(openPR) Der Anteil der Bildungsministerien an der LRS-Misere
Entwicklung des Unterrichtskonzepts
Das Unterrichtskonzept der Lese-Rechtschreib-Methode (LRM) habe ich zwischen 1993 und 1996 entwickelt und an die Bedürfnisse des deutschen Bildungssystems angepasst. Auf einem Gehirnforscher-Kongress im Jahre 1993 an der Santa Cruz University in Kalifornien präsentierte ein Team von Wissenschaftlern des Campus „Applied Linguistic“ eine Studie dazu, wie Menschen mit fehlerfreiem Lesen und Schreiben ihr Gehirn dafür benutzen. Wie Menschen mit fehlerhafter Rechtschreibung ihr Denken nutzen, hatten sie ebenfalls herausgefunden. Sie stellten eine Schritt-für-Schritt-Anweisung vor, mit der sich jeder Mensch diese mentalen Lern- und Denkstrategien aneignen kann, um seine Fähigkeiten beim Lesen und in der Rechtschreibung zu verbessern.
Hätte mir dieses Wissen in meiner Grundschulzeit zur Verfügung gestanden, wäre wohl nicht mein Berufswunsch schon in der Grundschule zerstört worden. Ohne dieses Wissen machte ich zu viele Rechtschreibfehler und konnte kein Gymnasium besuchen. Somit hatte ich auch nicht die Möglichkeit, meinem Berufswunsch entsprechend zu studieren.
Ich fragte mich, ob diese Lernmethode wirklich funktioniert und sich daraus eine Unterrichtsmethode zur Vermittlung von Lesen und Schreiben an deutschen Grundschulen entwickeln ließe, mit der alle Schüler und Schülerinnen gut lesen und schreiben lernen. Zusätzlich suchte ich eine Lösung, um Lese-Rechtschreib-Störungen (LRS) wirkungsvoll vorzubeugen. Ich beschloss, das angebotene Weiterbildungsseminar der Wissenschaftler zu besuchen und mir die notwendigen Kompetenzen anzueignen.
Ich beschloss, mir diese Kompetenz in den angebotenen Weiterbildungsseminaren der Wissenschaftler und Pädagogen anzueignen. Fortan saß ich in ihren Therapieräumen, Seminaren und Klassenzimmern. Bis ihre Fähigkeiten auch meine Fähigkeiten wurden.
Zu dieser Zeit lebte ich auf Hawaii, wo ich Schulkinder mit Lernproblemen an einer Waldorfschule betreute. Dort wendete ich das Erlernte bei von Lese-Rechtschreib-Störungen betroffen an, und war sehr überrascht, dass sich bereits nach einigen Lerneinheiten die Anzahl von Rechtschreibfehlern um bis zu 70 % verringerte.
In den folgenden Jahren entwickelte ich eine Unterrichts- und Fördermethode, um allen Schülern und Schülerinnen eine effektive Denk- und Lernstrategie für gutes Lesen und Schreiben zu vermitteln und einer Lese-Rechtschreib-Störung wirkungsvoll vorzubeugen. Von LRS betroffene Schüler lernten damit, gut zu lesen und zu schreiben – und dies in einer wesentlich kürzeren Zeit als den sonst üblichen 30 bis 80 Therapiestunden, die nachweislich zu psychischen Schäden bei vielen Betroffenen führen und immense Steuergelder verschwenden.
Dafür Kombinierte ich diese Kompetenz mit meinen bereits zuvor erworbenen pädagogischen und familientherapeutischen Konzepte und Methoden. Um die Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit sowie das Selbstwertgefühl zu stärken, eventuelle seelische, familiäre oder sozialer Nachteile, die sich negativ auf das Erlernen der sicheren Rechtschreibung und flüssigen Lesens auswirken ausgleichen.
Suchte weitere Menschen und Institutionen auf, die sichtbare Resultate in ihrem Bereich erzielten: Kapazitäten aus den Bereichen der Psychologie, Pädagogik, Kommunikations- und Verhaltenstherapie, Neurologen, Gehirnforscher sowie Schulen, an denen Pädagogen in ihren Klassen Besonderes leisteten. Für meine Studien reiste ich in verschiedene Länder der Welt – USA, Japan, Neuseeland, Australien, Indien – und tue dies für meine Weiterbildung noch heute.
