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Bildung in Bewegung | Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Raphaela Porsch | „Quo vadis Lehrer*innenbildung in Deutschland?

11.04.202511:59 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Antrittsvorlesungen gehören zu den guten Traditionen, welche auch an der Universität Vechta gepflegt werden würden, beschreibt es Prof.in Dr.in Corinna Onnen. Mit ihrem Fachgebiet hätte Porsch eine der Schlüsselrollen an der Hochschule inne. Eines der zentralen Standbeine der Uni sei schließlich die Lehrkräftebildung, so die Vizepräsidentin für Forschung, Nachwuchsförderung und Transfer. Dem schloss sich der Studiendekan der Fakultät II, Prof. Dr. Marco Rieckmann, an. Porsch sei dafür eine exzellente Wahl. Sie „hat, wie ich finde, einen beeindruckenden Lebenslauf“, welcher es ihr erlaube, die zentralen Fragen nicht nur aus der Sicht der Forschung, sondern auch aus der Sicht der Praxis anzugehen.

Die Lehrkräftebildung in Deutschland sei etwas Besonderes, erläutert Porsch einleitend. So gebe es hier nicht nur ein dreiphasiges Modell – bestehend aus Studium, dem schulpraktischen Vorbereitungsdienst sowie einer lebenslangen Fort- und Weiterbildung –, sondern auch in jedem Bundesland Eigenheiten. Bildung liege schließlich zu einem großen Teil in der Hand der Länder. Allein schon der Abschluss des Studiums könne dies verdeutlichen: In sieben Bundesländern wird mit dem Studienabschluss ein Staatsexamen vergeben, in elf Bundesländern werden Bachelor-/Masterstudiengänge angeboten, wobei innerhalb von zwei Bundesländern beide Optionen möglich sind. Auch gebe es verschiedene Lehramtstypen: Dazu zählt das Lehramt für die Primarstufe (Grundschule), die Sekundarstufe I (alle Schulen bis Klasse 10), die Sekundarstufe II (alle Schulen ab Klasse 10) – die wiederum in allgemeinbildend und berufsbegleitend eingeteilt ist – und die Sonderpädagogik. In sechs Bundesländern käme jetzt auch das Stufenlehramt hinzu. Statt nach diversen Schularten voneinander getrennt, werden dabei die angehenden Lehrkräfte für die Sekundarstufe I und II bzw. entsprechende Schulformen ausgebildet. Im Zuge der Bemühungen um die Gewinnung von Lehrkräften wurden alternative Programme zur Qualifizierung entwickelt. Dazu zählen auch der Quereinstieg – wenn die Lehrkraft also ein Fachstudium abgeschlossen hat und mit dem Referendariat beginnt – und der Seiteneinstieg: Hier überspringen die Lehrkräfte nicht nur das Lehramtsstudium, sondern auch das Referendariat. Berufsbegleitend finden zu ihrer Unterstützung entsprechende Programme statt. Bildung sei immer in Bewegung, so gelte es auch die Lehrkräftebildung immer wieder zu bewerten und entsprechend anzupassen, so Porsch.

Die Professorin analysiert die Potentiale und Bedenken von grundständigem Lehramt, dem Stufenlehramt, des Ein-Fach-Lehramts, Programme im Seiteneinstieg und ergänzend des Dualen Lehramtsstudiums (siehe unten), um dann auf die Perspektiven der Lehrer*innenbildung zu sprechen zu kommen: Durch eine Fortführung des Status quo könne es dazu kommen, dass die Heterogenität von Programmen weiter zunehme, so Porsch. Für fast alle davon würden derzeit Befunde aus Evaluationen fehlen und sich somit viele Fragen ergeben. Unter anderem: Inwieweit werden ausreichend professionelle Handlungskompetenzen in den jeweiligen Programmen erworben? Welche Merkmale benötigen diese, um die Anforderungen der verschiedenen Gruppen zu genügen? Und braucht es ein Stufenlehramt oder eine schultypenbezogene Lehramtsausbildung? Durch die Fortführung der verschiedenen Wege in der Lehrkräftebildung sei eine Transparenz für am Beruf Interessierte kaum möglich. Auch die Herausforderungen in der Mobilität zwischen den Bundesländern würde weiter bestehen oder sich gar verstärken.

Und was könnte passieren, wenn das bestehende Angebot etwas modifiziert wird? Dabei müssten die Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte nicht aufgegeben werden, erläutert Porsch. Seiteneinstiegsprogramme müssten aber beispielsweise in der aktuellen Form eingestellt werden, da die Nachteile überwiegen; der Quereinstieg würde somit über ein Fachmasterstudium und einem (eventuell verkürztem) Referendariat empfehlenswert sein. Evaluationen müssten aber konsequent für alle Programme implementiert werden. Außerdem schlägt Porsch eine Fort- und Weiterbildung mit einer verpflichteten Mindestumfang in allen Bundesländern vor.

Schließlich könne auch über die Perspektive einer vollständigen Transformation nachgedacht werden. Dafür müsste es eine Abstimmung der Bundesländer über gemeinsame Basiskultur von Programmen in der Lehrer*innenbildung geben. Folgende Grundfragen sollten laut Porsch geklärt werden: Welche Art von Lehrkräftebildung sollte es grundlegenden geben? Auf welchem Verständnis des Berufs und seiner notwenigen Kompetenzen basiert diese? Und sollen Lehrkräfte als Spezialisten oder Generalisten ausgebildet werden? Angesichts von Fachlehrerkräftemangel und Klassenlehrerprinzip ist fachfremdes Unterrichten aktuell an fast allen Schulen verbreitet, was dazu führt, dass es keine Passung von Ausbildung und Praxis gebe. Sicher sei, dass Bildung in Bewegung bleibe, erläutert Porsch, sodass eine breite Diskussion über die bestehenden Modelle in der Lehrer*innenbildung angesichts fortschreitender gesellschaftlicher Entwicklungen unumgänglich sei.

Interesse am Nachlesen des Vortrags?
Porsch (im Erscheinen). Quo vadis Lehrer*innenbildung in Deutschland? Aktuelle Modelle und ihre Perspektiven. Das Hochschulwesen (HSW), 73(1), 17-24.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.uni-vechta.de/erziehungswissenschaften/team/porsch-raphaela

Originalpublikation:
Porsch (im Erscheinen). Quo vadis Lehrer*innenbildung in Deutschland? Aktuelle Modelle und ihre Perspektiven. Das Hochschulwesen (HSW), 73(1), 17-24.

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