(openPR) Reinhard Wosniak gehört zu jenen DDR-AutorInnen, die zur Wende Mitte dreißig waren und auf dem Sprung in die Literatur. Sie alle verschwanden, bis auf wenige Ausnahmen, im Nichts, verfügen indes über ein enormes literarisches Potential. Hiervon zeugt die Trilogie „Die Villa“, die im Ganzen , aber auch im Einzelnen gelesen werden kann. Sie ist wie es auch ihr nun vorliegender abschließender dritter Teil „Die Nacht der Ameisen“ auch im Speziellen unter Beweis stellt- zuerst ein spannend zu lesender Familienroman.
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Man findet sich bei der Lektüre trotz origineller Perspektivwechsel in allen drei Teilen zurecht – die Personnage bleibt erhalten und ist in jedem Band zu erkennen. Auch die Örtlichkeiten sind trotz ihrer äußeren Veränderung in den Zeiten menschlichen Fortschrittes (oder Rückschrittes) zu erkennen: Frohburg in Sachsen, Rostock an der Ostsee und nicht zuletzt die Bretagne – der Teil, den man „Das Ende der Welt“ nennt. Wosniak nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise in einem vermeintlich bekannten Gelände. Man hat das „Erzählkino“ genannt - doch Vorsicht: Fallstricke und nicht selten auch Attacken auf doch längst in Schubläden Abgelegtes lauern überall. Bei der Schilderung der Frohburger, der Rostocker und der französischen Verhältnisse gelingen dem Autor wahre Kabinettstückchen. Seine Diktion ist virtuos, manchmal eigenwillig, doch immer ist sie voll von leiser Ironie oder manchmal auch derbem Humor.
Irgendwie scheinen sich die Örtlichkeiten in diesem jüngsten Roman Wosniaks „Die Nacht der Ameisen“ dennoch aufzulösen - im Zeichen der Globalisierung, im Zeichen der Orientierungslosigkeit und nicht zuletzt im Zeichen eines seltsamen Werteverlustes. Wie finden sich Menschen im nicht zum ersten Mal geeinten Deutschland damit zu-recht? – Die Helden straucheln, die Kritik wird lauter – auch gerade da, wo Dankbarkeit erwartet wird. Selbst die Antworten auf das Leben in „Freiheit“ unterscheiden sich…
Wosniak sucht nach der „Spur unserer Fußsohlen“ im Prozess der „Wiedervereinigung“ und kann sie so recht nicht finden. Doch was sind überhaupt ostdeutsche Spuren in einer seltsam zu Ende gekommenen Erhebung? Eine Feststellung dieses Buches bleibt im Gedächtnis: „Die Sieger waren nicht die Gewinner“. – Das ist fesselnd zu lesen.
Ach so … die Ameisen. - Sie scheinen sich abzustimmen, kommen erst im Herbst aus ihren Löchern und ändern überhaupt ihre Abläufe, als rüsteten sie zu einer entscheidenden Schlacht um die Zukunft.…
Reinhard Wosniak hat immer neben seinem Beruf als Ingenieur geschrieben: Romane, Essays, Novellen, Songtexte, Zeitungs- und Rundfunkartikel und manches andere. Kurz nachdem er in Rente ging, ist er schwer erkrankt. Schon „Felonie“, den ersten Band, besonders aber „Die Kinder des Mondes“ und den jetzt abschließenden dritten Band „Die Nacht der Ameisen“ hat der nun fast vollständig an den Rollstuhl Gefesselte mühsam mit einer Hand geschrieben, ja, mit einem Finger. Aber er hat die Trilogie vollendet. 1500 Seiten. Zur deutschen Geschichte in Beziehung stehend und gegen den üblichen Strich gebürstet. Erstaunliche Entdeckungen im Schicksal einfacher Leute. Wahrheiten … auch und vor allem zur deutschen Einheit.
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