Die Lese-Rechtschreib-Methode im Deutschunterricht
1996 reiste ich nach Deutschland, um den Bildungsministerien sowie Aus- und Weiterbildungsinstitutionen für Lehrkräfte die von mir entwickelte Unterrichtsmethode vorzustellen. Zusätzlich bat ich darum, sie wissenschaftlich zu überprüfen. Das Ziel war, mein Wissen und meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen, damit eine effektive Unterrichtsmethode zur Vermittlung der Lese- und Rechtschreibkompetenz an Grundschulen zur Anwendung kommt. Jedes schulreife Kind sollte die Möglichkeit haben, gut lesen und schreiben zu lernen. Einer Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) oder Legasthenie sollte nachhaltig vorgebeugt werden. Kein Kind sollte jemals mehr seines Berufs- und Lebenstraumes beraubt werden nur aufgrund von zu vielen Rechtschreibfehlern.
Mein einziges Interesse war, meine Kompetenzen an Lehrkräfte und LRS-Therapeuten erfolgreich zu vermitteln, um mich danach wieder meinen anderen beruflichen Projekten zuzuwenden.
Meine Intention war nie, ein Lerninstitut zu gründen, in dem Kinder nach der Schule wegen der Versäumnisse des Bildungssystems bei der Vermittlung des Lesens und Schreibens zusätzlich lernen müssen.
Ich ließ mich in München nieder und versendete von dort ausführliche Unterlagen zur Unterrichtsmethode sowie eine Referenzliste an die Staatsministerien für Bildung der Bundesländer, deren Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und –didaktik, Lehrerfortbildungsinstitutionen und an Grundschulen. Es gestaltete sich als eine große Herausforderung, ohne einen in Deutschland erworbenen pädagogischen Abschluss und ohne eine formale Ausbildung die Institutionen dazu zu bewegen, nicht auf die fehlenden Titel zu schauen, sondern auf meine Leistungen, praktischen Erfahrungen und mein umfangreiches Wissen.
Von der Fakultät für Psychologie und Pädagogik, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik, der Ludwig-Maximilians-Universität München, wurde ich 1997 auf den Kongress „Schule neu denken“ eingeladen, um dort meine Unterrichtsmethode vorzustellen. Zudem referierte ich vor Studierenden der Fakultät für Psychologie und Pädagogik in München und Augsburg.
Die Akademie des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands in München beauftragte mich ab dem Jahr 1997 regelmäßig, Lehrkräften in Weiterbildungsmaßnahmen die Unterrichtsmethode zu vermitteln, ebenso die Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
An der Bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung, Dillingen, vermittelte ich die Unterrichtsmethode in einer einwöchigen Weiterbildungsveranstaltung an Lehrkräfte für den Einsatz im Deutschunterricht.
Immer mehr Lehrkräfte wendeten die Unterrichtsmethode erfolgreich in ihren Schulklassen an und bestätigten, dass sich die Rate der von Lese-Rechtschreib-Störung betroffenen Schüler und Schülerinnen von 10 % mit der damals verwendeten Fibelmethode auf ca. 1 % verringert hat.
Die Fibellehre wurde zu dieser Zeit hauptsächlich benutzt und erzeugte statistisch belegt bei 10 % der Grundschulkinder eine Lese-Rechtschreib-Störung/Legasthenie. Lehrkräfte die das „Fibel lernen“ mit der LRM fachgerecht kombinierten senkten die LRS Quote auf ca. 1 %. Dies bestätigten Erfahrungsberichte von Lehrkräften die damit unterrichten.
Entscheidung für eine falsche Unterrichtsmethode
Für das Schuljahr 2000/01 kündigte das Bayerische Staatsministerium für Bildung eine Reform der Unterrichtsmethoden zur Vermittlung von Lesen und Schreiben an. Dies eröffnete die Möglichkeit, die LRM-Unterrichtsmethode in den bayerischen Grundschullehrplan zu integrieren, um so möglichst an allen bayerischen Grundschulen zu einer Verbesserung der Lese- und Rechtschreibkompetenz beizutragen und eine deutliche Verringerung der LRS-Rate von 10 % auf ca. 1 % zu erreichen.
Dafür sendete ich dem Komitee, das für die Entwurfsfassung der Reform der Unterrichtsmethoden für das Schuljahr 2000 zuständig war, ein Schreiben mit umfangreichen Unterlagen und einer Liste mit Referenzen von Schulen, Weiterbildungsinstitutionen und Lehrkräften, die eine Integration der LRM-Unterrichtsmethode in den bayerischen Grundschullehrplan befürworteten.
Diese Unterlagen sendete ich ebenso an den Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Ludwig-Maximilians-Universität in München und an die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Beide Institutionen waren mit der fachlichen Ausarbeitung der neuen Unterrichtsmethoden zur Vermittlung von Lesen und Schreiben für den Lehrplan 2000/01 beauftragt.
