(openPR) Eine Veranstaltung des Herbert von Halem Verlags im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am Donnerstag, den 5. Oktober 2006, 16.00h, im hr Forum Literatur & Sachbuch, Standnummer 3.1. L110
Ob Promi-Skandale, Naturkatastrophen oder Krisen – die Massenmedien sind wahre Meister darin, bestimmte Geschehnisse als breitenwirksame Spektakel aufzubauschen und mediengerecht in Szene zu setzen: Nervöse Breaking-News-Laufbänder und ausgefeilte Sendepläne für Korrespondenten-Schalten konkurrieren mit der klügsten Expertenmeinung und der originellsten Schlagzeile um öffentliche Aufmerksamkeit. Die schnell überdreht wirkende Medienereignis-Spirale bekommt nicht selten eine publizistische Eigendynamik, der sich sämtliche Fernseh- und Zeitungsredaktionen kaum entziehen können. Denn sobald das Medienspektakel in Gang kommt, herrscht journalistischer Ausnahmezustand in der Mediengesellschaft: Andere Nachrichten verschwinden spurlos von der Informationsagenda, die üblichen Programmstrukturen und Blattschemata werden plötzlich umgeworfen, stattdessen werden eifrig „Brennpunkte“ gesendet und Sonderausgaben gedruckt.
In der Diskussionsveranstaltung „Medien im Ausnahmezustand“ werden die Konsequenzen aus der Jagd nach Exklusivmeldungen im Journalismus, den voyeuristischen Selbstinszenierungstendenzen der Massenmedien und dem daraus resultierenden „Ansteckungs-Effekt“ reflektiert. Beispielhaft werden am öffentlichen Medienskandal um den TV-Moderator und jüdischen Funktionär Michel Friedman sowie an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und ihren drastischen Darstellungen im Fernsehen die journalistischen Produktionsprozesse, thematischen Phasenverläufe, Aktantenstrukturen und die komplexen Politisierungs- und Ritualisierungsstrategien der Medien genauer in den Blick genommen.
Mit der bekannten Moderatorin Judith Rakers diskutieren Dr. Steffen Burkhardt und Dr. Stephan Weichert über die spezifischen Selektionsmuster und die symbolischen Ordnungs- und Orientierungssysteme, die für die gesellschaftliche Kommunikation konstituierend sind. Dabei wird u.a. auf mediale Ritualisierungen, Deutungsmuster sowie Sinn- und Handlungsstrukturen sowohl auf der Systemebene des Fernsehens als auch der Qualitäts- und Boulevardpresse eingegangen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, warum über Ereignisse in den Medien nicht einfach objektiv berichtet wird, sondern „Medienskandale“ und „Medienereignisse“ erst durch das Mediensystem konstruiert werden. So wird für die entsprechenden Ereignisse erst Öffentlichkeit hergestellt und das Publikum kann/muss vergemeinschaftet teilnehmen.
Podiumsteilnehmer
Dr. Steffen Burkhardt ist als stellvertretender akademischer Leiter für den Journalismus-Studiengang der Hamburg Media School (HMS) verantwortlich. Darüber hinaus ist er als Dozent im Department Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg tätig. Bereits während seines Studiums der Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte in Hamburg arbeitete er als Mitbegründer und Chefredakteur des Medienmagazins Cover, Medienberater und Publizist. Er ist Autor für renommierte Tageszeitungen, Magazine und Fachpublikationen.
Dr. Stephan A. Weichert ist wissenschaftlicher Referent am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) in Berlin. Darüber hinaus ist er als Publizist und Medienberater tätig. Nach dem Studium der Soziologie, Journalistik und Psychologie an den Universitäten Trier und Hamburg war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. Er ist Mitbegründer, Herausgeber und Chefredakteur des Medienmagazins Cover.
Moderation
Judith Rakers ist TV-Moderatorin und TV-Sprecherin. Schon während ihres Studiums der Journalistik und Kommunikationswissenschaften, Geschichte und deutschen Philologie in Münster und Hamburg arbeitete sie als Hörfunk-Moderatorin für Radio Hochstift in Paderborn und Antenne Münster. Für das Magazin Focus TV in München war sie als TV-Autorin tätig. Sie schrieb für Tageszeitungen und Fachpublikationen und ist Mitautorin der Bücher Nachrichten-Journalismus und Bildpropaganda im Ersten Weltkrieg. Seit Januar 2004 ist sie hauptsächlich als Fernsehmoderatorin tätig.
Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie unter http://www.halem-verlag.de/info/forum2006.html
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