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Agnes Karll und ihre Ziele - aktueller denn je

23.03.2018 • 12:06 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft
Bild: Agnes Karll und ihre Ziele - aktueller denn je

(openPR) Am 25. März jährt sich der Geburtstag von Agnes Karll zum 150. Mal. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) würdigt diesen Tag in vielfältiger Weise, bewahrt das Andenken an seine Verbandsgründerin und setzt das berufspolitische Eintreten für den Pflegeberuf in ihrem Sinne fort. Agnes Karll ist eine bedeutende Vordenkerin ihrer Zeit gewesen, sie war Frauenrechtlerin, leidenschaftliche Interessenvertreterin und Reformerin der deutschen Pflege. „Ihr Verdienst ist der Schritt in die Professionalisierung des Pflegeberufs, der Weg in die Selbständigkeit und Selbstverantwortung, die deutliche Betonung der fachlichen Kompetenz der Pflegenden und die Absicherung beruflicher Risiken. Sie gehörte zu den Frauen, die für eine umfängliche Bildung eintraten, um das Durchstoßen der „gläsernen Decke“ für die Übernahme verantwortlicher Aufgaben zu ermöglichen“, erklärt Prof. Christel Bienstein, die Präsidentin des DBfK.



Mit Eintritt in die Pflege erlebte Agnes Karll als 19-jährige, was für beruflich pflegende Frauen Ende des 19. Jahrhunderts Alltag war: Arbeitstage bis zu 20 Stunden, kaum Freizeit, Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers, allenfalls ein geringes Taschengeld, Willkür der Vorgesetzten, fehlende soziale Absicherung, mangelnde Ausbildung. Agnes Karll hatte früh internationale Erfahrungen sammeln können. Mit der Gründung der „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“ (BOKD) – Vorläuferin des DBfK - im Januar 1903 in Berlin begann sie, ihre Vision einer unabhängigen Pflegeprofession mit definiertem Berufsbild, guten Arbeitsbedingungen und geregelter Ausbildung bis hin zur Akademisierung umzusetzen. Dass sie verbreitet auf Unverständnis stieß und gegen heftige Widerstände kämpfen musste, zeigt ihr bekannt gewordener Wahlspruch: „Per aspera ad astra – auf rauen Wegen zu den Sternen.“

Agnes Karlls Anliegen und Ziele sind bis heute unverändert bedeutsam und aktuell. Die Pflegeprofession in Deutschland hat noch längst nicht die Autonomie und den Stellenwert im Gesundheitssystem erreicht, der nötig wäre, um gute Pflege für jeden, der sie braucht, sicherzustellen. Der Frauenberuf Pflege ist hierzulande nach wie vor gekennzeichnet durch hoch belastende Arbeitsbedingungen, niedriges Lohnniveau, das Risiko berufsbedingter Erkrankungen und Altersarmut sowie geringe Autonomie und fehlende Mitentscheidung auf allen Ebenen des Gesundheitswesens. Und der Anschluss an internationales Niveau der Pflegebildung ist noch lange nicht geschafft. Dass gerade in Deutschland beruflich Pflegende vor diesem Hintergrund ihre Situation beklagen, sich aber dann passiv zurückziehen anstatt aktiv und gemeinsam für Verbesserungen zu kämpfen, wäre eine Enttäuschung für diese weitsichtige und mutige Frau.

In ihrer gestrigen Regierungserklärung blieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in Sachen Pflege wenig konkret. Alle in der Pflege Tätigen seien für sie „stille Helden der Gesellschaft“, weil sie einen „Beitrag zur Menschlichkeit“ leisten. An die Adresse der gesamten Bundesregierung sei gesagt: diese Form der Anerkennung reicht nicht. Die stillen Helden sind ausgebrannt und verschlissen, sie haben nicht mehr die Kraft, laut zu werden. Stattdessen treten sie immer häufiger – ebenso still – den Rückzug an aus ihrem Beruf, den die Gesellschaft immer dringender braucht. Agnes Karlls Appell an die professionell Pflegenden gilt heute mehr denn je: „Will die (beruflich) Pflegende nicht wie bisher Amboß sein, muss sie eiligst anfangen, Hammer zu werden und nicht mehr ihr Geschick willenlos aus den Händen Anderer zu nehmen, sondern es selbst zu gestalten.“

Aus Anlass des Jubiläums hat der DBfK eine umfangreiche Informationsseite zu Leben und Werk Agnes Karlls zusammengestellt: https://www.dbfk.de/de/ueber-uns/150ster-Geburtstag-Agnes-Karll.php

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