Das Bayerische Staatsministerium für Bildung entschied sich jedoch für einen ganz anderen Weg der Rechtschreibvermittlung im bayerischen Grundschullehrplan beginnend mit dem Schuljahr 2000/01.
Es traf die Entscheidung, die Unterrichtsmethode „Lesen durch Schreiben“ (LdS), im Volksmund „Schreiben nach Gehör“ genannt, und die Einführung der Anlauttabelle in die Grundschullehrpläne in Bayern. Grundschulkinder wurden ab dem Schuljahr 2000/01 unterrichtet, Wörter so zu schreiben, wie sie sich diese vorsprachen. Die Vermittlung eines geschriebenen Lernwortschatzes wurde fast gänzlich eingestellt. Zur Vermittlung der Lesekompetenz wurden Grundschulkinder angehalten Worte mit der Anlauttabelle buchstaben- und silbenweise zu erlesen.
Sowohl das Schreiben nach Gehör als auch das Lesen lernen mit der Anlauttabelle, wurde in den Deutschunterricht eingeführt, obwohl es für deren Erfolgswahrscheinlichkeit keine einzige wissenschaftliche Studie beziehungsweise keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis gab. Das Staatsministerium für Unterricht hat sich einseitig auf pädagogische Expertinnen und Experten und Professorinnen und Professoren verlassen, die unhaltbare Erfolge suggerierten.
Fachliche Einwände zu „Lesen durch Schreiben“ wurden ignoriert
Meine fachlichen Einwände, dass dies zu einer drastischen Steigerung der Rechtschreibprobleme führen werde, da Lautklang und Schriftbild im Deutschen und in vielen anderen Sprachen nicht übereinstimmen, blieben ungehört. Ebenso prophezeite ich, das sich die Lesekompetenz der Grundschüler, durch die phonetisches Erschließen von Buchstaben und Silben eines Wortes, dramatisch verschlechtern wird. Der Lesefluss wird unterbrochen, langsam und stockend. Meine konkreten Lösungsvorschläge, die ich dem Komitee für die Entwurfsfassung der Reform der Unterrichtsmethoden zur Vermittlung von Lesen und Schreiben für das Schuljahr 2000/01 zugesandt hatte, blieben ungehört. Fast alle Bundesländer übernahmen diese phonetische Lese- und Rechtschreibvermittlung.
Bereits in den nächsten Jahren stieg die Zahl der Grundschulkinder, die eine Lese-Rechtschreib-Störung entwickelten und meist in langwierigen Therapien landeten, kontinuierlich bis dramatisch an. In allen Bundesländern die das Lesen durch Schreiben an Grundschulen einsetzen (vgl. ISQ 2016).
Ursache des Anstiegs von Lese-Rechtschreib-Störungen, (LdS)
2014 zeigte sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Seit der Einführung des „Lesens durch Schreiben“ (LdS) im Jahr 2000 hat sich die Lese- und Rechtschreibkompetenz von Grundschülern dramatisch verschlechtert, von zuvor 10 % mit der Fibelmethode auf 37 % bis 62 %, der Prozentsatz variierte je nach Bundesland. Die bundesweit durchgeführte Vergleichsarbeit „Vera 3“ belegt, dass die Hälfte der Drittklässler nicht einmal mehr die Mindeststandards erfüllte, die die Kultusministerkonferenz für die Rechtschreibung festgelegt hat (vgl. ISQ 2016). Sie konnten demnach maximal „lautgetreu“ schreiben, brachten also nur zu Papier, was sie hörten. Nicht lautgetreue Wörter wie Stuhl wurden zum schtul und das Fahrrad mutierte zum varat.
Die Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU zufolge hat sich die Lesekompetenz der Grundschüler, durch die phonetisches Erschließen von Buchstaben und Silben eines Wortes, dramatisch verschlechtern wird. Der Lesefluss ist abgehackt, langsam und stockend. Jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland kann nicht so lesen, dass er den Text auch versteht (IGLU 2017).
