(openPR) Museen sammeln, bewahren, forschen und vermitteln. Sie stellen Natur und Kunst, Kultur, Technik und Gesellschaft in unterschiedlichen Zusammenhängen dar, rücken Licht- und Schattenseiten in den Fokus und ermöglichen somit allen Besuchern den eigenständigen Erkenntnisgewinn. Sie gehen unbequemen Inhalten nicht aus dem Weg, sondern beziehen sie in Forschung und Vermittlung ein. Um diesen gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen zu können, benötigen Museen größtmögliche Autonomie und Museumsfachleute hohe Professionalität.
In einer Zeit, in der immer häufiger diejenigen die Wahrnehmung bestimmen wollen, die sich am lautesten zu Worte melden oder privilegierten Zugang zur öffentlichen Meinungsbildung haben, geraten diese ethischen Standards in Gefahr und Museen könnten ihrer Unabhängigkeit beschnitten und politisch instrumentalisiert werden. ICOM und ICOM Deutschland machen immer wieder auf die Verantwortung der Museen auch für die kontrovers diskutierten Inhalte der Vergangenheit und Gegenwart sowie auf ihre Unabhängigkeit aufmerksam – 2014 mit der Tagung „Museums, Politics and Power“ (organisiert von ICOM Russland, ICOM USA und ICOM Deutschland); 2017 mit dem Internationalen Museumstag unter dem Motto „Contested Histories. Saying the Unspeakable in Museums“ (dt.: Spurensuche. Mut zur Verantwortung!) und der Tagung „Difficult Issues“ (organisiert von den nationalen ICOM-Komitees aus Island, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Deutschland), sowie im April 2018 mit dem „ICOM Statement of the Independence of Museums“.
ICOM Deutschland nimmt das Jubiläum des Kriegsendes 1918 zum Anlass, alle Museen darin zu bestärken, sich weiterhin für Unabhängigkeit und Freiheit von Meinungsbildung, Kunst und Kultur einzusetzen und unbequeme Tatsachen nicht auszublenden: Im November jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. In den ehemaligen Kriegsnationen gibt es unterschiedliche Erinnerungskulturen zu Ursachen, Verlauf und Ausgang des Großen Krieges. Das hundertjährige Jubiläum wird daher in den einzelnen Ländern mit unterschiedlichen Akzenten begangen.
Im Jahre 2018 können wir nicht mehr auf eigene Erfahrungen mit den Schrecken des Krieges zurückgreifen, so dass den Museen eine besondere Verantwortung zukommt. Erinnern bedeutet, sich für die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen zu sensibilisieren und gegen das Vergessen anzuarbeiten. Das ist hoch aktuell. Deshalb müssen Museen insbesondere ihre Sammlungen gut aufbereiten sowie den wachsenden wissenschaftlichen Standards und Anforderungen entsprechend erforschen. Nur so können sie den nachwachsenden Generationen die Kriegsereignisse, -ursachen und -folgen authentisch vermitteln. Sie präsentieren die Ereignisse möglichst multiperspektivisch, in ihren unterschiedlichen Sparten und Zugehensweisen, um den Besuchern ein lebendiges Verständnis für die verschiedenen Erinnerungskulturen zu ermöglichen.
Eine besondere europäische Herausforderung ist es, den teils divergierenden nationalen und gruppenspezifischen Erinnerungskulturen ihren Platz einzuräumen und gleichzeitig Ähnlichkeiten der Kriegserfahrungen so zu thematisieren, dass ein gemeinsames Lernen möglich wird.
ICOM Deutschland und ICOM Europe stellen sich gemeinsam dieser international bedeutsamen Aufgabe und bieten mit ihrer Tagung „Museums, Borders, and European Responsibility – 100 Years after WWI“ (23. bis 25. November, Ludwig Museum Koblenz) Museumsfachleuten aus zahlreichen ehemaligen Kriegsnationen die Plattform für professionellen Austausch und Zusammenarbeit.
ICOM Deutschland, Oktober 2018





