(openPR) Es ist zwar kein schönes, aber immerhin ein treffendes Bild: Für Trinker ist die Welt im Suff am schönsten – vor dem Kater. Die Profiteure, die am Alkoholkonsum viel Geld verdienen, freuen sich aber auch nüchtern darüber, daß Menschen ihnen nützen, indem sie sich selbst schädigen.
An den Börsen der Welt ist das nicht anders. Auch hier scheint den Akteuren ihr Dasein im Rausch am schönsten. Diejenigen, die mächtig genug sind, Kurse zu machen, zu manipulieren, tun dies, soweit es ihnen möglich ist, skrupellos zu ihrem Nutzen. Auch mögliche Bestrafung durch die Justiz ändert daran nichts. Denn sie ist selten und den Reibach der Finanzhaie schmälert sie kaum. Die große Mehrheit der Spekulanten wähnt sich zwar als gleichwertige Mitspieler, während sie aber in Wahrheit nichts weiter ist als das Mittel der mächtigen Spielmacher zu ihren Zwecken. Zu deren Strategien gehört auch, möglichst viele „schwache Hände“ in Kursblasen zu locken, um sich selbst dann heimlich still und leise daraus wegschleichen zu können. So sichern sich die einen ganz legal Gewinne auf Kosten der andern. Es gibt immer genug potentielle Opfer, die gern ein wenig von dem Kuchen naschen möchten, der ihnen von geschickten Propagandisten des „großen Geldes“ eigensüchtig vor die Nase gehalten wird. Und es gibt auch immer genug eilfertige mediale Helfer, die den Starken und Gerissenen helfen, die einfältigen Schwachen auszubeuten.
Wo manipuliert werden kann, wird auch manipuliert. Die Triebkräfte dazu sind seit Urzeiten im Menschentier angelegt. Auch die künstlich gedrückten Zinsen und die Aufkäufe von Anleihen zählen zu den Manipulationen auf Kosten vieler zum Vorteil weniger. Die Krisenverursacher werden so auf Kosten der Krisengeschädigten belohnt bzw. belohnen sich selbst. Mitnahmegelegenheiten fürs übrige Volk gibt es auf eigenes Risiko. Erfahrungsgemäß sind aber die meisten „Mitnehmer“ am Ende die Dummen.
Nicht wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung, sondern die Interessen derer, die den Hals nicht voll genug bekommen können, bestimmen das politische Handeln. Die Politiker, die in demokratisch verfaßten parlamentarischen Republiken den Völkern dienen sollten, haben dem entweder nichts entgegenzusetzen – dann sind sie ungeeignet – oder sie wollen dem nichts entgegensetzen – dann machen sie sich des Verrats an ihren Wählern schuldig. Daß immer mehr Menschen von einer Politik zum Nutzen der ohnehin Bessergestellten die Nase voll haben, zeigen nicht allein in Deutschland die Wahlergebnisse der letzten Jahre. Man darf gespannt sein, welche Kräfte in naher Zukunft durch den zunehmenden Politikerverdruß der Bevölkerung an die Macht gespült werden.
Seit Jahren billiges Geld und immerhin noch leidlich pralle, wenn auch schon verdächtig kurzatmig jappende Kursblasen an den Anleihen- und Aktienmärkten der Welt machen große wie kleine „Investoren“ allmählich nervös. Die wirtschaftliche Weltlage ist derzeit alles andere als stabil und wird noch mit zahlreichen bösen Überraschungen aufwarten – allen Pfeifens im Walde zum Trotz. Vor allem die verdrängte, aber keineswegs beendete Finanzkrise könnte schneller als befürchtet wieder aufleben. Sie wurde nämlich auf Kosten der Steuerzahler, der Sparer und deren Altersversorgung mit Billionen Neugeld nur notdürftig verkapselt. Nach wie vor existieren aber überschuldete Staaten und Zombie-Banken wie Blindgänger aus dem letzten Weltkrieg. Das große Aufräumen, das wirkliche Ende der Banken- und Finanzkrise steht uns noch bevor.