Alle Unterrichtskonzepte auf den Prüfstand
Im Schuljahr 2014/15 erfolgte eine erneute Reform der Rechtschreibvermittlung in Bayern. In der Entwurfsfassung fehlten weiterhin die Vorgaben zur Verpflichtung der Lehrkräfte, Grundschulkindern das Wortbild für eine fehlerfrei Verschriftlichung visuell zu präsentieren und sie anzuleiten, dieses auch fehlerfrei innerlich abzuspeichern. So sendete ich am 17.01.2014 dem Komitee für die Entwurfsfassung des Lehrplans für Grundschulen Ergänzungsvorschläge für die Unterrichtsmethoden an Grundschulen. Hier ein Auszug:
„Der visuelle Wahrnehmungsbereich ist ein wesentlicher Bestandteil zum Erlernen fehlerfreien Lesens und Schreibens, und daher ist es mein Anliegen, dass dieser auch in seiner Bedeutung im Lehrplan zur Rechtschreibvermittlung im Schuljahr 2014/15 enthalten ist. Hierfür übersende ich Ihnen nachfolgend Formulierungsvorschläge.“
Diese Vorschläge enthielten im Wesentlichen die in diesem Buch beschriebene Unterrichtsmethode. Die Endfassung des Lehrplans für die Rechtschreibvermittlung legt jedoch weiterhin den Schwerpunkt auf phonetische Unterrichtsmethoden wie das Marburger Rechtschreibtraining und das Schreiben nach Gehör. So werden Lehramtsanwärter und Lehrkräfte in ihrer Aus- und Weiterbildung weiterhin darauf trainiert, Grundschulkindern die Rechtschreibung mit phonetischen Methoden zu vermitteln.
Es sollte es noch bis zum Schuljahr 2018/19 dauern, bis die ersten Bundesländer (Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Saarland, Hamburg und Brandenburg) das „Lesen durch Schreiben“ aus dem Deutschunterricht herausnahmen (vgl. SRW 2018).
Nach dem Verbannen des Konzepts „Lesen durch Schreiben“ (LdS), begehen die Bildungsministerien dieser Bundesländer und ihre Aus- und Weiterbildungsinstitute für Lehrkräfte, bei der Suche nach effektiven Unterrichtsmethoden, schon wieder einen vermeidbaren und bekannten Fehler.
Sie reaktivieren des Konzepts „Fibel lernen“, teilweise in einer etwas abgewandelten Form und in Kombination mit der Anlauttabelle.
Die Fibellehre wurde vor der Einführung des „Lesen durch Schreiben“ genutzt und schon damals konnte statistisch belegt werden, dass es bei 10% der Grundschulkinder eine Lese-Rechtschreib-Störung/Legasthenie erzeugt. Auf Grund dessen und weiterer Nachteile wurde dieses Konzept abgesetzt.
Die Kombination Fibellehre und Anlauttabelle ist vollkommen ungeeignet und erhöht die LRS Quote auf über 20%.
Auch im Jahr 2019 verlassen sich die Bildungsministerien dieser Bundesländer weiter einseitig auf pädagogische Expertinnen und Experten und Professorinnen und Professoren, die falsche Erfolge suggerieren. Die Quote der von Lese-Rechtschreib-Störung/Legasthenie betroffenen Grundschulkinder wird so unnötig hochgehalten. Die dadurch von LRS betroffenen Kinder landen weiter in langwierigen, überteuerten Therapien.
Lehrkräfte, die mit dem von mir entwickelten Unterrichtskonzept unterrichten bestätigen eine LRS-Rate von ca. 1 %. Aus diesen Gründen forderte ich die Bildungsministerien auf, ihre gesetzliche Verantwortung wahrzunehmen und nach ihrem jeweiligen Paragraphen des Schulgesetzes alle derzeit verfügbaren Unterrichtskonzepte auf den Prüfstand zu stellen. Meine Anfragen an die Bildungsministerien von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Saarland und Hamburg, die von mir entwickelte Unterrichtsmethode von Fachleuten ernsthaft und unvoreingenommen auf ihre Wirksamkeit überprüfen zu lassen, wurden abgelehnt.
So wird weiterhin die Chance vertan, Schulen und Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, aus einer Vielfalt von Unterrichtskonzepten das für sie ansprechendste auszuwählen und in ihren Unterricht zu integrieren. Wohl wissend, dass sich die Lehrkräfte bei der Auswahl ihres Unterrichtskonzepts an den Inhalten der pädagogischen Universitäten und Weiterbildungsinstitute orientieren.
„Lesen durch Schreiben“
Begriffsbestimmung
Lesen durch Schreiben (LdS) ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die phonetische Vermittlung des Lesens und Schreibens in der Grundschule bzw. in der ersten und zweiten Klasse. Im Volksmund werden auch die Begriffe „Schreib, wie du sprichst“ und „Schreiben nach Gehör“ benutzt. Sie benennen jeweils das Gleiche. Das Unterrichtskonzept „Lesen durch Schreiben“ wurde im Jahre 2000 als Erstes in den bayerischen Grundschullehrplan aufgenommen. In den darauffolgenden Jahren übernahmen fast alle anderen Bundesländer dieses Konzept.
Wie konnte es zur phonetischen Schriftsprachvermittlung kommen?
