(openPR) Nicht nur die Arbeitsabläufe, auch die Bewerbungsprozesse haben sich im Zuge der Corona-Pandemie massiv verändert. Ganz zwangsläufig wurden diese plötzlich digitaler. Dazu gehört auch das Vorstellungsgespräch per Videocall. Immerhin rund die Hälfte aller Vorstellungsgespräche liefen in den vergangenen zwölf Monaten so, ergibt eine Auswertung des aktuellen Jobwechsel-Kompass.
Für viele Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das eine ungewohnte Situation, auch wenn das Format Video ja im letzten Jahr durchaus präsenter geworden ist. Dennoch halten sich vier Fünftel der Befragten im persönlichen Gespräch für überzeugender als im virtuellen. Ein Grund dafür, dass nur rund 35 Prozent der Befragten ihr Bewerbungsgespräch auch in Zukunft per Videocall führen möchten.
Als global arbeitender Personalvermittler ist Christian Rolke mit virtuellen Vorstellungsgesprächen vertraut. Der Inhaber von Rolke Search Limited bevorzugt jedoch auch die persönlichen. „Gerade von der vielzitierten Chemie, die passen soll, bleibt auf dem Weg durchs WWW einfach viel auf der Strecke“, sagt der Wahl-Londoner. Hier kommen seine Tipps für gelungene Bewerbungsgespräche per Video:
1. Stell Dir vor, es wäre echt
Wie bereitest Du Dich auf ein persönliches Gespräch vor? Du kennst Deine Unterlagen, hast über das Unternehmen und Deine Ansprechpartner*innen recherchiert und Dich auf eventuelle Fragen vorbereitet. Und das nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern auch mit einer Person Deines Vertrauens. Neben Dir liegen ein Notizbuch mit Deinen Fragen und Platz für Notizen sowie ein funktionierender Stift.
Passt alles? Dann mache es genauso auch beim virtuellen Gespräch.
2. Kleider machen Leute
Auch wenn die Jogginghose Einzug in zahlreiche Home Offices gefunden hat: Spätestens beim Vorstellungsgespräch ist es unerlässlich, passend gekleidet zu sein.
Das gilt übrigens für den gesamten Körper, nicht nur für das, was ab Unterkante Monitor zu sehen ist. Der Grund dafür ist ganz einfach: Zum einen sieht es besser aus. Zum anderen beeinflusst die Wahl unserer Kleidung unsere Ausstrahlung. Wir nehmen, bewusst oder unbewusst, eine bessere Haltung ein, wenn wir korrekt gekleidet sind und wirken dadurch professioneller.
3. Sorge für Ruhe
Natürlich, heute guckt niemand mehr schief, wenn es während des Videocalls an der Tür klingelt oder Kinder oder andere Mitbewohner*innen ins Zimmer platzen. Alles ist menschlich und authentisch.
Doch beim Vorstellungsgespräch ist es wichtig, sich konzentrieren zu können. Deshalb: Info an alle in der Wohnung, dass sie bitte nicht stören mögen und Tür zu. Und ja, Wohnung. Sie ist der beste Ort für ein solches Gespräch, deutlich besser als von unterwegs, aus der U-Bahn oder aus dem Park Ach ja: Und Handy aus. Aber das sollte selbstverständlich sein.
4. Aufräumen bitte!
Deinen Interviewpartner*innen ist klar, dass Du Dich sehr wahrscheinlich von zuhause aus einwählst. Und keiner erwartet, dass Du dafür ein piekfeines Arbeitszimmer zur Verfügung hast. Für uns ist völlig klar, dass wir Bewerbungsgespräche in Wohn-, Ess- und Schlafzimmern und Küchen führen. Und es ist uns egal.
Nur: Ungemachte Betten, Klamottenberge und schmutziges Geschirr im Hintergrund machen einen ganz schlechten Eindruck. Wenn jemand seinen Haushalt nicht im Griff hat, wie soll er dann eine Führungsposition füllen?
5. Gute Vorbereitung ist alles
Damit meinen wir nicht nur die inhaltliche Vorbereitung. Auch um technische Aspekte kümmerst Du Dich besser mit Vorlauf. Ist für den Videocall eine bestimmte Software erforderlich? Dann installiere und teste sie vorher. Funktionieren Webcam und Mikro?
Falls Du mit mobilen Devices teilnimmst, schließe sie vorsichtshalber vorher an den Strom an. Nichts ist blöder, als wenn mittendrin der Akku von Smartphone, Tablet oder Laptop leer ist. Eine gute Idee ist auch ein Ringlicht. Es sorgt für vorteilhaftes Licht und hat häufig auch Halterungen für ein Mobiltelefon.
6. Ansichtssache
Meistens kann man auswählen, ob nur die sprechende Person oder alle zu sehen sind. Wir raten eindeutig zur letzten Ansicht. Sich selber beim Reden zuzuschauen, ist für viele verwirrend und sorgt für Unsicherheit. Die Galerieansicht hat den Vorteil, dass man sich durchgehend auf das virtuelle Gegenüber konzentrieren kann.
An manchen Laptops sind die Kameras übrigens ganz unpraktisch unten an der Tastatur angebracht. In dem Fall solltest Du Deine Gesprächspartner*innen darauf hinweisen. Als Interviewer sieht man recht deutlich, wohin der andere gerade guckt. In dem Fall in die Ferne.
Virtuelle Hintergründe? Lieber nicht...
Eine eigene Meinung hat Personalvermittler Rolke auch zu virtuellen Hintergründen. Er empfiehlt, sie beim Videointerview nicht zu benutzen. Zum einen leidet die Verbindungsqualität häufig unter der Datenmenge. Außerdem sind die Übergänge zwischen der eigenen Person und dem Hintergrund häufig unsauber. Das strengt über einen längeren Zeitraum an und lenkt überdies ab.
Last but not least hat der Effekt sich mittlerweile abgenutzt. „Wir haben in den letzten Monaten mit so vielen Menschen gesprochen, die wahlweise am Strand, an der Golden Gate Bridge oder in sehr stylischen, aber auch sehr identischen Offices saßen. Am Anfang war es unterhaltsam und bisweilen ein Eisbrecher. Doch mittlerweile haben wir 2021 und sind hunderte von Videocalls weiter. Der Unterhaltungsfaktor ist dahin.“ Er empfiehlt Bewerber*innen, sich lieber authentisch in ihrem echten, wenn auch aufgeräumten Umfeld zu präsentieren. „Wir alle hatten mittlerweile so viele Einblicke in die privaten Räume unserer Gesprächspartner*innen – da muss der eigene ja nun wirklich kein Geheimnis bleiben“, so Rolke.

















