(openPR) In vielfältiger Hinsicht begibt sich die Oper Leipzig in der Spielzeit 2007/08 auf Entdeckungsreise: Nach der zehnmonatigen Sanierungsphase wird das Opernhaus am 11. November mit einem musikalischen Entdeckerfest, am 16. November mit der Premiere von Wagners „Rienzi“ eröffnet. Trotz der noch verkürzten Spielzeit bietet die Oper Leipzig insgesamt 17 Neuproduktionen an, davon 5 in der Oper, 4 im Leipziger Ballett, 6 in der Musikalischen Komödie und 2 im Kellertheater.
Eine Zeitreise ins mittelalterliche Rom unternimmt die Oper Leipzig am 16. November 2007 mit ihrer Eröffnungspremiere von Wagners „Rienzi“ (Musikalische Leitung: Axel Kober, Regie: Nicolas Joel), die nicht nur Aufstieg und Fall eines Helden, sondern auch die Überwindung der Gattung Grand Opéra markiert.
Anachronismen in Politik und Kultur, zugleich gesellschaftliche Fanale – das verbindet den „Rienzi“ mit der zweiten Opernpremiere der Saison am 25. Januar 2008, Mozarts „La clemenza di Tito“ (Musikalische Leitung: Christopher Hogwood, Inszenierung: Francisco Negrin). Eine Oper über die Gratwanderung zwischen Bösartigkeit, Einsamkeit und Egoismus auf der einen, Gerechtigkeit, Güte und Nachsicht auf der anderen Seite. Die Neuinszenierung entstand in Koproduktion mit dem Teatro del Liceu Barcelona.
Fortschrittlich, musikalisch-visionär war Arnold Schönberg, im wahrsten Sinne des Wortes ein Wegbereiter der Moderne. Unter dem Titel „Moderne Menschen – eine Schönberg-Trilogie“ kombiniert die Oper Leipzig seine drei Einakter „Erwartung“, „Die glückliche Hand“ und „Von heute auf morgen“, die – teils ernst, teils heiter – die existentiellen Probleme von Individuum und Gesellschaft thematisieren und die in dieser Kombination nur äußerst selten zu sehen sind. Inszeniert wird der Abend, der am 5. April 2008 Premiere hat, von drei jungen, aber bereits sehr erfahrenen RegisseurInnen: Sandra Leupold („Erwartung“), Carlos Wagner („Die glückliche Hand“) und Immo Karaman („Von heute auf morgen“). Für die Rolle der Frau in dem Einakter „Erwartung“ konnte die amerikanische Sopranistin Deborah Polaski gewonnen werden, die an der Oper Leipzig in dieser Partie debütieren wird. Die musikalische Leitung hat Axel Kober.
Ebenfalls eine echte Entdeckung wird anlässlich des 150. Geburtstages von Giacomo Puccini die Neuinszenierung seiner Oper „Manon Lescaut“ am 9. Mai 2008 – Riccardo Chailly wird sie in der in der Urfassung des Turiner Teatro Regio von 1893, die im Ricordi-Verlag Mailand in einer quellenkritischen Edition erscheint, weltweit erstmalig hier in Leipzig dirigieren und zur Diskussion stellen. Inszeniert wird die „Ur-Manon“ von Giancarlo del Monaco, der hier erstmals wieder nach seiner Inszenierung von Verdis „Il Trovatore“ 1990 an der Oper Leipzig arbeiten wird. Alle Wege führen ins Leipziger Opernhaus – auch die der Vertreter der wichtigsten europäischen Nationen in der Neuproduktion von Rossinis „Il viaggio a Reims“ (Premiere am 20. Juni 2008), inszeniert von Alain Maratrat und in der musikalischen Einstudierung von Lawrence Forster. Das einzige Problem dieses vergnüglichen europäischen Gipfeltreffens – in Reims wird man nie ankommen! Umso näher kommen die Protagonisten in Alain Maratrats Inszenierung dem Leipziger Publikum…
Eine Reise durch Sachsen und Leipzig unternimmt das Leipziger Ballett unter seinem Ballettdirektor Paul Chalmer mit der Neuproduktion von Peter Tschaikowskis „Der Nussknacker“ am 1. Dezember 2007. Ballettdirektor Paul Chalmer choreographiert selbst diesen Märchen-Klassiker, der mit sächsisch-leipziger Lokalkolorit nicht geizen wird: vom Erzgebirgsspielzeug über die Völkerschlacht und die Buchmesse bis zum Weihnachtsmarkt. So werden garantiert nicht nur Kinderaugen glücklich glänzen. Die musikalische Leitung hat der finnische Dirigent Vello Pähn. In memoriam Uwe Scholz gedenkt das Leipziger Ballett auch ab dem 13. Januar 2008 wieder seinem berühmten, 2004 verstorbenen Ballettdirektor und Choreographen mit einer Gala. Im Mittelpunkt der „Für Uwe Scholz 2008“-Gala stehen dieses Mal seine Choreographien zur Musik Rachmaninows. Der Bewegung in Bachs Musik spürt das Leipziger Ballett in dem Ballettabend „Bach tanzt!“ nach. Anlässlich des Bachfestes 2008 präsentiert es am 19. April 2008 berühmte Bach-Choreographien von George Balanchine („Concerto barocco“), Wayne McGregor („2 Human“), Jerome Robbins („A Suite of Dances“) und Uwe Scholz („AIR!“), die häufig genug die Grenzen der Konvention sprengten und damit die Modernität der Musik Bachs belegten.
