(openPR) Grundsätzlich sind Bemühungen zu begrüßen, die den „Leistungswirrwarr“ von Leistungen aus der Pflegeversicherung transparenter und leichter zugänglich machen.??
WIR! begrüßen das Ziel mehr Selbstbestimmung für Pflegebedürftige über die Verwendung der Pflege-Gelder zu erhalten.
Die massive Erhöhung des Kurzzeit-, Nacht- und Tagespflegebudgets ist erfreulich. ?Allerdings lassen die derzeitigen Rahmenbedingungen eine flächendeckende Nutzung nicht zu. ?Flexibel plan- und nutzbare Angebote stehen aus betriebswirtschaftlichen Gründen sowie auf Grund des bundesweiten massiven Pflegekräftemangels nicht flächendeckend in genügender Anzahl zur Verfügung. ?Hohe Mieten in Ballungsräumen, fehlende Planungssicherheit bei der Auslastung von Angeboten sowie bürokratische und bauliche Hürden lassen niedrigschwellige und flächendeckende Angebote von Tages- und Nachtpflegen nicht selten scheitern.?
Oft gibt es starre Hol- und Bringzeiten bei Tagespflegen, es fehlen Nachtpflegeplätze vor allem an Wochenenden. Kurzzeitpflegeplätze sind nicht flächendeckend, planbar und in ausreichender Anzahl vorhanden.
Im Rahmen eines künftig erforderlichen Rechtsanspruches auf einen planbaren Kurzzeit- Tages- und Nachtpflegeplatz müssen Anbieter gefördert und verpflichtet werden, solche Angebote flächendeckend zur Verfügung zu stellen. ?Dabei müssen sie Planungssicherheit erhalten und kommunale Unterstützung bekommen.?
Eine Erhöhung des Sachleistungsbudgets ist positiv zu bewerten.?
Problematisch ist es, dass das Budget zur Verhinderungspflege massiv gekürzt werden soll.
Oft müssen kurzfristig, niedrigschwellig und unbürokratisch in allen Altersstufen flexible individuelle Lösungen zur Sicherstellung einer häuslichen Pflegesituation gefunden werden. Das ist oft nur über eine Finanzierung mit Geldern der Verhinderungspflege möglich. ?Wenn diese Gelder nicht mehr zur Verfügung stehen, dürfte die häusliche Versorgung auf Grund fehlender Alternativen in hohem Maße gefährdet sein.
Der Pflege Ko-Pilot als individueller Case Manager mit zugehender Beratung ist grundsätzlich eine gute Unterstützung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen.?Werden Pflege Ko-Piloten aus der Pflegeversicherung finanziert? ?Wird es einen Rechtsanspruch auf die Begleitung durch einen Ko-Piloten geben? ?Welche Qualifikation werden diese Begleiter haben?
Zukunft: Pflegenden Angehörigen muss künftig ein finanzieller ( steuerfinanzierter) Ausgleich für ihre Pflege- und Sorgetätigkeit gewährleistet werden. ?
In den Beispielen des Diskussionspapier wird ein Familienbild vertreten, das der heutigen Vielfalt von Familienstrukturen und deren Organisation nicht mehr entspricht.??Für Pflegebedürftige, die keine Angehörigen haben, die sie versorgen können oder wollen, müssen rechtlich bevollmächtigte Betreuer über die Verwendung der für die Pflege zustehenden Gelder entscheiden. Das sollte in den Beispielen mit angesprochen werden.?
Von pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen ist in den Beispielen nicht die Rede.
Werden deren Eltern künftig ebenfalls Pflege Ko-Piloten zur Seite gestellt werden??
Es ist zu begrüßen, dass der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege sich neben Reformen in der professionellen Pflege auch über Reformen in der informellen und der ambulanten Pflege Gedanken macht und nach zukunftsweisenden Lösungen sucht.?
Aus Angehörigensicht ist allerdings künftig eine noch weitgehendere flexible und an die individuellen Bedarfen anpassbare Verwendung von Geldern aus der Pflegeversicherung erforderlich. Pflegebedürftige, Angehörige und gesetzliche Betreuer müssen selbst entscheiden können, für welche pflegeunterstützenden Leistungen sie Geld einsetzen möchten. Die strikte Trennung von formeller und informeller Pflege muss aufgehoben werden , damit Pflege gemeinsam sozialräumlich geleistet und finanziert werden kann.?
Zur Information: Link zum „Ersten Bericht des unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ bei, an dessen Erstellung die WIR! Stiftung als Vertretung Pflegender Angehöriger beteiligt war:
https://www.wege-zur-pflege.de/fileadmin/daten/Beirat/Erster_Bericht_des_unabhaengigen_Beirats_2019.pdf?
Die in diesem Bericht erstellten Handlungsempfehlungen können ein Hinweis sein, in welche Richtung Organisation und Finanzierung der Pflege künftig gehen muss.





