Wann es soweit ist und welche Folgen es vor allem für die „kleinen Leute“ haben wird, erfahren wir erst in Zukunft. Die letzten Jahre waren für das große Geld ein wahrer Rausch. Die Einkommen der Reichsten wuchsen in gigantische Größenordnungen. Die Armen „profitierten“ durch die beträchtliche Vermehrung von Niedriglohn-Jobs und der verbesserten Aussicht auf Armut im Alter. Wenn prekäre Beschäftigung Millionen Menschen auch weder ein gutes Leben noch eine auskömmliche Altersversorgung einbringen, so hat sie wenigstens das Gewissen der Politiker und ihrer duseligen Wähler beruhigt, die der Vertiefung und Verbreiterung der sozialen Kluft im reichen Deutschland seit Jahrzehnten parteiübergreifend offensichtlich wohlwollend zusehen.
Die große Geldvermehrung und die Null- und Negativzinsen haben dem Durchschnittsbürger bei kritischer Betrachtung nichts weiter gebracht als Vermögensverluste und verbesserte Aussichten auf Altersarmut.
Vor allem die Zukunft der Unter- und unteren Mittelschichten sieht nicht nur in Deutschland, sondern weltweit düster aus. Dabei soll die anstehende technologische Entwicklung mit der damit verbundenen absehbaren Vernichtung von Millionen qualifizierten Arbeitsplätzen hier nur als zusätzliche Quelle sozialen (und sicherlich auch politischen) Ungemachs erwähnt werden. Die größte Gefahr für den ohnehin schon bröckelnden Massenwohlstand geht von der fixen Idee aus, immerwährende Hochkonjunktur ließe sich durch faktisch kostenloses Geld erzeugen und sicherstellen, durch unbegrenztes Schuldenmachen und mit Investitionen in alles, was sich Vernunft und Unvernunft nur ausdenken können. Daß die Bundesregierung die deutschen Staatschulden zurückführt, kommt nicht der steigenden Zahl von Armen in unserem Lande zugute und wird auch nicht zur Korrektur der unsozialen Steuerbelastung von Geringverdienern genutzt. Daran denkt der SPD-Mann Olaf Scholz gar nicht. Nein, das Geld fließt in die Taschen der Wohlhabendsten in Deutschland, die sich weiterhin über niedrige Steuern freuen können, und möglicherweise im Falle des Scheiterns der Währungsunion auch in die Taschen der Reichsten in den dann fallierenden Südstaaten der Union.
Der Traum vom immerwährenden Wohlstand ist genauso ein Hirngespinst wie der Traum von sozialer Gerechtigkeit. Wäre es nämlich wahr, daß Gelddrucken und Schuldenmachen die ewige Hochkonjunktur garantierten, hätte die Menschheit das gewiß schon sehr viel früher entdeckt und wir existierten heute unter vollkommen anderen sozialen und politischen Umständen. Oder vielleicht als Hochzivilisation auch gar nicht mehr.
Jedes Delirium geht einmal zuende, auch das kollektive. Da können sich die Finanzjongleure und Manipulateure noch so ins Zeug legen, um den Rausch so gut es geht zu verlängern. Die Frage ist nur: wie und mit welchen Folgen sie das tun. Die möglichen Folgen zu bedenken, mahnt uns die historische Erfahrung, die wir allerdings nur allzu gern verdrängen. Sei’s drum. Was uns die Zukunft bringen wird, wann, wie und mit welchen Folgen die entartete Herrschaft der Finanzwirtschaft zuende gehen wird und welche Schäden sie der Menschheit bis dahin noch zufügen wird, können wir ohnehin nicht wissen. Allenfalls können wir darüber unter Nutzung unseres in der Vergangenheit erworbenen Wissens und unserer Erfahrungen spekulieren. Und letztlich fußen alle unsere Vorstellungen und Voraussagen hinsichtlich der Zukunft auf Erinnerungen der Vergangenheit – nicht selten unbewußt drapiert von unseren Hoffnungen und Wünschen.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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