(openPR) Kurz vor Weihnachten kam für die Anleger die Hiobsbotschaft: Sowohl die EuropLeasing AG & Co. Financial Solutions KG als auch die Fonds-Komplementärin EuropLeasing AG mussten Insolvenz anmelden. Wer den vollmundigen Renditeversprechen der Firma sein Vertrauen geschenkt hatte, steht nun vor dem Totalverlust seiner Anlage. Verbraucherschützer werfen den Verantwortlichen Verdacht auf Betrug und Untreue vor.
Überraschend kommt die EuropLeasing-Pleite nicht. Seit vielen Jahren wurde die Gruppe in der Wirtschaftspresse heftig kritisiert. Das Branchenblatt kapital-markt intern (k-mi) warnte seit mehr als sechs Jahren immer wieder vor einer Beteiligung. Mittelpunkt der Kritik waren ganz erhebliche Abweichungen der prospektierten Zahlen von der tatsächlichen Unternehmensentwicklung.
So wunderte sich k-mi beispielsweise, dass von den für 2004 angekündigten Erlösen von 102 Millionen Euro in Wirklichkeit nur ein Umsatz von 3,95 Millionen herauskam. Für die Anlageexperten „waren die prospektierten Planzahlen und damit das gesamte Geschäftsmodell (...) mit dicken Fragezeichen versehen.“ k-mi-Fazit schon im Juni 2000: „Riskante unternehmerische Beteiligungen mit Totalverlustrisiko, bei der sich uns nicht erschlossen hat, warum man sich ausgerechnet an diesem Unternehmen beteiligen sollte. Wir raten Vermittlern und Anlegern zur Vorsicht!“
Offenbar gezielte Verharmlosung des Risikos
Obwohl das Geschäft von Anfang an schlecht lief, wurden Warnungen der Wirtschaftspresse hinsichtlich offenkundiger ökonomischer Schwierigkeiten sowie die Risiken für die Anleger nach Ansicht von Branchenkennern offenbar gezielt verharmlost. Noch 2006 priesen Vermittler Beteiligungsangebote der EuropLeasing als „renditestarke Anlage mit geringem Risiko“ an sowie eine angeblich „hohe Sicherheit bei hoher Rendite“. Nachrichten und die Unternehmenszahlen wurden offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen.
Verbraucherschützer wundern sich über die Dreistigkeit, mit der Anleger noch letzten Sommer offenbar gezielt getäuscht wurden. Wie der Deutsche Verbraucherschutzring (DVS e.V.) aus Erfurt mitteilt, habe es auf der Website der EuropLeasing noch lange geheißen, das Vertrauen der Banken sei ungebrochen, die Finanzierungen gesichert und ausreichend Liquidität vorhanden. „Die Verantwortlichen haben ihre Anleger anscheinend jahrelang mit falschen Behauptungen hinters Licht geführt“, sagt Torsten Geißler, Vertrauensanwalt des DVS aus Jena. Längst bekannte Informationen über die fatale Umsatzentwicklung und Diskrepanzen zu den Fondsprospekten seien von vielen Anlageberatern und Vermittlern ganz offensichtlich ignoriert worden. Geißler: „Im Gegenteil wurden die Beteiligungsangebote als ‚renditestarke Anlage mit geringem Risiko’ angepriesen. Dabei verwies die EuropLeasing AG regelmäßig darauf, dass sie ‚seit mehreren Jahren erfolgreich im Leasing-Geschäft’ tätig sei.“
Für die Verantwortlichen dürfte die bequeme Zeit auf Kosten der Anleger endgültig vorbei sein. Obwohl viele Mittel bereits vernichtet sind, müssen sich laut DVS im Prinzip alle Gruppen von Verantwortlichen einer möglichen Haftung stellen.
- Den Initiatoren muss aufgrund ihrer Kenntnis des Unterschieds zwischen prospektierten Erwartungen und tatsächlichem wirtschaftlichen Erfolg allem Anschein nach der Vorwurf des Betruges gemacht werden.
- Wegen der frühzeitigen Warnungen kommt auch eine Haftung der Anlageberater und Vermittler in Betracht, da diese gesetzlich verpflichtet sind, sich über alle Haftungsrisiken zu informieren und interessierte Anleger auf solche Warnungen hinzuweisen.
- Auch der Mittelverwendungskontrolleur, die T.O.R. Treuhand-Organisation-Revision GmbH sitzt mit im Boot. So soll die T.O.R. 2005 testiert haben, dass das Leasinggeschäft im angegebenen Umfang getätigt worden sei. Offenbar ein glatter Schwindel, wie k-mi herausfand. So zitiert das Blatt ein Protokoll einer Aktionärsversammlung vom 23.05.2006, in dem es heißt: „Dem Unternehmen stehen nur noch sehr geringe flüssige Mittel zur Verfügung, die im wesentlichen aus den eingehenden Mietzahlungen der eigenfinanzierten Leasingverträge resultieren.“
Der Deutsche Verbraucherschutzring rät allen Betroffenen, möglichst frühzeitig prüfen zu lassen, ob ihnen Schadensersatzansprüche zustehen.
Betroffene Anleger können sich der „Interessengemeinschaft EuropLeasing“ im Deutschen Verbraucherschutzring DVS e.V. anschließen. Der Deutsche Verbraucherschutzring DVS e.V. lässt durch die Vertragsanwälte des Vereins die Ansprüche der Anleger prüfen. Die Aufnahme in die Interessengemeinschaft kostet einmalig 70 Euro (zzgl. MwSt). Dieser Betrag deckt die Verwaltungsgebühren des DVS e.V. ab. Die weitere Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft ist beitragsfrei.
Die 70 Euro werden bei einer späteren Beauftragung der Rechtsanwälte in voller Höhe mit den Anwaltskosten verrechnet. Die Anspruchsprüfung des Falles durch die Rechtsanwälte löst jedoch keine gesonderten Kosten aus. Für Fragen in dieser Angelegenheit steht den Anlegern die Telefonnummer 03641/353504 der DVS-Geschäftsstelle Jena zur Verfügung.
Weitere Auskünfte unter www.dvs-ev.net
DVS Deutscher Verbraucherschutzring e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Peter Speier
Brühler Hohlweg 7
99094 Erfurt
Tel. 0361/2279429
Web www.dvs-ev.net
Der Deutsche Verbraucherschutzring (DVS)








