(openPR) Internationale Fachtagung umreißt eine Ethik für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung
Am 22. und 23.2.2018 fand in Mannheim die internationale Fachtagung „Ethik in der Beratung – Anspruch und Wirklichkeit“ statt. Zu der gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung (dvb), des Nationalen Forums Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (nfb) und der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) waren über 300 Berater*innen sowie mehr als 60 Expert*innen aus Wissenschaft, Beratungseinrichtungen und Verbänden erschienen. „Die hohe Zahl der Teilnehmenden macht deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Austausch zu diesem Thema unter den Beratenden ist,“ stellt Rainer Thiel, der Vorsitzende des dvb, fest. „Dabei können wir nach dieser Tagung ein erstes Ergebnis festhalten. Trotz der Vielzahl der Blickwinkel herrscht in einem Punkt Einigkeit: mit Hilfe von Instrumenten wie kollegialer Beratung und Supervision können Beraterinnen und Berater den Blick für ihre Haltung und ihr Tun schärfen.“ Damit stehe ihnen ein Mittel zur Eichung ihres ethischen Kompasses zur Verfügung, das aber noch nicht in jeder Beratungsstelle genutzt werde, so Thiel.
In den Vorträgen, Foren und fachlichen Streitgesprächen der Tagung waren zuvor die Bestandteile einer Ethik für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung betrachtet worden. Neben grundsätzlichen Definitionen, was denn die besondere ethische Herausforderung im Beratungsumfeld sei, konnten sich die Teilnehmenden in einem fundierten Vortrag des Züricher Psychologen Prof. Dr. Christoph Negri mit den anstehenden Veränderungen dieser Bedingungen durch die Arbeitswelt 4.0 befassen. In einem Streitgespräch, das von dem luxemburgischen Berufspsychologen Jean Jacques Ruppert moderiert wurde, standen sich Beratungspraktiker*innen, Wissenschaftler*innen und Vertreter von Verbänden und Beratungsanbietern gegenüber. Einzelnen Themen gingen die Tagungs¬teilnehmer*innen zudem in moderierten Kleingruppen nach, z.B.: Wodurch entsteht Druck bei Beratenden? Ist Beratung unparteilich oder interessengeleitet? Welche ethischen Standards gibt es in verschiedenen Ländern? Abschließend erarbeitete eine weitere Podiumsrunde Vorschläge, wie ethische Haltung und Verhalten in der Aus- und Weiterbildung von Bildungs- und Berufsberatern verankert werden können.
Neben den genannten Methoden zur Selbstreflexion, die Beratenden helfen können, eine Orientierung für ihr ethisches Handeln zu finden, ergab die Tagung eine weitere wichtige Erkenntnis: Während bislang eher Idealziele als Standards für angemessenes Handeln formuliert worden waren, kam in den Diskussionen die Idee auf, eine Untergrenze dessen zu beschreiben, was noch als fachlich und moralisch vertretbares Beratungshandeln bezeichnet werden kann. Diese in der Praxis als Mindeststandard durchzusetzen, ist eine Aufgabe für die Fach- und Berufsverbände im Feld der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung.
Fotos und Bildunterschriften der Veranstaltung finden Sie zum Download unter: https://c.gmx.net/@334599334785979614/VKFflnvhRhONtuUv3vGqSw