Mit den „Neuerungen im Deutschlehrplan aus dem Jahr 2000 für die Grundschule“ sollten die Entfaltung der Kreativität und die Förderung der individuellen Fähigkeiten der Schüler und Schülerinnen im Unterricht berücksichtigt werden. Die Kombination aus diesen basalen Fähigkeiten und den phonetischen Unterrichtsmethoden bei der Vermittlung der Lese- und Rechtschreibkompetenzen ging jedoch vollkommen schief. Eine bundesweite Überprüfung von Drittklässlern im Jahr 2014 durch die Kultusministerkonferenz ergab, dass die Zahl der Kinder mit Rechtschreibproblemen auf bis zu 60 % gestiegen ist. Die Hälfte der Schüler und Schülerinnen erfüllt nicht einmal die Mindeststandards und kann – wenn überhaupt – nur lautgetreue Wörter richtig schreiben (vgl. ISQ 2016).
Blindes Vertrauen in wissenschaftliche Studien
Das Konzept „Lesen durch Schreiben“ wurde eingeführt, obwohl es für dessen Erfolgswahrscheinlichkeit keine wissenschaftliche Studie oder Nachweise gab. Die Bildungsministerien verließen sich allein auf die Erfolgsversprechen der Befürworter. Man vertraute blind auf die angepriesene „phonologische Bewusstheit“, also das Heraushören von Buchstaben für das Schreiben von Wörtern, wie dies im Würzburger Training*, dem Marburger Rechtschreibtraining* und den Rechtschreibstrategien* angepriesen und in Vorschule und Grundschule eingeführt wurde. Vielen Verfechtern von phonetisch orientierten Rechtschreibmethoden scheint jedoch nicht klar zu sein, dass es bis dato keine einzige gesicherte Lern- und Unterrichtsmethode gibt, um Wörter, die nur gehört werden und zudem nicht lautgetreu sind, fehlerfrei zu schreiben! Die Befürworter des Lesens durch Schreiben gingen sogar so weit, für das Erlernen der fehlerfreien Rechtschreibung möglichst ganz auf die Vermittlung des geschriebenen Wortes im Deutschunterricht zu verzichten.
Die phonetischen Unterrichtsmethoden funktionieren zudem weder bei der englischen noch bei der französischen Sprache, da diese noch weniger lautgetreu als die deutsche Sprache sind. So blieb unberücksichtigt, dass viele Schüler die phonetische Lernstrategie des im deutschsprachigen Unterrichts gelernten „Lesen durch Schreiben“-Konzepts so sehr verinnerlichten, dass sie auch im englischen und französischen Unterricht versuchten, Wörter phonetisch zu erschließen. Dies konnte nur scheitern.
Woher kommt diese Hörigkeit, dieses teilweise blinde Vertrauen in Expertinnen und Experten und Professorinnen und Professoren, deren Erkenntnisse mit klarem Menschenverstand als falsch zu erkennen sind? Wie konnte man als verantwortungsvoller Wissenschaftler, aber auch als Schulleitung und Lehrkraft glauben, dass fehlerfreies Schreiben möglich sei, indem man Grundschulkinder Wörter so schreiben lässt, wie man diese spricht? Und mehr noch: es zulassen, daraus eine Unterrichtsmethode für Grundschulkinder einzuführen, wodurch zwangsläufig alle Kinder, die dieser Anweisung Folge leisten, eine Lese-Rechtschreib-Störung entwickeln?
Trotz LdS-Unterricht fehlerfrei schreiben lernen
Dass sich die Befürworter des „Lesens durch Schreiben“ für dessen Rechtfertigung auf die Schüler beziehen, die im LdS-Unterricht gut lesen und schreiben gelernt haben, ist irreführend.
Keines der Grundschulkinder, die trotz der Unterrichtung mit dem „Lesen durch Schreiben“-Konzept gut lesen und schreiben lernten, wendete dieses an. Eine Nachfrage bei diesen Kindern und ihrem Umfeld ergab, dass sie sich meist außerschulisch das Schriftbild der zu schreibenden Wörter suchten, es sich mit ihren guten visuellen Fähigkeiten unbeirrbar einprägten und es für eine fehlerfreie Verschriftlichung nutzten.
Dies ist die Lernstrategie von Menschen mit einer fehlerfreien Rechtschreibung, die nachweislich das Wortbild korrekt abspeichern und zum fehlerfreien Verschriftlichen nutzen. Diese Strategie wenden sie in allen Sprachen an, auch in primär lautgetreuen Sprachen.