Während die Oper sich Arnold Schönberg als großer Musikpersönlichkeit des beginnenden 20. Jahrhunderts widmet, beschäftigt sich das Leipziger Ballett mit der der zweiten führenden Komponistenpersönlichkeit derselben Zeit – Igor Strawinsky. Ihm gilt eine mit dieser Saison anfangenden Reihe seiner Werke und der tänzerischen Ausformulierung seiner Musik in wichtigen Choreographien. Das „Strawinsky-Projekt“ 2008, das am 31. Mai 2008 Premiere feiert, enthält Choreographien von George Balanchine („Agon“), Michail Fokin („Petruschka“)und Mauro Bigonzetti („Les Noces“). Die musikalische Leitung hat Axel Kober.
Neue Sichtlinien wird es nach der Sanierung nicht nur im Zuschauerraum und im Eingangsfoyer geben, sondern auch im künstlerischen Programm. So eröffnet die Musikalische Komödie die Saison am 29. September mit der Premiere von Grétrys „Die beiden Geizigen“ („Les deux avares“), einer französischen opéra-comique, die 1770 in Paris uraufgeführt worden ist. Die musikalische Leitung hat Wolfgang Ehrhardt, es inszeniert Igor Folwill.
Nach der Premiere von Grétrys „Die beiden Geizigen“ führt der Weg weiter zu der ersten Premiere im Venussaal der Musikalischen Komödie. Zu entdecken gibt es hier „Die Sternstunde des Josef Bieder“ am 13. Oktober 2007. Die Reise durch das Land der heiteren Genres geht mit drei Klassikern weiter: Zunächst mit Karl Millöckers „Bettelstudent“ unter der musikalischen Leitungen des neuen Chefdirigenten der Musikalischen Komödie, Stefan Diederich, und in der Inszenierung von Christian Fuchs. Die Premiere ist am 24. November 2007. Anschließend mit dem Musical „Hello Dolly!“, das am 15. März 2008 Premiere hat, wiederum dirigiert von Stefan Diederich, inszeniert von Kay Link. Und schließlich mit der Neuinszenierung von „Die schöne Helena“, mit der die Musikalische Komödie die Reihe der Operetten von Jacques Offenbach weiterführt (Premiere am 26. April 2008). Es dirigiert Roland Seiffarth, Regie führt Dominik Wilgenbus. Unter dem Titel „Alles im Wunderland“ möchte die Musikalische Komödie vor allem Familien für Musiktheater begeistern. Maurice Ravels „Das Kind und die Zaubereien“ und der berühmte „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns wird inszeniert von Philip J. Neumann bzw. von Mirko Mahr choreographiert. Stefan Diederich dirigiert diese Produktion für junge Leute. Premiere ist am 7. Juni 2008.
Für Kinder und Jugendliche gibt es darüber hinaus zwei weitere Neuproduktionen im Kellertheater des Opernhauses. „Die Tragödie der Carmen“ ist eine Bearbeitung von Bizets Oper Carmen, die Marius Constant für die Inszenierung von Peter Brook am Théâtre des Bouffes du Nord 1981 schuf. 1983 verfilmt, wurde sie zum Welterfolg. Fabian Posca wird die „Tragödie der Carmen“ nun im Kellertheater realisieren. Die musikalische Leitung hat der junge Dirigent Manolo Cagnin. Der endgültige Premierentermin wird rechtzeitig mitgeteilt.
Das jüngste Publikum kann die Heldin aus Vladimir Kojoukharovs „Das Paradies der Katzen“ bei ihrer Reise ins Märchenland begleiten. Nach dem riesigen Erfolg von „Der Mann im Mond“ eine weitere Produktion des Kinderchores der Oper Leipzig unter der Leitung von Sophie Bauer und in der Regie von Helene Krumbügel.













