(openPR) Der Wecker schrillt und erinnert mit seiner nervtötenden, provokanten Akkustik bereits an alle Herausforderungen des heutigen Tages. Wie gewohnt - gekonnt zu Boden geschleudert - gewinne ich gähnend und reckend den ersten Kampf des Tages. Nachdem ich mich träger als ein Faultier und ebenso rasant aus meinem Traumgemach gequält habe, blättere ich, in einer Hand mein Brötchen festumklammert, mal eben den Spruch des Tages auf: „Das Glück kann man nicht in einem anderen Menschen finden - nur in sich selbst!“ wobei ich irgendwie an jenem mit Herzchen verzierten Blatt mit meinen Marmeladenhänden kleben bleibe und den Jahresweisheitenkalender zu Boden reiße.
Oh mein Gott, das nimmt mir ja jede Hoffnung auf Glück, schließlich ist die Suche nach Glück für mich unweigerlich immer mit der Suche nach Mr. Right verbunden gewesen, Rosamunde Pilcher sei Dank! Diese Filme sollten sowieso Warnhinweise für alle Singles enthalten, machen sie doch den alleine mit einer Chipstüte bewaffneten und gläubigen Single todtraurig bei so viel perfekter Romantik zurücklassen und mit der verzweifelten, stets unbeantwortet bleibenden Frage: wo bleibt bitte mein Traumprinz, verdammt noch mal! Schade, damit bricht auch die letzte Rechtfertigung weg, warum man denn nun nicht glücklich sei - ja, wie denn ohne Partner?! Aber auch die Umkehrung ist möglich: Du machst mich so unglücklich! Und schwups hat man den Schuldigen in beiden Fällen identifiziert und selbst ist man freigesprochen von jeder Anklage-einfach super! Das kennt man doch noch aus seiner Kindheit, oder? Wie schlimm waren Situationen, in denen die Schuld nicht jemand anderem, wie der großen Schwester, oder dem bösen Jungen vom Spielplatz in die Schuhe geschoben werden konnte und ich mir zum Beispiel die Finger klemmte, da ich die Autotür zuschlug, ohne an meine noch im Rahmen der Tür befindlichen Patschepfötchen zu denken - ja, fehlende Hand-Kopf-Koordination, oder einfach aua! Übrigens setzte sich diese nicht vorhandene Koordination auch in die Füße im Laufe meiner Entwicklung fort, so beim ersten Tanzkurs, aber da konnte man ja schließlich dem Tanzpartner noch grazil eine vors Schienbein treten - denn wie gesagt: Schuld sind immer die anderen! Der Schmerz in den langsam anschwellenden Fingern blieb damals auf dem Mutter-Kind-Parkplatz und wurde nur noch schlimmer durch meine aufsteigende Wut, welche ich an nichts und niemandem auslassen konnte. Nun gut, das Glück steht also direkt vor mir und so blickte ich mein verschlafenes Gesicht im mit Zahnpastaspritzern dekoriertem Spiegel an - wer war das? Naja, die Frage erübrigt sich, wenn man alleine lebt - selbst Schuld! Die Suche nach dem Romeo als Garant allen Glücks gestaltet sich ja schon nicht leicht, doch wie schwer wird dann erst die Suche nach dem Glück in mir - oh herrje, dagegen findet man Leben auf dem Mars bestimmt im Schlaf! „Expedition in die Tiefsee der Seele“ – wahrscheinlich warten dort mehr Ungeheuer als sich Jule Verne in seinem Roman ausdenken konnte. Ach, ich glaube ich hab´s auch gar nicht so mit dem Tauchsport - viel zu dunkel - vielleicht fange ich erst einmal an der Oberfläche an…Da stellt man sich doch die Frage, ob man mit jenem zähneputzenden Wesen dort vor sich gut auskommen, ja wohlmöglich befreundet sein würde?! Hmmm, ein eindeutiges „Ja“ fällt mir da schwer…ja, tut mir leid, aber ich glaube, ich könnte mich selbst nicht lange um mich haben…ehrlich gesagt gäbe es einige Eigenschaften, mit denen ich gar nicht klarkommen würde und dazu gehört nicht nur mein aufschäumendes Wesen und der nicht stillstehende Mund, welches sich gerade beides bildlich vor mir im Spiegel zeigt. Hut ab vor meinen Freunden, die mich so ertragen können…das ist wohl Freundschaft! Eigentlich, so seniere ich, während ich die letzten Zahnpastareste ausspüle, sollte man doch auch befreundet sein mit sich selbst, oder? Doch viel zu oft hadere ich mit mir. So frage ich bestimmt 100 Mal am Tag: was hast Du denn da nun wieder gesagt? Musste das sein? So z.B. wenn ich eine alte Kollegin wieder sehe und herzlich beglückwünsche zu ihrem Mutterglück: „Wann ist es denn so weit?“ und mir zickig, mit strafendem Blick entgegnet wird: „Ich bin nicht schwanger!“ wobei jegliches weiteres Gespräch sich fortan erübrigte...
In H & M Kabinen drohe ich auch gerne mal wie ein Vulkan auszubrechen, weil die Beleuchtung so gruselig ist, dass selbst Gammelfleisch besser ausgeleuchtet wird, als jene blassen Stampfer, die ich krampfhaft versuche in die schon elektrisierte Synthetikhose zu bekommen.
Mal ehrlich: weder außen hui noch innen hui – in der Automobilindustrie eher das Hagelschlagmodell mit leichtem Motorschaden, aber nur bei Geschwindigkeiten über 30…aber keine Sorge, über den Preis kann man alles regeln und so wird sich doch wohl auch hier ein Bastler finden? Also doch wieder das Glück im anderen suchen? Der Bastler wird meine Werte schon erkennen, oder? Ich glaube, in der Mitte liegt die Wahrheit. Unser Partner kann sicherlich unsere eigenen Werte unterstreichen und uns als Schrauber helfen, diese auch beim größten Motorschaden noch ins rechte Licht zu rücken, doch dies vermögen Freunde auch und Glück, ja das muss jeder auf seinem eigenen Weg finden. Ein erster Schritt ist vielleicht über sich selbst lachen zu können, auch wenn man vor lauter Prinzensuche einmal gegen einen Laternenpfahl läuft, oder ächzend durch den Park joggt, um dem anderen die vermeintlich große Sportlichkeit zu beweisen. Wir sind nicht perfekt, aber auch unser Gegenüber nicht und niemand auf dieser Welt - auch wenn es manchmal so scheint…Bei einem meiner letzten Dates dachte ich wirklich meinem Glück begegnet zu sein-einfach perfekt - doch dann erklang sein Lachen! Oh Mann, da halfen nur noch sehr traurige Themen, um nicht Amnesty International auf den Plan zu rufen.
Ein Lächeln über uns selbst wird die Wogen an der Oberfläche glätten, damit wir die Erforschung der unendlichen Weiten unserer Tiefsee vorstoßen können und irgendwo dort werden wir es finden - das Glück.
Wiebke Endres, promovierte Dozentin, Studiendirektorin und Autorin
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