Unerfüllte Hoffnungen des Lesens durch Schreiben
Das Konzept „Lesen durch Schreiben“ wurde eingeführt in der Hoffnung, dass Grundschulkinder damit lernen, ihren persönlichen Wortschatz fehlerfrei zu lesen und zu schreiben, also Wörter, die nicht im Lernwortschatz des Grundschullehrplans enthalten sind. Zum persönlichen Wortschatz eines Grundschulkindes gehören Wörter, die es zu Hause bzw. in seinem Umfeld hört, deren Schriftbild es jedoch nicht kennt, oder geschriebene Wörter, deren Klang es nicht kennt.
Beispielsweise sollte das Kind nach einem Zoobesuch auch Wörter aus seinen Erlebnissen in der Schule fehlerfrei verschriftlichen und flüssig lesen können, obwohl es diese noch nicht in der Schule gelernt hat.
Die phonetische Lernstrategie des Lesens durch Schreiben sollte dies möglich machen. Als „Werkzeugkasten“ hierfür wurde jedem Kind der ersten und zweiten Klasse eine Unzahl von phonetischen Lesestrategien vermittelt. Hinzu kam eine Liste mit nicht lautgetreuen Wörtern, die es sich bildhaft einprägen sollte. Denn auch die Macher des „Lesen durch Schreiben“-Konzepts wussten, dass 70 % der deutschen Wörter auch mit dem besten Willen und allen phonetischen Werkzeugen nicht phonetisch fehlerfrei zu verschriftlichen sind. Mit einer Anlauttabelle wurde das fremde gehörte Wort in seine Laute zerlegt und den passenden Buchstaben zugeordnet: A wie Ameise etwa, oder B wie Banane. Wörter wie Stuhl werden zum schtul und das Fahrrad zum varat. Die falsch geschriebenen Wörter wurden von den Lehrkräften in den ersten beiden Schuljahren nicht unmittelbar korrigiert, blieben unkommentiert und wurden nicht als Fehler angesehen. Den Eltern von Grundschulkindern der ersten und zweiten Klasse wurde sogar untersagt, bei ihren Kindern falsch geschriebene Wörter zu verbessern und ihnen das korrekte Wortbild zu zeigen, um es so fehlerfrei abzuspeichern und zu schreiben.
Kinder mit Schwierigkeiten in der Rechtschreibung sollten beim „Lesen durch Schreiben“ die Hemmungen verlieren, da sie Fehler machen durften. Grundschulkinder sollten aber besser von Anfang an angstfrei und fehlerfrei lesen und schreiben lernen, zum Beispiel mit der in diesem Buch beschriebenen Unterrichts- und Lernmethode.
Ab der dritten Klasse wurde dann schlagartig nur noch die korrekte Rechtschreibung zugelassen und streng bewertet. Mit dem Ergebnis, dass vielen Kindern die Umstellung auf die korrekte Rechtschreibung nicht gelang. Die Begeisterung der Lehrkräfte kam daher bei den Eltern nicht unbedingt an. Viele waren verwirrt und machten sich große Sorgen, dass ihr Kind die Umstellung auf die richtige Rechtschreibung nicht schaffen würde. Dies sollte sich schon unmittelbar nach der Einführung der phonetischen Unterrichtsmethoden leider bewahrheiten (vgl. ISQ 2016).
Zur unheilbaren Legasthenie unterrichtet
Die Schüler und Schülerinnen, die dem „Lesen durch Schreiben“-Unterricht getreu versuchten, phonetisch richtig zu schreiben, produzierten zwangsläufig viele Rechtschreibfehler. Viele von ihnen wurden Schulpsychologinnen oder Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie zugeführt, die in einem Gutachten oder Arztbrief eine Lese-Rechtschreib-Störung diagnostizierten und bescheinigten. Einigen wurde gleich eine genetische unheilbare Legasthenie unterstellt. So landeten sie in langwierigen Therapien von bis zu 80 Therapiestunden über zwei Jahre, in denen ihnen vermittelt wurde, sich damit abzufinden, nie mehr gut lesen und schreiben zu können. Das primäre Ziel dieser Therapien war es, den Betroffenen zu vermitteln, mit der Lese-Rechtschreib-Störung umzugehen und sich damit abzufinden. Dies geht meist auf Kosten der Steuerzahler und der psychischen Gesundheit jener Kinder.
Ein Leben lang fehlerhaft schreiben?
Hat das Gehirn erst einmal ein Wort fehlerhaft abgespeichert, bleibt dieses oft ein Leben lang haften. Dies zeigen wissenschaftliche Studien des Gehirnspezialisten Prof. Dr. Manfred Spitzer.* In vielen LRS-Förderklassen und Therapien werden die „Lesen durch Schreiben“-Methoden genutzt, um fehlerhaft geschriebene Wörter zu üben. So brennt sich die falsche Schreibweise des Wortes im Langzeitgedächtnis des Kindes ein.
