworten. Ein Forscherteam um Dr. Christian Groß aus der Abteilung Quanten-Vielteilchensysteme (Direktor Prof. Immanuel Bloch) am Max-Planck-Institut für Quantenoptik hat jetzt gezeigt, dass die magnetische Ordnung in eindimensionalen Quantenmagneten erhalten bleibt, auch wenn sie mit Löchern dotiert sind, und damit einen …
Bild: Peter Zoller erhält Lamb-Award
Peter Zoller erhält Lamb-Award
… die Mitentdeckung der Gravitationswellen den Nobelpreis für Physik entgegennehmen konnte. Peter Zoller wird für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quanteninformation ausgezeichnet. Zur Person Peter Zoller gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Quantenoptik. Mit seinen bahnbrechenden Entdeckungen …
Bild: Dr. Alejandro González Tudela erhält den NJP Early Career AwardBild: Dr. Alejandro González Tudela erhält den NJP Early Career Award
Dr. Alejandro González Tudela erhält den NJP Early Career Award
… Institute of Physics (IOP) haben Dr. Alejandro González-Tudela, einem jungen Wissenschaftler in der Abteilung Theorie von Prof. Ignacio Cirac am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, den „Early Career Award 2017“ verliehen. --- Das Preiskomitee wählte ihn aus 33 Kandidaten aus auf der Grundlage der Vielfalt seiner Forschungsthemen, seiner beeindruckenden …
Bild: Prof. Ignacio Cirac wird mit der Max-Planck-Medaille der DPG ausgezeichnetBild: Prof. Ignacio Cirac wird mit der Max-Planck-Medaille der DPG ausgezeichnet
Prof. Ignacio Cirac wird mit der Max-Planck-Medaille der DPG ausgezeichnet
… wird einmal jährlich an einen Wissenschaftler vergeben, der gewissermaßen auf den Spuren Max Plancks wandelt. --- Prof Ignacio Cirac, Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und Leiter der Abteilung Theorie, erhält den Preis für seine grundlegenden Beiträge zur Quanteninformation und Quantenoptik. Seine Forschungsarbeiten reichen von theoretisch-mathematischen …
Bild: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale TeleportationBild: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation
Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite Teleportation von Quanteninformation ermöglichen. --- Bei der Erforschung von Quantenspeichern zur Realisierung globaler Quantennetzwerke ist Forschern der Abteilung Quantendynamik von Prof. Gerhard …
Sie lesen gerade: Brückenbauer zwischen Starkfeldphysik und Quantenoptik