(openPR) „Die wollen ein Disneyland aus unserer Altstadt machen. Das ist doch keine Stadterneuerung, das ist Stadtvernichtung.“ Bei Arnsberg.tv geht es hoch her. Im Studio debattieren Bürger, Geschäftsleute und Politiker hitzig über die Zukunft des historischen Stadtkerns von Arnsberg. Ausgelöst wurde der Debatte durch ein geheimes Video, das dem lokalen Internetsender vor einigen Wochen zugespielt wurde und das die Redakteure sofort ins Netz gestellt haben. Es zeigt den Plan einer internationalen Investorengruppe, die aus dem Arnsberger Altstadtkern eine Attraktion für Touristen aus aller Welt machen will: Ob Läden, Gaststätten, Wohnungen oder Straßen – das ganze Quartier soll wieder so werden, wie es im Mittelalter war, besiedelt von authentisch gekleideten Statisten, Pferdegespannen, Bettlern, Gauklern und dergleichen mehr. Viel Geld wollen die Investoren dafür ausgeben und natürlich auch üppige Eintrittspreise für das Spektakel kassieren. Das Video hatte sich wie ein Lauffeuer durch die schnellen Datenleitungen der Stadt verbreitet und innerhalb der Bürgerschaft eine Welle der Empörung ausgelöst. Prompt formierten sich Tausende von Bürgern zur Aktionsgemeinschaft ‚Glockenturm’. Das älteste Bauwerk der Stadt ist nicht nur ihr Widerstandssymbol, sondern auch ihr virtueller Treffpunkt. Auf der dreidimensionalen Stadtansicht von Arnsberg führt ein Klick auf den Turm direkt zu dem Netzknoten der Bürgerinitiative. Dort werden alle Informationen über die Investorenpläne gesammelt und veröffentlicht. Außerdem arbeitet die Initiative fieberhaft an Gegenentwürfen zur Umgestaltung des historischen Stadtkerns. Denn allen ist klar, dass etwas geschehen muss. Zwar hatte es vor 20 Jahren erfolgreiche Aktionen zur Modernisierung des Quartiers gegeben, doch auf den Erfolgen von gestern lässt sich heute nicht mehr bauen. Die Umsätze der Einzelhändler sind rückläufig, die Touristen werden weniger und immer mehr Wohnungen und Ladenlokale stehen leer. Deshalb stoßen die Pläne der Investoren in Arnsberg auch nicht nur auf Widerstand. Einige Bürger, vor allem jüngere und Neubürger, unterstützen den radikalen Altstadt-Umbau und haben eigene Initiativen gegründet. Mit ihnen symphatisiert auch Matthias Berger, der vor einem halben Jahr von London nach Arnsberg gezogen ist. Er kennt die ‚History-Cities’ aus England und hat gehört, dass sie als Touristenmagnet lokal für Umsätze und Arbeitsplätze sorgen. Doch während er die Debatte von Arnsberg.tv auf seinem Bildschirm verfolgt, kommen ihm Zweifel. Eigentlich weiß er viel zu wenig über die historische Altstadt von Arnsberg, weder über die ältere, noch über ihre jüngere Geschichte. Wie soll er sich da ein Urteil bilden? Berger holt sich die virtuelle Stadtansicht von Arnsberg auf den Monitor, klickt sich ins Gebäude des Stadtarchivs und schaut sich das Video ‚Alt-Arnsberg im Laufe der Jahrhunderte’ an. In der Mediathek findet er unter der Rubrik ‚Von Bürgern für Bürger’ auch etliche Fotos und Filme über die Arnsberger Altstadt: Stadtfeste, Kulturveranstaltungen, besondere Ereignisse, persönliche Perspektiven und Schnappschüsse. Berger ist fasziniert vom Interesse der Bürger an ihrem historischen Stadtkern. Aber wie steht es um die Stadtpolitik? Er klickt sich ins virtuelle Rathaus, informiert sich dort über den ‚Masterplan Alt-Arnsberg’, der um die Jahrtausendwende aufgesetzt wurde und holt sich Pläne und 3D-Modelle aus dem Archiv der Stadtentwicklung auf den Monitor. Schließlich schaut er sich noch einige Videoaufzeichnungen von Ratssitzungen an, bei denen es um das historischen Viertel ging. Nachdem er den Werdegang der politischen Entscheidungen über die vergangenen zwei Jahrzehnte verfolgt hat, lehnt sich Matthias Berger in seinem Sessel zurück und fasst einen Entschluss: ‚Kein Disneyland in Alt-Arnsberg. Der historische Stadtkern soll sich so lebendig weiterentwickeln wie bisher, aber dafür können nur die Arnsberg selbst sorgen.’ Bevor er sich schlafen legt, speichert Berger seinen virtuellen Ausflug durch die Stadtgeschichte als Datei ab, nennt sie ‚Sinneswandel eines Neubürgers’ und schickt sie via Breitband zu Arnsberg.tv und zum ‚Glockenturm’.
In den nächsten Tagen gewinnt die Bürgerinitiative ‚Glockenturm’ immer mehr Mitstreiter, nicht nur aus der T-City Arnsberg, sondern aus aller Welt. Besonders aufschlussreich sind die Erfahrungen, die andere Städte mit ‚History-Cities’ gemacht haben. Fast alle eingehenden Filme und Berichte zeigen, dass das Touristeninteresse am Anfang wohl hoch ist, aber schon nach einem Jahr zurückgeht. Dann vernachlässigen die Investoren ihre Projekte, die Statisten verlieren ihren Job und zurück bleibt eine Geisterstadt, die nur noch schwer wiederzubeleben ist. Davor wird Arnsberg jetzt verschont bleiben, denn aus der Bürgerschaft heraus bilden sich laufend neue Arbeitsgemeinschaften, die konkrete Pläne für die Zukunft ihres historischen Altstadtkerns schmieden. Eine Flut von Ideen ist da ins Rollen gekommen - von der Belebung des Einzelhandels über zeitgemäße Wohnkonzepte und Kunstaktionen bis hin zu attraktiven Tourismusangeboten. Früher, bevor Arnsberg die weltweit erste T-City wurde, hätte es lange gebraucht, bis all diese Einzelprojekte zu einem sinnvollen Ganzen zusammengeschmolzen wären. Heute aber, wo jeder mit jedem vernetzt ist, wird aus vielen einzelnen Gedanken rasch gemeinsames Handeln. Matthias Berger etwa hat im Netz schnell Gleichgesinnte für sein Projekt ‚Zeitmaschine Alt-Arnsberg’ gefunden. Das Team ist bereits dabei, die historische Altstadt virtuell nachzubauen, und zwar so dass die Besucher dort nicht nur durch eine, sondern durch verschiedene Epochen des Viertels schlendern können. Wer will, kann sogar selbst in die Rolle eines Bewohners schlüpfen und das Stadtleben von früher hautnah erleben. Vergangenheit und Zukunft – im virtuellen und im realen Arnsberg gehen sie künftig erfolgreiche Verbindungen ein. Nicht nur dank der schnellen Datenautobahnen, sondern vor allem dank einer Bürgerschaft, die ihre Vernetzung kreativ und engagiert zu nutzen weiß.
Dazu mehr im Internet unter www.arnsberg.de/t-city
Arnsberg T-City: Eine ganze Stadt gewinnt
Wolfgang Mattern
Das Arnsberger T-City-Kompetenzteam
Dipl.-Ing. Wolfgang Mattern
Wiebelsheidestr. 51