Vertuschung der Rechtschreibmisere
In meiner Tätigkeit an Schulen stelle ich fest, dass viele Lehrkräfte, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichten, kaum noch Rechtschreibtests schreiben lassen. Bei der Deutschnote spielen Rechtschreibfehler oft nur noch eine untergeordnete Rolle – um die dramatische Rechtschreibproblematik zu vertuschen. Gleichzeitig wird den Eltern von Kindern mit vielen Rechtschreibfehlern gesagt, dass ihr Kind wahrscheinlich eine Lese-Rechtschreib-Störung habe und besser einen Förderkurs oder eine Therapie besuchen sollte.
Schule als elitärer Club visueller Lerner
Die Schulsysteme in der westlichen Welt können als ein elitärer Club von Schülern und Schülerinnen bezeichnet werden, die visuell lernen. Die Noten in den Fächern Sprache und Mathematik basieren hauptsächlich auf schriftlichen Leistungen. Kinder, die schulische Probleme haben, nutzen in erster Linie einen auditiven Lernstil. Sie haben Schwierigkeiten, Unterrichtsstoff, den sie sehen, in mentale Bilder zu verwandeln. In einem solchen Schulsystem sind Lese- und Schreibprobleme vorprogrammiert. In den meisten Bundesländern schreibt die Verordnung vor, dass bei der Benotung von Kindern mit einer Lese-Rechtschreib-Störung besonders auf die mündliche Arbeit Wert gelegt und die Note für das Schreiben in der Gesamtbeurteilung weggelassen wird. Jedoch hilft dies den betroffenen Schülern nicht, ihre schriftlichen Leistungen zu verbessern.
Fragen an die Bildungsministerien zur Lese-Rechtschreib-Misere:
Wieso wird jetzt nach Absetzen des „Schreibens nach Gehör“ die Fibelmethode reaktiviert, die statistisch belegt bei zehn Prozent der Schulkinder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) erzeugt, obwohl es effektivere Unterrichtskonzepte gibt?
Wieso wird weiterhin in vielen der ersten beiden Grundschulklassen die Anlauttabelle benutzt, teilweise in Kombination mit der Fibellehre, was bei 20 Prozent der Schulkinder eine LRS erzeugt und es effektivere Methoden des Lesenlernens gibt?
Wieso findet die Integration der Lese-Rechtschreib-Unterrichtsmethode (LRM) in der Fibelmethode im Deutschunterricht keine Berücksichtigung? Die Kombination von LRM und Fibelmethode senkt nachweislich die LRS-Quote auf circa ein Prozent. Die Lese-Rechtschreib-Methode wurde gemeinsam mit Lehrkräften im Klassenzimmer entwickelt und an Grundschulen sowie in der Lehrerweiterbildung erfolgreich eingesetzt. Die Wirksamkeit bestätigen Erfahrungsberichte von Lehrkräften, die damit unterrichten. Die LRS-Rate liegt bei circa einem Prozent.
Wieso wird mein Anliegen abgelehnt, die Lese-Rechtschreib-Unterrichtsmethode von den pädagogischen Expertengremien der Staatsministerien für Unterricht sowie den Aus- und Weiterbildungsinstituten für Lehrkräfte ernsthaft und unvoreingenommen auf seine Wirksamkeit zu überprüfen? Und dies, obwohl die Staatsministerien der Bundesländer nach dem Schulgesetz eine festgeschriebene Verantwortung haben, alle derzeit verfügbaren Unterrichtsmethoden und somit auch die LRM ernsthaft und unvoreingenommen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Eine Wirksamkeitsprüfung der LRM mit der Begründung abzulehnen, es sei „ein Angebot des freien Marktes“, oder es „liegt keine wissenschaftliche Studie vor“, ist aufgrund der in Punkt drei dargelegten Faktendarstellung eine Diskreditierung.
Wieso wurde das „Schreiben nach Gehör“ sowie das „Lesenlernen mit der Anlauttabelle“ in die Grundschullehrpläne der Bundesländer eingeführt, obwohl es für eine Erfolgswahrscheinlichkeit keine einzige wissenschaftliche Studie beziehungsweise keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis gab? Spätestens in 2014 zeigte sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Seit der Einführung des „Lesens durch Schreiben“ hat sich die Lese- und Rechtschreibkompetenz von Grundschülern dramatisch verschlechtert. Die bundesweit durchgeführte Vergleichsarbeit „VERA 3“ belegt, dass 37 bis 62 Prozent der Grundschulkinder (der Prozentsatz variierte je nach Bundesland) nicht einmal die Mindeststandards erfüllt hat, die von der Kultusministerkonferenz für die Rechtschreibung festgelegt wurden (vgl. ISQ 2016). Sie konnten demnach maximal „lautgetreu“ schreiben, brachten also nur zu Papier, was sie hörten. Die Lesekompetenz der Grundschüler hat sich durch das phonetische Erschließen von Buchstaben und Silben eines Wortes dramatisch verschlechtert. Der Lesefluss ist abgehackt, langsam und stockend. Jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland kann nicht so lesen, dass er den Text auch versteht (IGLU 2017). Millionen von Schulkindern landen seit Einführung des „Schreibens nach Gehör“ und „Lesenlernens mit der Anlauttabelle“ in LRS-Förderklassen und in langwierigen Legasthenie Therapien, die ihnen vermitteln, sich damit abzufinden, nie gut lesen und schreiben zu können.
Wieso haben sich die Staatsministerien für Unterricht sowie die Aus- und Weiterbildungsinstitute für Lehrkräfte bei der Einführung des „Schreibens nach Gehör“ sowie des „Lesenlernens mit der Anlauttabelle“ einseitig auf pädagogische Expertengremien verlassen, die unhaltbare Erfolge suggerierten, obwohl es für deren Erfolgswahrscheinlichkeit keine einzige wissenschaftliche Studie beziehungsweise keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis gab?
Wer sind die dafür verantwortlichen beteiligten pädagogischen Fachleute und Professor/innen, die trotz meiner Anfrage nicht öffentlich bekannt gegeben werden?
Wieso bleiben die Fehleinschätzung und die daraus entstandenen dramatischen Folgen für Millionen von Schulkindern für die verantwortlichen pädagogischen Fachleute und Professor/innen ohne jegliche Konsequenzen? ?40 Prozent der dadurch von der LRS und Legasthenie betroffenen Kinder wurden nachweislich psychisch krank, und 24 Prozent rutschten ins kriminelle Milieu ab. Dies hat eine wissenschaftliche Studie der Universität Würzburg nachgewiesen.
Wieso blieben meine im Jahr 2000 schriftlich eingereichten fachlichen Einwände ungehört, dass das „Schreiben nach Gehör“ wie auch das „Lesenlernen mit der Anlauttabelle“ zu einer drastischen Steigerung der Lese- und Rechtschreibprobleme führen werde, da Lautklang und Schriftbild im Deutschen und in vielen anderen Sprachen nicht übereinstimmen?
Wieso blieben meine damit verbundenen schriftlich eingereichten konkreten Lösungsvorschläge ungehört, die ich dem Komitee für die Entwurfsfassung zur Reform der Unterrichtsmethoden zur Vermittlung von Lesen und Schreiben für das Schuljahr 2000/01 zugesandt hatte?
Ich bin mittlerweile 68 Jahre alt und seit 1996 mit o.g. Thema betraut und beschäftigt. Mein einziges Interesse ist, meine Kompetenzen erfolgreich an Lehrkräfte weiterzugeben, um mich danach wieder anderen Projekten zuzuwenden. Meine Intention war nie, ein Lehrinstitut zu gründen, in dem Kinder nach der Schule aufgrund der Versäumnisse des Bildungssystems bei der Vermittlung von lesen und schreiben zusätzlich lernen müssen. Ich war selbst als Kind von LRS betroffen und kenne den Leidensweg, der daraus entstehen kann, nur zu gut. Das kann vermieden werden!
Wenig hat sich seit 1996 in den Staatsministerien für Unterricht sowie in den Aus- und Weiterbildungsinstituten für Lehrkräfte bewegt, um jedes schulreife Kind zu gutem Lesen und Schreiben zu führen. Was möglich ist! Zu lange habe ich diesen Institutionen blauäugig vertraut, dass sie ein ernsthaftes Interesse daran haben, Lehrkräften die Kompetenz zu vermitteln, jedes schulreife Kind zu gutem Lesen und Schreiben zu führen und ihnen für den Förderunterricht eine konkrete Handlungshilfe zu geben, um von LRS Betroffene zu fördern.
Jetzt ist es an der Zeit, die Öffentlichkeit ausführlich zu informieren, um sich der Sache anzunehmen. Millionen von Schulkindern haben ein Recht auf die besten verfügbaren Unterrichts- und Fördermethoden!
Ausführliche Informationen zum Autor H.D. Nicolay und seiner Tätigkeit finden Sie hierhttps://www.ipl-nicolay.com und hier https://www.nicolay.coach/










